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Impfzentrum schließt - Wie hoch ist die Quote wirklich?

Nach rund neun Monaten macht das Impfzentrum des Kreises in der Löbauer Messehalle heute zu. Die SZ zieht Bilanz.

Löbaus DRK-Chefin Silke Seeliger war die Hausherrin im Impfzentrum in der Messehalle.
Löbaus DRK-Chefin Silke Seeliger war die Hausherrin im Impfzentrum in der Messehalle. © Matthias Weber/photoweber.de Mat

Am heutigen Donnerstagabend, 30.September, schließt das Impfzentrum des Landkreises Görlitz in der Löbauer Messehalle. Letzter Einlass für Impfwillige ist um 17.30 Uhr, um 18 Uhr gehen die Türen dann endgültig zu. Die Zahl der vom Impfzentrum verabreichten Dosen ist enorm - doch einen Aufschluss über die Impfquote im Landkreis gibt diese nicht. Das hat Gründe.

Nach Angaben von Löbaus Rotkreuz-Chefin Silke Seeliger als Hausherrin des Impfzentrums wurden im Impfzentrum und von den mobilen Impfteams im Zeitraum zwischen 11. Januar und Ende September 202.633 Impfdosen verabreicht (Stand: 28. September, 18 Uhr). Davon 104.171 Erstimpfungen - diese Zahl enthält auch solche des Impfserums von Johnson & Johnson, das nur einmal verabreicht werden muss. Die Zahl der verabreichten Zweitimpfungen betrug demnach 98.492.

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Die hohe Quote täuscht

Auch nach den verabreichten Impfstoffen hat Silke Seeliger die Statistik aufgeschlüsselt. Mit Abstand meist verimpftes Serum war der mRNA-Impfstoff von Pfizer Biontech. Davon wurden 108.791 Dosen im Impfzentrum und weitere 42.769 durch die mobilen Teams verabreicht. Es folgt der zweite mRNA-Impfstoff von Moderna mit 30.226 (2.133) Einheiten. AstraZeneca wurde 17.059 (1.053) mal verabreicht, Johnson & Johnson, der erst sehr spät kam, 455 (177) mal. Insgesamt entfielen 156.531 Impfungen auf das Impfzentrum, 46.132 auf die mobilen Teams. Sachsenweit sind laut Seeliger etwa 2,6 Millionen Impfdosen verabreicht worden.

In Relation zur Bevölkerung des Landkreises Görlitz gesetzt, würde eine Zahl von über 202.000 Impfdosen eine Impfquote von rund 81 Prozent (mindestens erstgeimpft) ergeben. "Ein solcher Schluss ist nicht zulässig", sagt Silke Seeliger. Denn besonders in der Hochphase der Impfungen besuchten etliche Menschen aus dem Landkreis Bautzen, aus Dresden oder gar aus Leipzig das Löbauer Impfzentrum. Zu der Zeit gab es Impftermine sachsenweit nur über ein Internetportal. In Großstädten wie Dresden und Leipzig waren die Impftermine oft innerhalb von Minuten ausgebucht. Löbau dagegen galt bei vielen Menschen aus diesen Regionen als eine Art Geheim-Tipp, weil Impftermine hier immer wesentlich leichter in dem Portal zu buchen waren - ein Hinweis auf eine gegenüber anderen Regionen höhere Impfmüdigkeit im Landkreis. Zahlen darüber, wie viele Löbauer Impflinge gar nicht aus dem Kreis Görlitz stammen, hat das DRK nicht erhoben.

Fast nie mit voller Kapazität gelaufen

Egal wie hoch die tatsächliche Impfquote im Kreis ist, Silke Seeliger sieht das Löbauer Impfzentrum als einen großen Erfolg. "Jede Impfung hilft, die Pandemie zu beenden", sagt sie, gesteht aber auch, dass es besser hätte laufen können - auch wenn für die Probleme nicht das DRK oder das Löbauer Impfzentrum verantwortlich seien. Hauptproblem war die anfängliche Unterversorgung mit Impfseren. "Am Anfang, als die Nachfrage nach Terminen groß war, hatten wir zu wenig Impfstoff. Als wir dann genug Impfstoff hatten, hatten wir zu wenig Impfwillige", sagt sie.

Daher sei das Löbauer Impfzentrum auch nur an wenigen Tagen mit voller Kapazität von 1.800 Impfungen täglich gelaufen. In den letzten Wochen gab es keine Impftermine mehr über das Portal - das ist abgeschaltet. Menschen konnten einfach ohne Termin ins Impfzentrum kommen. Die Impfstraßen mit den Kabinen für Ärzte, Apotheker und den eigentlichen Impfkabinen in der Messehalle wurden in den letzten Tagen auch schon abgebaut. Geimpft wurde in den letzten Tagen in zwei in der Halle abgestellten Impfmobilen. Und manchen Bürger befiel in diesen Tagen offensichtlich Torschluss-Panik. "Hier sind noch Leute hereingekommen, die haben gesagt: Was, Ihr schließt? Wo soll ich mich denn dann noch impfen lassen?", erzählt Seeliger. So sei man in den letzten Tagen immer noch auf bis zu 180 Impfungen täglich gekommen.

Impfteams noch bis Jahresende unterwegs

Das Impfzentrum schließt nun zwar, dessen Arbeit aber ist noch nicht völlig beendet. "Wir werden bis zum 31. Dezember noch montags bis samstags mit den Impfmobilen in den Kommunen des Landkreises unterwegs sein", sagt Silke Seeliger. Wann ein Impfteam wo sei, könne man im Internet auf der Seite des DRK Sachsen sehen. Diese mobilen Impfteams werden auch die Zweitimpfungen für die Schülerimpfaktion an diversen Schulen im Landkreis erledigen. "Wir hoffen, dass wir so auch noch die Unentschlossenen erreichen", sagt Seeliger. Sie schätzt, dass etwa 20 Prozent der Bevölkerung die Impfung ablehnen, aber noch bis zu 15 Prozent erreichbar wären, wenn der Zugang zur Impfung für sie bequemer wäre - diese Bequemlichkeit sollen die Impfmobile in den Kommunen schaffen.

Auch kuriose Dinge hat Seeliger im Impfzentrum erlebt. "Wir hatten den Fall eines jüngeren Mannes, der so viel Angst vor der Impfung hatte, dass er schon vor der Impfung eine Impfreaktion gezeigt hat und zusammengeklappt ist", erzählt sie. Vor lauter Nervosität seien ihm die Beine weggesackt. Er sei aber schnell versorgt worden, habe sich dann impfen lassen und erklärt, von dem Piks überhaupt nichts gemerkt zu haben. "Und eine Frau hat uns unter Tränen erklärt, so viel Angst vor der Spritze zu haben, sich aber dennoch impfen lassen zu wollen", erzählt sie. Auch dieser Frau habe man die Angst nehmen können. Zu bedrohlichen Situationen für das Personal sei es in der ganzen Zeit Gott sei Dank nie gekommen. Zwar habe das Security-Personal 20 Anzeigen erstellt, etwa wegen verbotener Gegenstände, die Gäste mit sich geführt hätten. Aber zum einen sei das nicht zwingend mit der Absicht geschehen, irgendjemanden bedrohen zu wollen, so Seeliger und außerdem: "Bei über 200.000 verabreichten Impfdosen ist die Zahl von 20 Anzeigen doch verschwindend gering", sagt sie - oder als Inzidenz ausgedrückt: Zehn.

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Die Einrichtung des Impfzentrums in der Messehalle war für deren Betrieb ein Segen in der Corona-Krise. Denn Konzerte, Messen, andere Veranstaltungen - das war wegen der Pandemie lange alles nicht möglich. Mit dem Impfzentrum aber hatte die Halle über beinahe ein Jahr einen verlässlichen Mieter, der die Kosten tragen konnte. Schon in wenigen Tagen wird wieder Normalität in der Halle einkehren. Dann starten etwa die Karrieretage. Und im nächsten Jahr wird voraussichtlich auch wieder die gewohnte Nutzung möglich sein.

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