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Corona in Dresden: Jobs weg, Steuereinbruch

Das Coronavirus hat der Dresdner Wirtschaft massiv geschadet. Was die Stadt dagegen tut, was aus dem Striezelmarkt werden soll und was Mut macht.

Dresdens Chef für Wirtschaftsförderung Robert Franke sieht nachhaltige Schäden durch Corona für Dresdens Unternehmen und Arbeitsplätze.
Dresdens Chef für Wirtschaftsförderung Robert Franke sieht nachhaltige Schäden durch Corona für Dresdens Unternehmen und Arbeitsplätze. © Christian Juppe

Dresden. Das Coronavirus und dessen Folgen - das Schließen von Geschäften, Restaurants, Kneipen, Kultureinrichtungen, Veranstaltungsverbote und vieles mehr - haben in Dresden heftige Auswirkungen. Dresdens Amtsleiter für Wirtschaftsförderung, Robert Franke, zog jetzt eine erste Corona-Bilanz. Die Arbeitslosenzahlen sind gestiegen, die Gewerbesteuer massiv eingebrochen.

Mehr Arbeitslose Dresdner und es fehlen Millionen

"Die Arbeitslosenquote lag in Dresden im August bei 6,8 Prozent", so Franke. Das sei ein Anstieg um rund 9.000 Dresdner, die ohne sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sind im Vergleich zum Sommer 2019. Damit hat Dresden wieder mehr als 20.000 Arbeitslose. "Wir haben in den vergangenen fünf Jahren gut 30.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Jetzt sind auch durch Corona viele weg", sagt Franke. Die Quote ist von 5,3 Prozent im Jahr 2019 auf derzeit 6,8 Prozent gestiegen.  

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Wegen der Krise fehlen den Unternehmen, Händlern, Gastronomen und so weiter Einnahmen. Deshalb zahlten sie auch weniger Gewerbesteuer an die Stadt. 131 Millionen Euro sind im ersten Halbjahr an Gewerbesteuern zusammengekommen, geplant waren laut Franke mehr als 150 Millionen Euro. Dazu kommt, dass im Januar und Februar die Corona-Krise noch keine Auswirkungen in Dresden hatte. 

Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD) rechnet damit, dass Dresden in diesem Jahr rund 63,3 Millionen Euro an Gewerbesteuer weniger einnimmt als geplant. Bei der Einkommenssteuer fehlen Dresden bis Ende des Jahres 28,3 Millionen Euro und bei der Beherbergungssteuer rund 4,8 Millionen Euro.

"Der Striezelmarkt wird nicht so aussehen, wie sonst"

Ob der Striezelmarkt und die anderen Weihnachtsmärkte in Dresden stattfinden können, ist wegen der Pandemie weiter unklar. Zwar hat der Stadtrat eine Verlängerung der Weihnachtsmärkte beschlossen, aber viele Veranstalter sagen, es sei unter den Schutz-Vorschriften des Landes gar nicht möglich, die Märkte durchzuführen.

Allein der Striezelmarkt sorgt laut Industrie- und Handelskammer für einen Gesamtumsatz von rund 48 Millionen Euro für Gastgewerbe, Einzelhandel, Handwerk, Schausteller und weitere Dienstleister. Er sei eines der wichtigsten Ereignisse des Geschäftsjahres.

"Corona wird uns auch bei den Weihnachtsmärkten weiter beschäftigen", sagt Franke. Zu seinem Bereich gehört auch das Marktamt - Franke ist für die Durchführung des Striezelmarktes verantwortlich. "Er wird nicht so aussehen, wie sonst."

Neben dem Corona-Schutz gibt es aktuell weitere Probleme für den Markt. "Regenwasser dringt über die Senkhydranten in den Untergrund des Altmarktes ein", beschreibt Franke. Die unter Strom stehenden Schaltanlagen seien defekt und müssen dringend ausgetauscht werden. Das müsse schnell behoben werden, deshalb sollen die Arbeiten jetzt ausgeschrieben und ab Frühjahr umgesetzt werden.   

Keine langen Schlangen am Glühweinstand auf dem Striezelmarkt

Franke hat eine sogenannte Task Force Weihnachtsmärkte eingerichtet, in der sein Amt und die Veranstalter der anderen Märkte wöchentlich beraten. "In acht Wochen beginnt der Aufbau, am 31. Oktober kommt der Striezelmarkt-Baum", erklärt Franke die Eilbedürftigkeit. Ja, es sei schwierig, unter den aktuell geltenden Corona-Schutz-Auflagen die Umsetzung zu planen. "Es ist eine riesige Herausforderung."

Sein Plan: mehr Platz. Die Weihnachtsmärkte, inklusive des Striezelmarktes, sollen sich mehr über die Innenstadt verteilen. Details will Franke noch nicht nennen, weil die Planung noch nicht abgeschlossen ist. "Ein Kulturprogramm soll dazu führen, dass die Besucher wandern, sich verteilen." Traubenbildungen sollen unbedingt vermieden werden. "Obergrenzen für Besucher sind wieder für die Händler schlecht", weiß Franke.

Händler, die beispielsweise erzgebirgische Holzschnitzkunst wie Pyramiden und Schwibbögen anbieten, andere Weihnachtsdekorationen und auch Socken-Verkäufer könnten laut Franke frei zugänglich verteilt werden. "Aber wir müssen die Gastrobereiche gliedern, damit es eben keine langen Schlangen am Glühweinstand gibt." Franke stellt es sich etwa so vor, aus Getränke- und Essensanbietern mehrere Bereiche zu schaffen, die eingezäunt sind, in denen der Zugang beschränkt wird und die Gäste platziert werden. So könnten die Weihnachtsmärkte sich in weiteren Bereichen innerhalb des Innenstadt-Rings ausdehnen.

Das Problem der Besucher-Nachverfolgung

Das Land schreibt vor, dass bei Großveranstaltungen Konzepte hermüssen, um bei einem Corona-Ausbruch die Besucher nachvollziehen zu können und diese zu informieren. "Für jeden Markt sind individuelle Konzepte nötig", sagt Franke. "Beim Striezelmarkt prüfen wir gerade technische Lösungen. Aber wir werden nicht herumkommen, Listen mit den Besuchern zu führen." Das beziehe sich vor allem auf die dann abgesperrten Gastro-Bereiche. 

"Ich gehe davon aus, dass die Weihnachtsmärkte in Dresden stattfinden können", so Franke. "Wir tun alles dafür. Ein Restrisiko bleibt natürlich, wenn die Corona-Fallzahlen stark steigen sollten."

Wie die Wirtschaftsförderung geholfen hat

Franke hält die Planung des Striezelmarktes und damit auch der anderen Weihnachtsmärkte für so aufwändig und wichtig wie die Corona-Soforthilfe, die die Stadt ausgezahlt hat. Damit flossen zehn Millionen Euro an 10.000 Dresdner Kleinstunternehmen, um die ersten Schäden der Krise zu mildern. 

Franke nennt außerdem die rund 100.000 Euro Kreativraumförderung, von der 26 kleine Unternehmen profitierten. "Bei der Krisenberatung stand unser Wirtschaftsservive wochentags von 8 bis 18 Uhr telefonisch zur Verfügung. Im September gab es dann wieder persönliche Gespräche."

Auch die Ausweisung neuer Flächen für Wochenmärkte und die Zugangsbeschränkungen, inklusive Maskenpflicht, für den Lignermarkt haben laut Franke geholfen, dass lokale Händler ihre Waren verkaufen konnten. Gastwirte müssen bis Jahresende keine Sondernutzungsgebühr für ihre Außengastronomie zahlen und haben mehr Platz zugesprochen bekommen.

"Für den Tourismus haben wir den Parkplatz an der Pieschener Allee für Campingmobile freigegeben", so Franke. Das alles und auch eine Extra-Kampagne unter dem Titel "Einkaufen. Erleben. Genießen", habe Handel, Gastronomie, Theater und Clubs wieder angekurbelt.

Was Mut macht

Franke sieht die Dresdner Wirtschaft aber generell gut aufgestellt. "Einige Firmen investieren auch trotz Corona." Franke nennt exemplarisch das Dresdner Startup "Carl und Carla". Der Nutzfahrzeuge-Verleiher hat gerade erst drei Millionen investiert und vier weitere Städte in sein Angebot aufgenommen. "Dazu gehören auch Elektrofahrzeuge", so Franke. "Dresden setzt gezielt auf Zukunftsbranchen. Deshalb freue ich mich auch über die Kooperation mit Volkswagen", so Franke. "Wir planen ein Center Future Mobility". 

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Außerdem arbeite die Wirtschaftsförderung daran, hier Unternehmen anzusiedeln und zusammenzuführen, die ein "Robot Valley Dresden" gründen. Dresden soll Deutschlands  Standort Nummer eins werden bei der Entwicklung von Robotern. Dazu werden neue Gewerbegebiete und Ansiedlungsräume geschaffen und erschlossen. Die Wirtschaftsförderung investiert dafür mehrere Millionen Euro.  

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