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Arzt: Impfzentrum-Schließung ist ein Fehler

Das Löbauer Impfzentrum muss seine Arbeit auf Beschluss der Staatsregierung einstellen. Der Görlitzer Impfarzt Hans-Christian Gottschalk hält das für unklug.

Dr. Hans-Christian Gottschalk aus Görlitz ist Ärztesprecher des Impfzentrums Löbau.
Dr. Hans-Christian Gottschalk aus Görlitz ist Ärztesprecher des Impfzentrums Löbau. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte es bereits am Vortag angedeutet - und am Dienstagmittag (27. April) meldete Sozialministerin Petra Köpping (SPD) Vollzug: Die Corona-Impfzentren der Landkreise werden am 30. Juni geschlossen - erhalten bleiben nur die in den Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz. Die Corona-Impfungen sollen von da an die Hausärzte durchführen.

Betroffen von dieser Entscheidung ist auch das Impfzentrum des Landkreises Görlitz in der Löbauer Messehalle. Der Sprecher der hier tätigen Impfärzte, Dr. Hans-Christian Gottschalk, hält die Schließung für einen schweren Fehler.

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"Ich bin enttäuscht. Das ist keine intelligente Entscheidung", sagt Dr. Gottschalk, kurz nachdem die Ministerin sie in einer Pressekonferenz öffentlich gemacht hatte. Er fürchtet, dass durch die Entscheidung das Ziel vereitelt wird, die sächsische Bevölkerung schnell durchzuimpfen.

Dr. Gottschalk ist auch Mitglied der Sächsischen Impfkommission. Er und seine Kollegen hatten schon vor Wochen geahnt, dass es zu so einer Entscheidung kommen werde. Deshalb schrieb er bereits am 17. April einen Brief unter anderem an den Ministerpräsidenten und die Sozialministerin, in dem er eindringlich vor diesem Schritt warnte.

"Meilenweit vom Ziel entfernt"

"Unser gemeinsames Ziel ist es, möglichst bald die Pandemie zu stoppen, um zu einem normalen Leben zurückzukehren", schrieb er in dem Brief. Dazu sei es nötig, eine Herdenimmunität der Bevölkerung zu erreichen - also eine Immunitätsrate von 70 Prozent. "Aber wir mussten auch lernen, dass es nicht vertretbar und auch nicht möglich ist, diese Herdenimmunität durch die Erkrankung selbst zu erreichen", so Dr. Gottschalk weiter. Das Ziel sei allein durch Impfungen erreichbar. "Das bedeutet, dass 70 Prozent der Einwohner des Landkreises Görlitz zweimal geimpft werden müssen", schreibt er - weil alle bislang zur Verfügung stehenden Impfstoffe zweimal verabreicht werden müssen, um einen vollen Impfschutz zu gewährleisten. Diese 70 Prozent wären im Landkreis etwas mehr als 177.000 Personen.

Dr. Gottschalks einfache Rechnung: Das bedeutet rund 355.000 verabreichte Impfdosen. Mit Stand vom Dienstag waren im Impfzentrum und von den zwei mobilen Impfteams 71.230 Impfdosen verabreicht worden, davon rund 21.000 Zweitimpfungen. Gottschalks logischer Schluss: "Wir sind meilenweit von dem Ziel einer Herdenimmunität entfernt. Die Entscheidung, die Impfzentren zu schließen, ist daher unverständlich." Dabei sieht er die Impftätigkeit der Hausärzte als wichtigen Baustein, um die Herdenimmunität zu erreichen.

"Nur durch eine gemeinsame Kraftanstrengung vom Impfzentrum Löbau und den Hausärzten des Landkreises über den 30. Juni hinaus, ist es möglich, den Wettlauf mit dem Virus noch rechtzeitig zu gewinnen", warnt Dr. Gottschalk. Genau dieser Meinung seien auch zahlreiche Hausärzte, die neben ihrer Praxis auch im Löbauer Impfzentrum arbeiten. "Sollte das Impfzentrum Löbau am 30. Juni seine Arbeit einstellen müssen, sehen wir eine große Gefahr, dass das Impfziel für den Landkreis Görlitz nicht mehr zeitgerecht erreicht werden kann", schreibt Gottschalk weiter im Brandbrief an die Staatsregierung.

Impfziel nur gemeinsam erreichbar

Dabei wäre die Notwendigkeit des Löbauer Impfzentrums nach Auffassung des Arztes zeitlich überschaubar. "Wenn wir noch ein Quartal lang weitermachen könnten, bis Ende September, wäre das Ziel erreicht", sagt er. Dr. Gottschalk ist überzeugt, dass allein die sächsischen Hausärzte das nötige Impf-Volumen nicht werden stemmen können. "Das große Ziel, dass alle Hausärzte mitmachen, hat sich leider auch nicht erfüllt", sagt er und wirft damit eine heikle Frage auf: Was ist mit den Patienten der Hausärzte, die sich nicht an den Impfungen beteiligen? "Mal eben zu einem anderen Hausarzt gehen und sagen: einmal Impfen bitte - das wird nicht klappen", sagt Gottschalk. Und dann gebe es ja auch Menschen, die gar keinen Hausarzt haben. "Denen kann ich nur die Impfsprechstunde des Gesundheitsamtes empfehlen", sagt er.

Dr. Gottschalk will gar keine Konkurrenz-Situation zwischen Impfzentrum und Hausärzten aufbauen. "Jeder hat seine eigene Klientel", sagt er. Nur in Kombination von Hausärzten und Impfzentren sei das Ziel zu erreichen. "Im Rahmen der lokalen Impfstrategie hat jeder der beiden seine spezifische Aufgabe zu erfüllen. Die hohe Inzidenz im Landkreis rechtfertigt nur ein gemeinsames Vorgehen", schreibt er in seinem Brief an die Regierung. Ein Konkurrenzdenken sei da völlig fehl am Platz und unangemessen.

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