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Löbauer Gymnasium wegen Corona geschlossen

Das Infektionsgeschehen an der Schule mit rund 1.000 Schülern ist nicht mehr kontrollierbar. Deshalb haben Kreis und Kultusministerium die Notbremse gezogen.

Das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Löbau ist ab diesen Donnerstag nur noch für die zwölften Klassen geöffnet - alle anderen müssen zu Hause bleiben.
Das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Löbau ist ab diesen Donnerstag nur noch für die zwölften Klassen geöffnet - alle anderen müssen zu Hause bleiben. ©  Matthias Weber

Gesundheitsamt und Kultusministerium haben für das Löbauer Geschwister-Scholl-Gymnasium eine "befristete und teilweise Schließung" angeordnet. Der Grund ist nach Angaben von Schulleiter Torsten Berndt ein "nicht mehr kontrollierbares Corona-Infektionsgeschehen". Deshalb wechseln nun außer den 12. Klassen alle anderen in häusliche Lernzeit - also ins Homeschooling. Befristet ist diese Maßnahme bis 17. Oktober und damit bis zu den Herbstferien. Es ist die härteste Maßnahme im Kreis bislang, an anderen Schulen - wie dem Augustum-Annen-Gymnasium in Görlitz wurden diese Woche in der Oberstufe Hunderte Schüler heimgeschickt.

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Die Situation hat sich vor allem in den vergangenen Wochen zugespitzt: "Wir hatten allein in den vergangenen sieben Tagen weit mehr als 20 positive Fälle, von denen wir sicher wissen", sagt Berndt. Hinzu kämen weitere Krankmeldungen von 60 bis 70 Schülern. Ob es sich hier bei allen um eine Corona-Infektion handele, könne man nicht mit Sicherheit sagen. "Es ist jedoch zu vermuten und zu befürchten, dass ein Großteil auch aus diesem Grund abgemeldet wurde, da die Schüler aus den stark betroffenen Klassen stammen", sagt der Schulleiter. Die Infektionen verteilten sich über alle Klassenstufen von der Fünf bis zur Zwölf. Teilweise gab es in einzelnen Klassen bis zu sechs Positivfälle auf einmal.

Wieder Homeschooling für alle

Für die Eltern kam die Schließung dennoch jetzt überraschend. Dass einzelne Klassen rausgenommen werden wegen Corona-Infektionen - damit musste man rechnen, sagt eine Mutter gegenüber SZ. Denn bisher sei es so gelaufen, dass bei einer Infektion eines Schülers die Sitznachbarn oder auch die Klasse ebenfalls unter Quarantäne gestellt wurde. "Aber, dass gleich alle zu Hause bleiben müssen, war nicht vorauszusehen." Sie ist trotzdem froh, dass die Behörden jetzt rechtzeitig reagiert haben, bevor sich noch mehr Schüler anstecken - auch im Hinblick auf die Herbstferien. Für manche Familie wäre sonst der Herbsturlaub womöglich ins Wasser gefallen.

Eine erneute Herausforderung ist die "häusliche Lernzeit", wie der Heimunterricht offiziell heißt, für die Familien aber allemal. "Es lief eigentlich recht gut in den vergangenen Wochen", erzählt die Mutter, die zwei Kinder am Löbauer Gymi hat. Mit Aufgaben seien die Kinder mittlerweile schon wieder gut versorgt und hatten auch bereits Videokonferenzen mit Lehrern. Sie nutzen wieder das System "Lernsax", wie schon vom mehrmonatigen Corona-Homeschooling gewohnt.

Die meisten Eltern haben Verständnis

Schulleiter Torsten Berndt lobt die Umsicht und das Verständnis der meisten Eltern. "Kinder mit Symptomen sind in vielen Fällen bereits von den Eltern zu Hause mit einem Schnelltest getestet worden und dann gar nicht erst in die Schule geschickt worden", sagt er. Natürlich gebe es auch Unverständnis und Verärgerung, die sich dann in Anrufen und E-Mails einiger niederschlagen. "Es gibt Eltern, die sich teilweise auch nicht ausreichend informiert haben und ihren Unmut dann entsprechend kundtun", schildert Berndt. Generell aber zeige der Großteil der Eltern viel Verständnis und sei dankbar, dass ihre Kinder auf diese Weise vor einer Infektion geschützt werden können. Die Schule habe die nötigen Informationen veröffentlicht, betont der Schulleiter zudem, sodass der Schritt auch nachvollziehbar war.

An der Entscheidung war die Schule selbst nicht beteiligt. "Das Gesundheitsamt hat in Anbetracht der Lage die Teilschließung der Schule empfohlen und das Kultusministerium ist mit der Allgemeinverfügung dieser Sicht gefolgt", erklärt der Schulleiter. Dem Kultusministerium werden täglich die Infektionszahlen übermittelt und auch, wie viele Quarantänen das Gesundheitsamt für einzelne Schüler oder Klassen angeordnet hat, erklärt Vincent Richter vom Landesamt für Schule und Bildung (Lasub). Auf dieser Grundlage entscheide das Ministerium, ob zum Beispiel eine teilweise oder vollständige Schließung einer Schule notwendig ist. Wie viele Infektionen für eine Schließung ausschlaggebend sind, ist nicht pauschal festgelegt. Das hänge von den individuellen Gegebenheiten ab, zum Beispiel der Schülerzahl und der konkreten Verteilung der Infektionen in den Jahrgangsstufen, erklärt Richter vom Landesschulamt.

Auf die nun folgende häusliche Lernzeit sei man in Löbau vorbereitet, sagt Schulleiter Torsten Berndt. "Unsere Lehrer sind zum Teil weniger betroffen, weil sie nicht so dichten Kontakt zu den Schülern haben und wir einen guten Impfstatus haben", erklärt Torsten Berndt. Das rasante Infektionsgeschehen hatte sich vor allem in den vergangenen zwei Wochen zugespitzt. "Die Zwölfer kommen jetzt gerade aus der Quarantäne", sagt Berndt. Weitere vier bis fünf Klassen hätten ohne die angeordnete Teilschließung aktuell ohnehin unter Quarantäne gestellt werden müssen.

636 Schüler in Quarantäne

Wie das Landesschulamt (Lasub) in Bautzen auf Nachfrage informiert, seien aktuell 118 Schüler von öffentlichen Schulen im Landkreis Görlitz mit dem Coronavirus infiziert, sowie fünf Lehrer. 636 Schüler befänden sich zudem in Quarantäne. Insgesamt 16 Schulklassen wurden komplett unter Quarantäne gestellt.

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Die Löbauer Schulleitung hofft nun, dass sich alles bis nach den Ferien beruhigt und man wieder in Präsenz unterrichten könne. Unter den infizierten Kindern gebe es durchaus mehrere ausgeprägt verlaufende Erkrankungsfälle, aber auch leichtere Varianten. "Wir sind für das Wohl unserer Schüler verantwortlich - auch was die Langzeitwirkungen betrifft", betont der Schulleiter. Er sorge sich mit Blick auf die Diskussionen um die generelle Abschaffung der Maskenpflicht, dass sich derartige Entwicklungen wiederholen könnten.

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