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Wie gefährlich ist die Delta-Variante für Kinder?

Die Zahl der Klinikeinweisungen von Kindern bewegt sich auf einem sehr niedrigen Niveau. Mediziner sehen derzeit keine akute Gefahr.

Zwei Schulkinder führen in einem Klassenraum einen Corona-Schnelltest durch.
Zwei Schulkinder führen in einem Klassenraum einen Corona-Schnelltest durch. © Symbolfoto: Kamaryt Michal/CTK/dpa

Von Christopher Stolz

Die Delta-Variante des Coronavirus lässt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland seit Wochen wieder steigen. Doch als Kennwert für politische Entscheidungen gerät zunehmend die Zahl der Klinikeinweisungen als weiterer potenzieller „Leitindikator“ für die Pandemie in die Debatte.

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Vor diesem Hintergrund spielt ein weiteres Mal die Rolle von die Kindern und Jugendlichen eine große Rolle. Denn spätestens im September öffnen die Schulen wieder, in vielen Bundesländern auch schon im August. Vor allem beim Präsenzunterricht dürfte es das Virus dann leicht haben, sich unter den Menschen unter 18 Jahren zu verteilen. Schließlich sind sie fast ausnahmslos noch nicht durch eine Impfung geschützt.

Doch wie groß ist die Gefahr für die Kinder und Jugendlichen, schwer zu erkranken? Antworten und Daten aus deutschen Kinderkliniken geben Aufschluss.

Klar ist: Da die Delta-Variante bekanntermaßen ansteckender ist als die zuvor dominante Alpha-Variante, führt dies auch bei Kindern und Jugendlichen zu mehr Ansteckungen. Das bestätigt etwa Jakob Armann dem Berliner Tagesspiegel. Armann ist Oberarzt für Pädiatrische Infektiologie und Pädiatrische Intensivmedizin an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum der Technischen Universität Dresden.

Aber: „Es liegen weder national noch international Daten vor, dass die Delta-Variante bei Kindern und Jugendlichen zu schwereren Krankheitsverläufen führt oder die Delta-Variante nun bevorzugt Kinder betrifft.“ Die Hospitalisierungsrate von Kinder und Jugendlichen sei in Deutschland, aber auch beispielsweise in Großbritannien, seit dem Spätsommer 2020 stabil und zeige keine Änderungen durch das Auftreten von Varianten in diesem Zeitraum.

„Es gibt keine Zunahme von schweren – intensivpflichtigen – Verläufen durch Delta bei Kindern und Jugendlichen“, sagt Armann. Und geht noch weiter: Aufgrund der aktuell insgesamt niedrigen Fallzahlen sehen er „praktisch keine stationär aufgenommen Kinder und Jugendlichen“ mit einer Corona-Infektion.

Bei Armann an der Uniklinik Dresden laufen auch die Daten zusammen, die die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) über Covid-19-Fälle bei Kindern und Jugendlichen sammelt. Das Bild, das Armann aus der Uniklinik Dresden zeichnet, bestätigen sie auch für ganz Deutschland.

Die wichtigsten Fakten zu Kindern mit Corona im Krankenhaus:

  • In den ersten drei Wochen im Juli wurden nur fünf Kinder und Jugendliche wegen einer Corona-Infektion neu auf Normalstationen aufgenommen.
  • Der letzte Fall, in dem ein Kind oder Jugendlicher wegen eines schweren Verlaufs auf Intensivstationen verlegt werden musste, datiert von Anfang Juni.
  • Den Höchststand erreichten die Zahlen Ende Dezember. Damals wurden in einer Woche 77 Kinder und Jugendliche auf Normalstationen und 15 auf Intensivstationen aufgenommen.

Armann betont allerdings, dass die in der zweiten und dritten Welle infizierten und stationär aufgenommen Kinder mehrheitlich nicht aufgrund ihrer Infektion dort waren – sondern aus anderen Gründen. Schwere Verläufe einer Corona-Infektion gab und gibt es also nur sehr wenige.

Mehr als ein Drittel der Kinder war jünger als ein Jahr alt

Wie Armann sieht es auch der Kinderarzt und Infektiologe Robin Kobbe vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Mit Blick auf die Delta-Variante sagt er dem Berliner Tagesspiegel: „Dass diese Variante eindeutig aggressiver ist, kann bisher für Kinder und Jugendliche nicht gesagt werden.“

Völlig Entwarnung gibt er aber nicht. Es gebe keinen Grund anzunehmen, dass die deutlich höhere Übertragbarkeit nicht auch in jüngeren Altersgruppen bedeutsam sei. „Bei steigenden Infektionszahlen werden jedoch auch mehr Kinder so krank werden, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen – das ist abzusehen“, sagt Kobbe.

Was im Register der DGPI auch zu sehen ist: Mehr als ein Drittel der stationär behandelten Kinder und Jugendlichen waren bislang jünger als ein Jahr alt, mehr als die Hälfte von diesen sogar weniger als zwei Monate alt. Was das bedeutet? Jedenfalls nicht, dass besonders viele Kleinstkinder schwer erkranken. Stattdessen hat Intensivmediziner Armann eine simple Erklärung: „Die meisten von diesen sind Säuglinge, die vorsichtshalber im Krankenhaus bleiben. Die Gefahr für sie, schwer zu erkranken, ist aber äußert gering.“

So ist auch die Statistik zu erklären, dass rund 20 Prozent der Kinder und Jugendliche ohne Symptome auf der Normalstation liegen. Zwei von drei der infizierten Kindern und Jugendlichen, die auf die Intensivstation verlegt werden mussten, hatten zudem Begleiterkrankungen – waren also nicht nur mit Covid-19 erkrankt.

Und die Folgeschäden? Welche Auswirkungen die Delta-Variante des Virus auf das Long-Covid-Syndrom hat, sei nur schwer belastbar abzuschätzen, sagt Armann. Ähnlich äußert sich auch Kobbe. Das liege vor allem daran, dass Long Covid erst zwölf Wochen nach der Infektion beginne und die Delta-Variante weder in Großbritannien noch in Deutschland schon im April dominant waren. „Ich persönlich gehe aber nicht von einer grundsätzlichen Änderung der Situation durch Delta aus“, so Armann.

Zwar behandele er in Dresden auch Kinder und Jugendliche mit Verdacht auf Long Covid. Doch die Zahlen sind, ebenso wie die der schweren Verläufe von Corona-Infektionen bei Kindern, überschaubar. „Bisher zeigt sich keine ansteigende Tendenz in den letzten Wochen“, sagt Armann.

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Diese Einschätzung zu Long Covid bei Kindern ist ebenfalls durch die Statistiken gedeckt. 73 Prozent der mehr als 1670 Patienten wurden völlig genesen entlassen. Etwa 25 Prozent wurden mit Husten oder Fieber entlassen. Lediglich 0,4 Prozent dieser Kinder und Jugendlichen wurden mit Folgeschäden entlassen – das sind eben so viele, wie an Covid-19 starben.

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