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Corona: Kleiderkammern in Sachsen prall gefüllt

Viele Menschen haben während des Lockdowns alte Kleider aussortiert. Das sorgt nicht nur beim DRK in Sachsen für Probleme.

In vorigen Jahr gab es einen massiven Anstieg von Kleiderspenden. Doch die Qualität war dabei nicht immer die beste. Das führte zu Problemen in Sachsen.
In vorigen Jahr gab es einen massiven Anstieg von Kleiderspenden. Doch die Qualität war dabei nicht immer die beste. Das führte zu Problemen in Sachsen. © Ralf Hirschberger/dpa

Mäntel, Mützen, Schals: Vor Beginn der kalten Wochen sind die Kleiderkammern der Wohlfahrtsorganisationen in Sachsen gut gefüllt. Die Spenden an Textilien sind gestiegen, sagt die Sprecherin des Diakonischen Werkes in Sachsen, Sigrid Winkler-Schwarz, in Radebeul. „Offenbar haben viele Menschen die freie Zeit während der Corona-Krise genutzt, ihre Schränke durchzusehen und Kleidung auszusortieren.“

Die Nachfrage sei jedoch unterschiedlich, so Winkler-Schwarz. An manchen Kleiderkammern werde ein Rückgang beobachtet, bei anderen wieder nehme sie zu. Dort, beispielsweise in den vier Sozialkaufhäusern in der Region Mittweida in Mittelsachsen, wo Zuwachs zu verzeichnen sei, kämen jetzt auch jüngere Kunden. Dabei sei jedoch nicht klar, ob diese von finanziellen Nöten getrieben würden, oder sie nur aus Überzeugung einen nachhaltigeren Lebensstil praktizieren wollten.

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DRK will an Kleiderkammern festhalten

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Sachsen betreibt landesweit nach eigenen Angaben noch 57 von ehemals 75 Kleiderkammern und Kleiderläden sowie Kleiderstellen in Sozialstationen und Gebrauchtwarenläden.

Das DRK wolle auch künftig an den Kleiderkammern festhalten, obwohl es immer schwieriger werde, diese kostendeckend zu betreiben, sagt DRK-Sprecher Kai Kranich. „Die Kleiderkammern gelten als unverzichtbar. Es geht um Hilfe für Bedürftige, um Kleidung für die Ärmsten. Das gehört zum Grundanliegen des DRK.“ Es sei auch nicht beobachtet worden, dass sich Helfer, die in den Kleiderkammern mit zur Hand gingen, aus Furcht vor einer Corona-Infektion zurückgezogen hätten. „Das Engagement der Menschen ist groß – trotz der Corona-Pandemie.“

Das Aufkommen an Altkleidern sei Kranich zufolge in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Wegen der großen Menge an Alttextilien, die den Markt überschwemmten, sei es kaum mehr möglich, unbrauchbare Bestände an Resteverwerter-Unternehmen zu veräußern. Aus solchen Erlösen seien bisher die Unkosten der Kleiderkammern gedeckt worden. Das ist nun nicht mehr möglich. Es entstehen sogar zusätzliche Kosten, weil nicht mehr brauchbare Kleidung aufwendig entsorgt werden muss. Diese machen bei Altkleidercontainern in Sachsen im Schnitt bis zu 70 oder 80 Prozent des Inhalts aus.

Wegen Corona ist der sonst gut funktionierende „Altkleider-Kreislauf“ im vorigen Jahr vollständig zusammengebrochen. Zum einen, weil die Verwertungsfirmen nicht mehr so arbeiten können wie vor der Krise. Zum anderen geben die Firmen Stoffe, die sie selbst nicht verwenden können, zur Weiterverarbeitung ins Ausland. Auch das funktioniert derzeit nur eingeschränkt oder gar nicht. Auch deshalb hat das DRK einige seiner Altkleider-Container in den letzten Monaten zumindest zeitweise eingezogen. Laut DRK-Sprecher Kai Kranich werde derzeit über Alternativen zu den Containern nachgedacht. Denkbar sei etwa, dass an den Ausgabestellen Kleiderspenden auch angenommen werden. So könne die Ware gleich vorsortiert werden.

„Von schlechter Ware geflutet“

Dennoch sind Kleiderkammern und Second-Hand-Geschäfte weiter auf die Spenden aus den Altkleider-Containern angewiesen. Ramona Diercksen von der Bremer Firma FWS, die im Landkreis Bautzen 224 Altkleider-Container stehen hat, erklärt, dass auch weiterhin die Container nach Bedarf alle sieben oder 14 Tage geleert werden – seit dem Sommer teilweise auch öfter. „Das Sammelaufkommen ist nach wie vor sehr groß, da in den letzten Monaten einige Mitbewerber ihre Sammlung eingestellt haben und wir auch diese Mengen bewältigen müssen.“

Auch in der Kleiderkammer der Ökumenischen Kontaktstube für Wohnungslose – Leipziger Oase ist das Spendenaufkommen hoch. Oase-Leiter Benjamin Müller beklagt jedoch ebenfalls die sinkende Qualität der Altkleider. „Wir werden von Massen schlechter Ware geflutet.“ Das sei vor allem Kleidung der „Fast Fashion“ – der „schnellen Mode“. Diese sei oft billig, einfach und schnell hergestellt worden, nur für eine Saison gedacht und nach einigen Waschgängen kaum mehr zu gebrauchen.

In der Kleiderkammer des Malteser Hilfsdienstes in Annaberg-Buchholz ist jetzt vor allem warme Winterbekleidung gefragt. „Im Erzgebirge kann es im Winter empfindlich kalt werden“, sagte Dienststellenleiterin Jana Hering. „Es gab schon Schnee.“ Doch das Lager der Kleiderkammer sei gut gefüllt, es habe mehr Spenden gegeben. „Wir haben mehr freiwillige Helfer als sonst gebraucht, um die Kleidungsstücke durchzusehen“, hat Hering festgestellt. Ein Problem sei das nicht gewesen, denn es gebe viele Freiwillige, die mit anpackten. Die Spender brächten die Sachen selbst vorbei. Nur etwa 10 Prozent davon sei nicht zu gebrauchen. „Die meisten Menschen geben die Sachen in der Regel ordentlich gewaschen und gebügelt ab.“

Jedes Stück Stoff dient einem nützlichen Zweck

Nach dem Sortieren werden immerhin rund 57 Prozent aller weggeworfenen Kleidungsstücke irgendwo auf der Welt wieder von Menschen getragen, wie Ramona Diercksen von FWS in Bremen bestätigt. „Es ist kein Klischee, dass Alttextilien in Ländern, in denen die Bevölkerung über ein geringes Haushaltseinkommen verfügt, gerne gekauft werden.“

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