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Was sagt eine Kinderärztin zum Impfen?

Geimpft wurde schon immer, diskutiert auch, trotzdem ist es bei Corona anders. Warum und was Petra Schütze Heidenauer Eltern sagt.

Petra Schütze ist seit vielen Jahren Kinderärztin in Heidenau und inzwischen mit zwei anderen in der Gemeinschaftspraxis auf der Thälmannstraße.
Petra Schütze ist seit vielen Jahren Kinderärztin in Heidenau und inzwischen mit zwei anderen in der Gemeinschaftspraxis auf der Thälmannstraße. © Daniel Schäfer

Impfen oder nicht impfen? Vor der Frage stehen derzeit viele Eltern. Es gibt zwar die generelle Empfehlung der Impfkommission zur Impfung aller ab zwölf Jahre. Doch es gibt auch genau so viele Bedenken. Was sagt eine Kinderärztin den Eltern? Petra Schütze ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und arbeitet in Heidenau in einer kinderärztlichen Gemeinschaftspraxis.

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Fragen Eltern inzwischen verstärkt nach Impfungen für ihre Kinder nach?

Aktuell sind es noch ziemlich wenige Anfragen für die Kinder. Auch nach der generellen Empfehlung durch die Impfkommissionen hat die Anfrage nicht sprunghaft zugenommen. Das mag möglicherweise auch noch an der erst zu Ende gegangenen Ferienzeit liegen. Aber es gibt sicher auch noch größere Unsicherheit und Ängste vor unabsehbaren gesundheitlichen Folgen der Impfung im kindlichen Organismus.

Was sagen Sie Eltern, die zweifeln?
Mit der generellen Empfehlung der sächsischen und ständigen Impfkommission zur Impfung ab zwölf Jahren ist die Antwort einfacher geworden. Prinzipiell sollen alle zur Impfung kommen, die es von sich aus wünschen. Dabei berate ich wie bei allen Impfungen über Schutzwirkung und Nebenwirkungen und rate höchstens bei bestehenden gesundheitlichen Risiken für schwerwiegende Nebenwirkungen, zum Beispiel akute allergische Reaktionen, von der Impfung ab. Unschlüssigen Eltern und Jugendlichen rate ich eine Risikoabwägung bezüglich des eigenen Ansteckungsrisikos und des Risikos, gefährdete Personen in der eigenen Umgebung anstecken zu können. Jugendlichen mit Risiken für einen schweren Krankheitsverlauf rate ich natürlich generell zur Impfung.

Wie reagieren die Eltern?

Eltern, die Impfungen gegenüber prinzipiell positiv eingestellt sind, entscheiden sich nach eigener oder gemeinsamer Risikoabwägung von Erkrankungs- und Impfrisiko in aller Regel für die Impfung. Überwiegend skeptische Eltern entscheiden sich verständlicherweise dagegen.

Kritiker von Impfungen hat es schon immer gegeben, doch nicht so breit und kontrovers. Warum denken Sie, ist das so?

Die etablierten Impfungen werden von den Kritikern eher im kleineren Kreis beim Kinderarzt oder in speziellen Gruppen bzw. Foren diskutiert. Bei Einführung dieser Impfungen war die Diskussion sicher auch aufgeregter. Die Corona-Impfung hingegen ist neu und bietet noch reichlich Angriffsfläche, auch dadurch, dass die medialen Möglichkeiten der öffentlichen Diskussion viel größer geworden sind. Ich denke, vor allem deshalb erscheint die Diskussion massiver.

Welche Chancen und Risiken sehen Sie insgesamt?

Kurzfristige Chancen der Impfung sehe ich in einer wesentlich kürzeren „Laufzeit“ der Pandemie, als bei zurückliegenden Virus-Pandemien mit positiver Auswirkung auf das öffentliche Leben. Langfristig können die Erfahrungen mit dieser Impfung helfen, bei neu auftretenden Viren, die es immer wieder geben wird, so rasch mit einer Impfung zu reagieren, dass eine pandemische Ausbreitung von vornherein vermieden wird.

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Ja, wir bieten mit Ausnahme weniger Wochen in den Ferien einmal in der Woche Impfungen an. Der organisatorische Aufwand für die Praxis ist noch sehr hoch. Der benötigte Impfstoff muss zwei Wochen vor der geplanten Verwendung bestellt werden. Wir müssen also bereits zwei Wochen vorher genau wissen, wie viele dann geimpft werden wollen. Da die Zahl der Anfragen noch nicht sehr hoch ist, können wir nicht einfach pauschal eine Zahl von Impfungen einplanen, den Impfstoff dafür ordern und dann erst die konkreten Termine vergeben. Wir führen deshalb eine Anfrageliste und laden die Interessierten dann konkret zum Termin ein, was einen ziemlichen hohen Zeitaufwand für unsere Schwestern darstellt. Wegen des geringen Interesses bei Jugendlichen haben wir auch Eltern geimpft und werden dies auch weiter mit anbieten.

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