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Corona in Dresden: Ein dunkler November

So viele Tote und Infizierte hat es seit Beginn der Pandemie nicht gegeben. Die vergangenen vier Wochen stellen die Stadt vor bislang unbekannte Aufgaben.

Mehr Infizierte, mehr Erkrankte, mehr Tote in Dresden: Der November stellt in der Corona-Pandemie alles in den Schatten.
Mehr Infizierte, mehr Erkrankte, mehr Tote in Dresden: Der November stellt in der Corona-Pandemie alles in den Schatten. © dpa/Robert Michael (Symbolbild)

Dresden. Der November markiert einen traurigen Höhepunkt. In den zurückliegenden 30 Tagen starben 37 Dresdner an den Folgen einer Corona-Infektion, fast 150 Erkrankte mussten in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Ein Teil von ihnen wird bis heute künstlich beatmet. Das ist die Corona-Bilanz für den November.

Die Fälle: Lockdown zeigt bisher keine Wirkung

Knapp zwei Drittel aller bisher nachgewiesenen Corona-Infektionen sind im November festgestellt worden. Konkret handelt es sich um 4.021 Dresdner, die sich ansteckten. Allein am Montag kamen 266 dazu. Seitdem die Pandemie im März in der Stadt ausbrach, konnte der Erreger bei insgesamt 6.448 Menschen nachgewiesen werden.

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Wie viele von ihnen Symptome verspüren, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Nur von rund 590 Infizierten weiß man, dass sie erkrankt sind. Sie haben angegeben, worunter sie leiden und seit wann. Von den restlichen Infizierten konnte man dies nicht Erfahrung bringen oder sie verspürten keine Beschwerden.

Die schweren Fälle: Dutzende Patienten künstlich beamtet

Husten, Schnupfen, Fieber oder der Verlust des Geruchssinns – bei vielen Erkrankten verläuft die Corona-Infektion mit leichten Symptomen. Genau 141 Dresdner erkrankten im November aber so schwer, dass sie ins Krankenhaus eingewiesen werden mussten. Vier Klinik-Aufnahmen meldete das Gesundheitsamt am Montag. Dabei reicht nicht immer eine Versorgung auf der Normalstation aus. In den vergangenen vier Wochen stieg der Anteil der Intensivpatienten kontinuierlich an. Mussten am 1. November noch fünf Erkrankte intensivmedizinisch behandelt werden, so waren es am Montagmittag 56. Genau 41 von ihnen mussten künstlich beatmet werden.

Gefürchtet sind insbesondere Lungenschäden, durch die nicht mehr genügend Sauerstoff ins Blut gelangt, sowie Lungenentzündungen, Blutgerinnsel oder zusätzliche Infektionen mit Pilzen und Bakterien, die es durch das geschwächte Immunsystem leicht haben, sich im Körper zu vermehren.

Als besonders gefährdet gelten Menschen mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder schwerem Asthma. Auch das Alter gilt als Risikofaktor, da die körpereigene Abwehr über die Jahre schwächer wird. Typischerweise verschlechtern sich die Symptome bei schweren Verläufen nach sieben bis zehn Tagen.

Die Todesfälle: Alle Verstorbenen über 60 Jahre alt

Schaut man auf 2020 zurück, so darf man den November als schwarzen Monat bezeichnen. Von 55 Dresdnern, die bisher am Coronavirus starben, verloren 37 in diesem Monat ihr Leben. Das städtische Gesundheitsamt betont, dass nur Sterbefälle gezählt werden, bei denen die Patienten laut Totenschein an Covid-19 starben, nicht mit.

Ein Grund: Im Oktober und November infizierten sich vermehrt ältere Dresdner, insbesondere Hochbetagte. In mehreren Pflegeheimen wurde vom Gesundheitsamt für Hunderte Bewohner Quarantäne angeordnet. Allein am Montag waren 16 Einrichtungen in der Stadt betroffen. Bisher waren alle Corona-Toten über 60 Jahre alt, die Mehrheit sogar über 80.

Insgesamt sind bisher rund 0,9 Prozent aller Infizierten in der Landeshauptstadt gestorben. In der Gruppe der über 80-Jährigen liegt die Fallsterblichkeit in Dresden bei 6,6 Prozent. Von den nachweislich Infizierten im Alter von 60 bis 79 Jahren starben bislang 1,8 Prozent.

Die Lage in den Krankenhäusern: Arbeiten unter Volllast

Was zu Beginn der zweiten Welle noch undenkbar schien, ist im November eingetreten: Die Dresdner Krankenhäuser, in denen Corona-Patienten versorgt werden, sprechen inzwischen davon, dass sie am Limit arbeiten. Allein im Städtischen Klinikum sind am Montag 25 Menschen auf der Intensivstation und weitere 76 auf der Normalstation betreut worden. Eine Sprecherin bezeichnete die Kapazitäten auf der Normalstation als hoch ausgelastet.

Aktuell sei man dabei, weitere Betten für Corona-Patienten zu schaffen, darunter vier für die intensivmedizinische Versorgung. Nicht nur, um die angespannte Situation in Dresden, sondern in ganz Ostsachsen zu entschärfen. Denn in der Landeshauptstadt werden auch Patienten von außerhalb versorgt. Das funktioniert aber nur, wenn keine anderen Patienten auf der Intensivstation liegen. Aus diesem Grund werden nun weitere planbare Operationen verschoben. "Die Versorgung von Notfällen und lebensbedrohlichen Maßnahmen ist sichergestellt", so die Sprecherin.

Für die Krankenhäuser ist dies keine einfache Aufgabe. Denn auch unter den Mitarbeitern würden sich Menschen befinden, die positiv getestet wurden. Detaillierte Angaben dazu, wie viele Ärzte und Pfleger im Städtischen Klinikum aktuell nicht arbeiten können, wolle man aber nicht machen. "Den temporären Ausfall von Mitarbeitern durch Quarantäne kompensieren wir auch durch die bereits dargestellte Schließung von Betten." Dies sei mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden, den aktuell alle Krankenhäuser leisten müssten. Gegenwärtig sei die Versorgung der Patienten in allen Bereichen gesichert. "Unsere Mitarbeiter leisten Außergewöhnliches bei der Betreuung unserer Patienten."

In ganz Dresden standen am Montag noch 50 sofort betreibbare Intensivbetten frei. Betreibbar heißt, dass nicht nur die Betten vorhanden sind, sondern auch das nötige Personal, die Räumlichkeiten und die Technik.

Die Tests: Weniger Proben, weniger positive Ergebnisse

Wie viele Corona-Tests in Dresden durchgeführt werden, ist unklar. Stichprobenartige Zahlen liegen lediglich für ganz Sachsen vor. Demnach wird seit dem 1. November von Woche zu Woche weniger auf das Virus getestet. In der ersten Novemberwoche waren es noch 13.740 Tests, die von den Laboren an das Robert-Koch-Institut gemeldet wurden. Mitte des Monats waren es nur noch 8.274.

Das ist nicht ungewöhnlich, da die nationale Teststrategie verändert wurde. Einen kostenlosen Test bekommt man nicht mehr, wenn man nur typische Symptome wie trockenen Husten hat. Darüber hinaus gelten auch Risikofaktoren als Kriterium. Das können Vorerkrankungen sein, aber auch akute Atemnot oder Fieber. Weniger Tests – weniger positive Fälle? Tatsächlich werden etwas weniger Corona-Infektionen erkannt. Ende Oktober waren es in Sachsen noch 2.230, Mitte November nur noch 2.141.

Die Sieben-Tage-Inzidenz: Wert erreicht Rekord

Ab 1. Dezember gilt: Werden an fünf aufeinanderfolgenden Tagen mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche gezählt, sind Ausgangsbeschränkungen unumgänglich. Raus darf dann nur der, der auf Arbeit muss, einkaufen möchte, einen Arzttermin hat oder spazieren gehen möchte. Letzteres ist aber auch nur im näheren Wohnumfeld gestattet. In Dresden lag diese sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz am Montag bei 230. Tag 1 auf dem Weg zu schärfen Maßnahmen. Zum Vergleich: Am 1. November lag die Inzidenz noch bei unter 100.

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