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Gute Laune in der Corona-Krise wird teuer

Der US-Musikriese Warner Music mahnt massenhaft Hilfskräfte wegen der populären "Jerusalema Challenge" ab. Die hiesige Klinik hat reagiert.

Hier proben die Mitarbeiter der Zittauer Notaufnahme für die "Jerusalema Challenge".
Hier proben die Mitarbeiter der Zittauer Notaufnahme für die "Jerusalema Challenge". © Screenshot

Es ist DER Gute-Laune-Song im Corona-Lockdown: Der Hit "Jerusalema" des südafrikanischen Disc-Jockeys "Master KG". Weltweit tanzen dazu Menschen die "Jerusalema Challenge". Und auch in Deutschland stellten unzählige Feuerwehren, Polizeien oder Klinik-Personal Videos ihrer Tanz-Choreographien bei Youtube ins Netz. Doch das wird nun für viele teuer. Als Inhaber der Rechte an dem Erfolgs-Hit lässt der milliardenschwere US-Musikriese Warner Music nun etliche Kliniken oder auch Firmen abmahnen und fordert eine Lizenzgebühr wegen Verwendung der urheberrechtlich geschützten Musik. Die Kliniken Zittau und Ebersbach stoppten ihre Tanz-Videos daher im letzten Moment. Ein anderes Unternehmen im Südkreis könnte eine Abmahnung treffen.

SZ befragte Dr. Jana-Cordelia Petzold, Sprecherin des Klinikums Oberlausitzer Bergland, zum gescheiterten Tanz-Spaß.

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Wie kam es dazu, dass die Mitarbeiter des Krankenhauses an der Jerusalema-Dance Challenge teilnehmen wollten?

Die hohe Popularität des Songs der südafrikanischen Band "Master KG" und die sehr motivierende Wirkung auf gestresstes Personal in den Sicherheits- und Gesundheitsberufen hat auch unser Krankenhaus – hier die Mitarbeiter der Notfallaufnahme Zittau – angeregt, das Lied zu nutzen, um sich zu bewegen, neue Kraft zu schöpfen und neue Inspiration zu gewinnen. All dies ist gerade in diesen schweren Tagen auch Mittel, kurzfristig kleine Ressourcen an Kraft zu gewinnen, die alle benötigen.

Wie haben die Mitarbeiter erfahren, dass dies zu lizenzrechtlichen Problemen führen könnte?

Über die aktuelle Presseberichterstattung am Wochenende. Wir haben sofort das Vorhaben abgesagt – dies hat vielen verständlicherweise sehr weh getan.

Wie viele Mitarbeiter wollten an der Challenge teilnehmen?

Die Mitarbeiter der Notfallaufnahme in der aktuellen Tagesschicht, Medizinisch-Technische Assistentinnen des Instituts für Radiologie, drei Mitarbeiterinnen aus der Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte, also unserer Zentralsterilisation, sowie Vertreterinnen und Vertreter mehrerer Stationen im Hause.

Wie lange haben die Mitarbeiter bereits für die Challenge geprobt? Wo und zu welchen Gelegenheiten?

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben dazu die Pause und die Zeiträume vor oder nach dem Dienst – also ihren Freizeitbereich – genutzt, um aus der Gruppenwirkung zu schöpfen.

An welchen Schauplätzen sollte die Challenge gedreht werden?

Unter Auflage und Einhaltung aller hygienischen Bedingungen bei uns am Standort Zittau, Hubschrauberlandeplatz, also im Freien zur Weinauallee hin. Hier hätten die Mitarbeiter optimale Bedingungen gehabt.

Kennen Sie andere Betriebe oder Institutionen in der Umgebung, die an der Challenge teilgenommen oder dies erwogen und abgesagt haben?

Unser anderer Standort in Ebersbach-Neugersdorf wollte sich hier mit anschließen. Weltweit nehmen Kliniken, Alten- und Pflegeheime an dieser Challenge teil.

Wie stehen Sie zum Vorgehen des Rechteinhabers Warner Music?

Der Inhaber der Urheber- und Leistungsschutzrechte kann selbstverständlich Lizenzen oder Tantiemen für eine öffentliche Aufführung, Darbietung oder Nutzung verlangen – so ist das Urheberrecht geregelt. Aufgrund der bisher schon seit über einem Jahr aktiven weltweiten Beteiligung aller Arten von Krankenhäusern, Universitätskliniken oder Forschungseinrichtungen sind wir bisher davon ausgegangen, dass der Song extra in der Corona-Zeit für diese Challenge durch die Gruppe Master KG zur Verfügung gestellt wurde und die Inanspruchnahme der Rechte der Aufführung zu diesem Zwecke geklärt sind. Ziel der Bewegung war es ja, damit implizit das Lied noch bekannter zu machen und in der Covid-Pandemie ein Zeichen zu setzen, noch dazu ein so schönes, mitreißendes und die Menschen Verbindendes.

Wir bedauern außerordentlich, dass dies im Vorfeld offenbar nicht erfolgte. Der peppige Song wird sicherlich durch die hohen Geldforderungen – zu denen der Rechteinhaber berechtigt ist – an Popularität verlieren. Zurück bleiben enttäuschte Mitarbeiter, die hier ein weiteres Stück Hoffnung auf (Mit-)Menschlichkeit verloren haben. Sie waren und sind es ja, denen der Song neue Kraft geben sollte. Das ist die Macht der Musik, die Menschen weltweit verbindet.

So tanzte das Team des Trixi-Parks im Dezember die "Jerusalema Challenge".
So tanzte das Team des Trixi-Parks im Dezember die "Jerusalema Challenge". © Screenshots

Eine hohe Aufmerksamkeit im Netz erreichte der Großschönauer Trixi-Park im Dezember durch seinen Video-Beitrag zur "Jerusalema Challenge".

Mitarbeiterinnen tanzten dabei etwa in der Schwimmhalle, auf dem Sprungturm oder im Außenbereich der Anlage. "Bisher haben wir noch keine Abmahnung mit einer Geldforderung erhalten", sagt Geschäftsführerin Annette Scheibe auf SZ-Anfrage und hofft, dass das so bleibt.

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