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In Löbau wird kein Astrazeneca mehr verimpft

Im Impfzentrum in Löbau wird seit Donnerstag bei Erstimpfungen kein Astrazeneca gespritzt. Das hat aber keine medizinischen Gründe.

Das Impfzentrum in der Messehalle Löbau. Hier wird für Erstimpfungen ab sofort kein Astrazeneca mehr verwendet - allerdings nicht wegen dessen angeschlagenen Image.
Das Impfzentrum in der Messehalle Löbau. Hier wird für Erstimpfungen ab sofort kein Astrazeneca mehr verwendet - allerdings nicht wegen dessen angeschlagenen Image. © Matthias Weber/photoweber.de

Chaos beim Impfen: Viele Ältere versuchten am Donnerstag online einen Impftermin fürs Löbauer Impfzentrum zu bekommen – vergebens. Wie kann das sein, wo doch hunderte freie Termine im Internet zu sehen sind und wo selbst Sachsens Sozialministerin Petra Köpping am Donnerstag sogar im Radio ihre Verwunderung darüber zum Ausdruck brachte, dass dann wohl die Leute nicht zum Impfen kommen.

Hintergrund des ganzen Durcheinanders: In Löbau wird seit Donnerstag kein Astrazeneca mehr verimpft - zumindest nicht für Erstimpfungen. Das DRK hat seinen Vertrag für das Impfzentrum nur bis 30. Juni, eine Zweitimpfung wird bei Astrazeneca nach elf Wochen verabreicht. Das heißt, dass das dann nach jetzigem Stand nicht mehr in Löbau möglich wäre. „Wir sind natürlich im Gespräch mit den Betreibern der Messehalle“, sagt Silke Seeliger vom DRK. „Doch ob wir auch im Juli weitermachen, liegt nicht in unserer Hand. Darüber entscheidet der Freistaat.“

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Große Verwirrung hat das vor allem in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen ausgelöst. Viele von ihnen sind nach wie vor im Glauben, sich jetzt offiziell impfen lassen zu dürfen. Doch Frau Seeliger erklärt noch mal: „Das war eine befristete Aktion und galt nur für Astrazeneca. Von den Priorisierungsgruppen her sind sie noch nicht dran.“ Sie hoffe aber, dass sobald wie möglich die Priorisierungen aufgehoben werden und alle zum Impfen kommen dürfen.

Das ist auch der große Wunsch von Landrat Bernd Lange. Er ist selbst über 60 Jahre alt und erklärte gestern, auch mit Astrazeneca geimpft worden zu sein - es gehe ihm sehr gut. Trotzdem war im Pressetermin zur Corona-Lage sein großer Ärger erneut spürbar. Über die gerade beschlossene Bundesnotbremse vor allem.

Hatte am Donnerstag einen extra hektischen Tag: Silke Seeliger vom DRK im Löbauer Impfzentrum. Viele Leute riefen an und wunderten sich, warum sie so viele freie Termine sahen, sich aber nicht mehr zum Impfen anmelden konnten.
Hatte am Donnerstag einen extra hektischen Tag: Silke Seeliger vom DRK im Löbauer Impfzentrum. Viele Leute riefen an und wunderten sich, warum sie so viele freie Termine sahen, sich aber nicht mehr zum Impfen anmelden konnten. © Matthias Weber/photoweber.de Mat

Der Bund solle das tun, was seine Aufgabe ist. Grenzkontrollen zu Polen beispielsweise wünscht sich Lange, eine einheitliche App oder auch klare und einheitliche Linien bei den Corona-Maßnahmen. Um die Dinge vor Ort könne sich der Landkreis sehr gut selbst kümmern und wolle das gerade beim Impfen jetzt auch verstärkt in die Hand nehmen. Dass Impfstoff, der einmal an den Landkreis geliefert wurde, wieder zurückgeht, weil er nicht verimpft werden konnte, wolle er nicht mitmachen, so der Landrat. „Görlitz ist first. Ich werde darum kämpfen, dass kein Impfstoff zurückgeht“, so Lange. Das sei ihm aus Löbau zu Ohren gekommen. Silke Seeliger bestätigt, dass Impfstoff schon einmal nach Dresden zurückgegeben wurde, aber nur in kleinen Mengen.

Intensiv will der Landkreis jetzt fürs Impfen werden, auch für den Astrazeneca-Impfstoff. Noch mehr Arztpraxen sollen einbezogen werden - 85 Allgemeinmediziner oder Fachärzte im Kreis impfen derzeit. Mit den Bürgermeistern will man noch intensiver ins Gespräch kommen, wo und wie impfen vor Ort möglich ist. In einigen Gemeinden gab es bereits Aktionen, die auf große Resonanz stießen. Auch sei das Interesse bei den Hausärzten sehr groß, und nicht zuletzt zeigen die vielen Anrufe in Löbau, dass der Landkreis Görlitz durchaus kein Impfmuffel-Kreis ist, sondern dass es an den Voraussetzungen liegt, dass der Kreis beim Impfen so zurückliegt. 55.985 sind inzwischen geimpft: 38.089 einmal und 17.896 bereits zweimal. Bei den über 80-Jährigen sind etwa 61 Prozent geimpft, der Landkreis geht davon aus, dass aber mindestens 80 Prozent dieser Altersgruppe impfwillig seien.

Immer Jüngere auf den Intensivstationen

Wie wichtig das sein kann, zeigt der Blick auf die aktuelle Lage. 123 neue Infektionen hatte der Kreis am Donnerstag zu verzeichnen, weniger als die 157 am Vortrag, aber dennoch auf hohem Niveau. „Offenbar pendeln wir uns langsam wieder auf das Niveau vor Ostern ein und bekommen wieder unverfälschte Zahlen“, so der Landrat. 110 Erwachsene und 13 Kinder sind frisch infiziert, 29 Coronavirus-Mutationen wurden gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz des Landkreises betrug am Donnerstag 249, das RKI gab sie mit 208 an.

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Weiter verschärft sich die Lage in den Kliniken. Zwar liegen mit aktuell 114 Menschen beileibe noch nicht so viele im Krankenhaus wie etwa im Dezember, als es 250 bis 280 waren. Dennoch beunruhige ihn der Blick auf die Intensivstationen, so Bernd Lange. Hier sei die Belegung höher als während der zweiten Welle, mit deutlich jüngeren Patienten. So befänden sich aktuell drei Patienten zwischen 31 und 40 Jahren, drei zwischen 50 und 60, acht zwischen 60 und 70 Jahren und einer zwischen 80 und 90 Jahren auf Intensivstationen.

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