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Corona: Keine Einheits-Regeln an Schulen

Maßnahmen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge orientieren sich am Infektions-Geschehen. Aber auch das Alter der Schüler ist von Bedeutung.

Hinweisschild am Eingang einer Schule in Pirna.
Hinweisschild am Eingang einer Schule in Pirna. © Daniel Förster

Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge steht kurz davor, der absolute Corona-Hotspot in ganz Deutschland zu werden, jedenfalls wenn man die Inzidenz zur Grundlage nimmt, die das Robert-Koch-Institut (RKI) täglich veröffentlicht.

Das RKI hat für den hiesigen Landkreis am Donnerstagnachmittag einen Wert von 451,6 Infizierten je 100.000 Einwohnern in den letzten sieben Tagen errechnet. Damit liegt die Region nur noch knapp hinter dem aktuell absoluten deutschen Hotspot Passau (458,3).

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Für besonders betroffene Gebiete mit einer Inzidenz von über 200 an fünf aufeinanderfolgenden Tagen gelten in Schulen und Kindertagesstätten noch strengere Regeln. Die werden in den Schulen jedoch ganz unterschiedlich umgesetzt.

Kultusministerium pfeift Sebnitzer Gymnasium zurück

Die neue Corona-Schutz-Verordnung des Freistaates ermöglicht den Schulen bei einem solch hohen Infektionsgeschehen in einem Landkreis, "die Anzahl der zeitgleich in den Unterrichtsräumen zu beschulenden Schülerinnen und Schüler zu begrenzen". Weil die Zahl der Lehrerinnen und Lehrer begrenzt ist, soll das in der Regel als Wechselmodell aus Präsenzunterricht und häuslicher Lernzeit erfolgen.

So sollen "Neuinfektionen möglichst vermieden" werden. Auch die Linienbusse zu den Schulen wären nicht mehr so voll. Aus Sicht des Landeselternrates lernt es sich in kleinen Gruppen auch effizienter. Trotzdem hat das Kultusministerium jetzt dem Goethe-Gymnasium in Sebnitz die Genehmigung für das Wechselmodell in den Klassen sieben bis zehn verweigert.

Dort musste wieder zum Normalunterricht zurückgekehrt werden. Arbeitet das Kultusministerium jetzt gegen das Sozialministerium, das die Corona-Schutz-Verordnung erlassen hat?

Inzidenz allein entscheidet nicht über Wechselmodell

Dem sei nicht so, heißt es aus der Landesregierung. In der Verordnung ist das Wechselmodell lediglich eine Kann-Bestimmung. In der Verordnung steht ausdrücklich: "Ein andauerndes Überschreiten des Inzidenzwertes allein genügt nicht." Weil es ein Recht auf Bildung gibt, "sind an die Beschränkung der Schülerzahlen im Präsenzunterricht erhöhte Anforderungen zu stellen", heißt es in der Verordnung.

Auch das Infektionsgeschehen an den Schulen müsse berücksichtigt werden. Das ist an der Sebnitzer Schule aktuell zu vernachlässigen. Außerdem müssten die Bedürfnisse der Abschlussjahrgänge beachtet werden. Deshalb wurde bewusst auf eine rigorose Verordnung für Schulen verzichtet.

Dippoldiswalde darf in Wechselunterricht gehen

Fürs Glückauf-Gymnasium in Dippoldiswalde und Altenberg wurde jedoch anders entschieden. Dort gilt seit Dienstag für die siebten bis zehnten Klassen ein Wechselunterricht. Das heißt, eine Hälfte der Klasse bleibt zu Hause und lernt am Computer im Homeschooling. Die andere Hälfte besucht die Schule, wo jeder einen Tisch für sich hat und somit genug Abstand halten kann.

„Ich habe das am Sonntag den Kollegen mitgeteilt und am Montag die Eltern informiert“, sagt Schulleiter Volker Hegewald. Der Unterricht läuft dann im wöchentlichen Wechsel und die Aufteilung der Schüler ist Sache der Klassenleiter. Dabei spielen verschiedene Kriterien eine Rolle, beispielsweise ob auch Geschwister von der Regelung betroffen sind. Die Aufgaben werden über die Plattform Lernsax verteilt. Inzwischen hat die Schule schon Erfahrung mit dem Fernunterricht gesammelt.

Die Klassenstufen elf und zwölf gehen normal zur Schule, denn sie stecken mitten in den Abiturvorbereitungen. Die fünften und sechsten Klassen werden nicht in den Wechselunterricht geschickt, weil sie noch zu jung sind, um ohne Betreuung allein zu Hause zu bleiben.

Derzeit sind drei Klassen in Dippoldiswalde und eine in Altenberg jedoch komplett zu Hause, weil sich die Schüler in Quarantäne befinden. „Rund hundert Kinder sind betroffen“, sagt Hegewald. Hier ist aber laufend Bewegung drin.

Zwei Schulklassen in Wilsdruff in Quarantäne

Am Gymnasium in Wilsdruff wird nur deshalb kein Wechselunterricht eingeführt, weil es an der 2018 gegründeten Schule noch keine Achtklässler oder Ältere gibt. Dennoch wurden die schulischen Regeln den Vorgaben angepasst. „Die Schüler der siebten Klasse müssen Mund-Nasen-Bedeckung auch im Unterricht tragen“, sagt Schulleiterin Katja Laetsch. Zudem hat die Schule alle Angebote ausgesetzt, an denen Schüler aus unterschiedlichen Klassen teilnehmen konnten. Der Sportunterricht findet klassenweise statt.

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Wo es geht, werde der Unterricht entzerrt. Da der Schule noch viele Räume zur Verfügung stehen, sei das möglich. Auf dem Hof, wo es einen Aktivbereich mit Tischtennisplatte und anderen Geräten gibt, gilt die Maskenpflicht. Gegenwärtig sind zwei von 226 Schülern positiv auf das Coronavirus getestet worden. Zwei Klassen sind in Quarantäne.

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