merken
PLUS Sachsen

Chaos im kleinen Grenzverkehr

Sachsen unterbindet Tanken in Tschechien. Die tschechische Regierung wiederum lässt es zu. Da soll noch einer durchsehen. Ein Kommentar.

Sachsen schränkt die Ausnahmen für Reiserückkehrer aus Polen und Tschechien ein
Sachsen schränkt die Ausnahmen für Reiserückkehrer aus Polen und Tschechien ein © Rafael Sampedro

Von Hans-Jörg Schmidt

Nahezu zeitgleich veröffentlichten am Montag das sächsische Sozialministerium und die Regierung in Tschechien zwei Entscheidungen zum kleinen Grenzverkehr, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Sachsen reagierte mit einer Verschärfung der Quarantäneregeln auf wirkliche und vermeintliche Sorgen aus der eigenen Bevölkerung wegen des lebhaften vorweihnachtlichen Einkaufstourismus tschechischer Nachbarn namentlich nach Dresden. Tschechien wiederum kam den deutschen Nachbarn entgegen und verdoppelte den Zeitraum für deren Besuche auf tschechischer Seite, um notwendige Besorgungen zu erledigen, etwa an der Tankstelle.

Im Kern verbietet Sachsen aber nicht nur Einkäufe von Tschechen bei uns, sondern auch Besorgungen der Sachsen bei den Nachbarn, die diese ihrerseits gerade noch großzügiger ermöglichten. Das nennt man Chaos.

Küchen-Profi-Center Hülsbusch
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!

Schon Goethe wusste: Essen soll zuerst das Auge erfassen und dann den Magen. Das gelingt besonders gut in einer schicken neuen Küche. Jetzt zum Küchen-Profi-Center Hülsbusch und sich beraten lassen.

Man kann die Sorge von Dresdnern verstehen, sie könnten sich angesichts der zwar massiv fallenden, aber immer noch hohen Infektionszahlen in Tschechien beim Besuch eines Kaufhauses anstecken. Man kann diese Sorgen aber auch als reichlich übertrieben ansehen.

Verständnis für sächsische Entscheidung

Auch die Verantwortlichen in Tschechen sind nicht wirklich glücklich darüber, wenn ihre Landsleute massiv mit Bussen nach Dresden zum Weihnachtseinkauf nach Dresden gekarrt werden. Das provoziert ja nahezu Gegenreaktionen. Vielleicht wäre es klug gewesen, wenn Prag solche organisierten Einkaufstouren untersagt hätte.

Dass man es dort nicht tat, hat aber mit der Erfahrung zu tun, die sich die Tschechen zu Beginn der ersten Welle selbst eingebrockt hatten. Sie hatten sich damals von der Außenwelt abgeschottet und einseitig die Grenze geschlossen, auch die nach Sachsen.

Damals geisterten Gerüchte durch das Land, wonach es die Ausländer - vor allem die Deutschen - seien, die Corona nach Tschechien einschleppen würden. Wie auch die in Deutschland arbeitenden, ungeliebten Pendler. Statistiken belegten freilich, dass das ganz entschieden nicht so war. Doch die Grenzschließung und das propagandistische, nationalistische Feuer gegen die Nachbarn hat seinerzeit viel kaputt gemacht. Eine Wiederholung dessen wollte Prag jetzt vermeiden. Premier Andrej Babiš war sich da auch mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer einig. Das gilt offenkundig nicht mehr.

Tschechien zeigt ein gewisses Verständnis für die sächsische Entscheidung. Der tschechische Botschafter in Berlin sagt der SZ, er hoffe, dass Sachsen bei nachlassendem Corona-Geschehen in Tschechien "wieder zur gängigen Praxis beim kleinen Grenzverkehr" zurückkehren werde.

Absurdistan lässt grüßen

Über etwas anderes schweigt der Botschafter diplomatisch höflich: Der "Tankstopp" des Sozialministeriums in Dresden für Sachsen auf der anderen Seite der gemeinsamen Grenze verletzt ziemlich dreist die tschechische Hoheit über eigenes Territorium. Es ist allein Tschechien, nicht Sachsen, das darüber entscheidet, wen es auf tschechisches Territorium lässt und wen nicht. Hier verhebt sich Sozialministerin Petra Köpping.

Man stelle sich vor, wie das in der Praxis aussehen wird: Während sich Sachsen auf die von Tschechien gewährte freie Fahrt zur Tankstelle berufen können, werden sie bei der Rückkehr von deutscher Polizei zu Quarantäne verdonnert. Absurdistan lässt grüßen.

Weiterführende Artikel

Sachsen unterbindet Tanken in Polen und Tschechien

Sachsen unterbindet Tanken in Polen und Tschechien

Sachsen schränkt den Grenzverkehr nach Polen und Tschechien ab Dienstag ein. Es gibt aber auch Ausnahmen.

Haben beide Seiten eigentlich mal miteinander geredet, bevor sie ihre konträren Entscheidungen trafen? Ich bezweifle das. Dumm nur, dass es die Bürger ausbaden müssen. Das dürfte deren Vertrauen in die Politik vermutlich nicht eben stärken. Und neuen nationalistischen Eifer brauchen Sachsen und Tschechen so sehr wie Corona.

Mehr zum Thema Sachsen