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Corona-Kolumne: Aufholen beim Infektionsschutz

Mit Wissen durch die Corona-Krise: Die Grippe nicht vergessen! Eine Kolumne von Prof. Alexander Dalpke aus Dresden.

Prof. Alexander Dalpke ist Direktor der gemeinsamen Institute für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene sowie Virologie der TU Dresden.
Prof. Alexander Dalpke ist Direktor der gemeinsamen Institute für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene sowie Virologie der TU Dresden. © Jürgen Lösel

Es wäre Kaffeesatzleserei: Heute eine Aussage über den Verlauf der bevorstehenden Grippewelle zu treffen, funktioniert nicht. Fest steht allerdings, dass wir bei der großen Aufmerksamkeit, die derzeit auf der Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus liegt, nicht die Tatsache vergessen dürfen, dass in den nächsten Monaten auch wieder mit einem Anstieg der Influenza-Infektionen zu rechnen sein wird.

Die Symptomatik von Covid-19 und Influenza ähneln sich sehr, auch was das Risiko für schwere Verläufe angeht. Während Geruchs- und Geschmacksstörungen eher ein Indiz für eine Corona-Infektion zu sein scheinen, berichten viele Influenza-Patienten davon, dass Müdigkeit, Erschöpfung und Fieber schlagartig eingesetzt haben. Fest steht, dass eine große Zahl von Influenza-Patienten unser Gesundheitssystem in Zeiten der Pandemie zusätzlich belasten würde. Um eine Grippewelle zu verhindern, gibt es zwei Maßnahmen, die parallel greifen können und müssen.

Familien aufgepasst
Familien aufgepasst

Hier finden Sie alle Ergebnisse des Familienkompass 2020.

Die erste ist die Impfung. Die ständige Impfkommission des Robert-Koch-Institutes empfiehlt eine Grippeschutzimpfung für alle über 60-Jährigen und darüber hinaus für Risikopatienten mit Vorerkrankungen.

Die sächsische Impfkommission geht sogar noch einen Schritt weiter und rät generell zur Impfung, bereits auch für Kinder ab dem sechsten Lebensmonat, da auch bei ihnen schwere Verläufe auftreten können. Um den Grippeschutz rechtzeitig zu bekommen, sollten Sie bereits jetzt ein Termin beim Hausarzt vereinbaren: Der empfohlene Impfzeitraum liegt im Oktober und November und wir sollten, noch vehementer als in der Vergangenheit, für die Grippeschutzimpfung werben.

Eine zweite Maßnahme, um sich vor einer Ansteckung zu schützen, ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung. Die Influenza wird über Tröpfcheninfektion weitergegeben, kleine Flüssigkeitspartikel, die beim Sprechen, Husten oder Niesen entstehen. Eine Maske, selbst eine einfache Stoffmaske, fängt ein Großteil der Tröpfchen auf und reduziert so den Ausbreitungsradius drastisch. Masken sind aus diesem Grund in jedem Fall eine Möglichkeit, die Ansteckungsraten zu senken und sollten mit Blick auf die bevorstehende Herbst- und Grippezeit noch konsequenter getragen werden, um sich und vor allem andere zu schützen.

Eigentlich wäre das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auch schon in früheren Jahren eine gute zusätzliche Möglichkeit gewesen, die Ausbreitung der Influenza einzudämmen. Doch in Europa hat sich diese in Asien weit verbreitete Form der Rücksichtnahme und Achtsamkeit gegenüber den Mitmenschen bisher nicht etablieren können. In der Tat konnte man aber dieses Jahr im Frühjahr auch bei uns beobachten, dass mit Tragen von Mund-Nasen-Bedeckung und Abstandsregeln eine Verringerung der Grippeinfektionen auftrat.

Mit der Covid-19-Pandemie gibt es nun eine echte Chance, in dieser Frage des Infektionsschutzes aufzuholen. Vielleicht gelingt es so auch, gleich beiden Viruserkrankungen Paroli zu bieten.

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