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Abschied vom kleinen Grenzverkehr?

Seit Dienstag ist Tanken und Einkaufen in Tschechien eigentlich untersagt. Wie es an den Grenzen in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge aussieht.

Halt: Am Grenzübergang in Sebnitz kontrollierte am Dienstag die Bundespolizei.
Halt: Am Grenzübergang in Sebnitz kontrollierte am Dienstag die Bundespolizei. © Steffen Unger

Billig tanken und einkaufen in Tschechien? Seit Dienstag ist das nicht mehr so einfach möglich. Denn Sachsen hat den Grenzverkehr ins Nachbarland im Hinblick auf die Corona-Pandemie weiter eingeschränkt.

Bislang konnten Sachsen kurz über die Grenze, um zu tanken oder einzukaufen. Wenn man innerhalb von 24 Stunden zurückkehrte, war keine Quarantäne nötig, obwohl Tschechien als Risikogebiet festgelegt ist und daher eine Quarantäne eigentlich verpflichtend ist. Möglich machte das eine Ausnahmeregelung für den "Kleinen Grenzverkehr". Diese gilt seit 17. November nicht mehr.

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Schmilka: Keine Vorschriften machen lassen

Am Grenzübergang in Schmilka rollt am Dienstag der Verkehr. Es sind kaum Fahrzeuge mit heimischen Kennzeichen zu sehen, dafür welche aus dem Raum Karlsruhe, Kempten, Potsdam-Mittelmark und dem Erzgebirgskreis. Sogar einige Wohnmobile rollen in Richtung Hrensko. Das ist verwunderlich. Denn in Tschechien sind touristische Reisen untersagt, Beherbergungsbetriebe geschlossen, Gaststätten auch. Lediglich Geschäftsreisen sind ins Nachbarland weiter erlaubt.

Aus dem Nachbarland kommen dagegen kaum Fahrzeuge mit deutschem Kennzeichen nach Sachsen. Auffallend sind nur die vielen Autos mit tschechischem Kennzeichen. Deshalb auch fragende Blicke bei einigen Kraftfahrern auf dem Schmilkaer Elbeparkplatz. "Dürfen sie nun noch zum Einkaufen zu uns kommen oder nicht", fragt Thea Meinhold, die mit ihrem Mann zum Wandern nach Schmilka gekommen ist.

In dem Grenzort sorgt die neue Regelung nicht nur für Verunsicherung, sondern auch für Kritik. "Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, ob ich in Decin oder in Bad Schandau tanke. Die Grenzen sind doch offen, anders als im Frühjahr", sagt ein Mann. Am Grenzübergang in Schmilka steht am Dienstagvormittag keine Bundespolizei. Es werde auch nicht direkt kontrolliert. Das hatte die Bundespolizeiinspektion Bad-Gottleuba-Berggießhübel bereits vor Tagen mitgeteilt. Lückenlose Kontrollen werde es nicht geben. Stichproben aber schon.

Bad Schandau: Tschechische Einkäufer willkommen

Auf dem Lidl-Parkplatz in Bad Schandau gibt es wegen der zahlreichen tschechischen Kunden ebenfalls irritierte Gesichter. Sie gehören zu einem festen Einkaufsklientel, das Geld in sächsische Einkaufsmärkte bringt. Deshalb sind sie auch willkommen. Gerade jetzt, wo in Tschechien nur Lebensmittel- und Drogerieläden geöffnet haben, sind Spielsachen und Klamotten gefragte Artikel bei tschechischen Kunden.

Zu denen gehört Marketa Zemanova aus Decin. Sie kommt regelmäßig nach Bad Schandau zum Einkaufen, schätzt die Qualität. "Vor Weihnachten kaufe ich jetzt gleich Geschenke mit ein. Einkaufstouren mit dem Bus nach Dresden kann ich mir nicht leisten. Deshalb komme ich hierher", sagt sie. Dass mit der Empfehlung der sächsischen Regierung auch das unterbunden werden sollte, habe sie noch nicht gehört.

Am Netto-Markt an der Zinnwalder Straße in Altenberg waren deutlich weniger Tschechen anzutreffen, als normalerweise. Viele von denen, die trotzdem hier einkauften, wussten noch nichts von den neuen Bestimmungen.
Am Netto-Markt an der Zinnwalder Straße in Altenberg waren deutlich weniger Tschechen anzutreffen, als normalerweise. Viele von denen, die trotzdem hier einkauften, wussten noch nichts von den neuen Bestimmungen. © Egbert Kamprath

Sebnitz: Achtung Polizei

Ungewöhnliche ruhig war es am Dienstag am Grenzübergang in Sebnitz. Und das hatte in den Morgenstunden wohl auch seinen Grund. Denn die Bundespolizei hatte sich neben ihrem ehemaligen Dienstgebäude an der Böhmischen Straße postiert. Gut sichtbar für ankommende Kraftfahrer. Viele bogen beim Anblick der Grenzschützer deshalb kurzerhand in Richtung Mannsgrabenweg ab oder wendeten.

Wer es dennoch probieren wollte, dem schwenkten die Bundespolizisten die Kelle entgegen. Es gab einen freundlichen aber bestimmten Hinweis, dass der kleine Grenzverkehr zum Tanken und Einkaufen vorerst ausgesetzt ist. Nur Pendler und bestimmte Berufsgruppen dürfen die Grenze passieren.

Am Nachmittag - als die Kontrolle der Bundespolizei beendet war - war die Böhmische Straße in Sebnitz wieder belebter. "Ja, deutsche und tschechische Autos rollen nach wie vor über die Grenze, aber nicht so viele wie sonst", weiß eine Anwohnerin zu berichten. Über die neuen Festlegungen kann sie nur mit dem Kopf schütteln. Und sie versteht auch nicht, weshalb nachbarschaftliche Beziehungen wieder unterbunden werden - dieses Mal von deutscher Seite.

Zinnwald: Alles wie ausgestorben

Fast wie ein lost place präsentierte sich am Dienstagvormittag die deutsch-tschechische Grenze zwischen Zinnwald und Cinovec. Die Straßen waren trotz Sonnenschein menschenleer, nur selten fuhr ein Auto vorbei. Die geöffneten Tankstellen waren verwaist. Travel Free und vietnamesische Händler hatten zwar geöffnet, aber für die Händler gab es nichts zu tun.

Viele wussten noch nicht einmal davon, dass die Deutschen die Einreisebeschränkungen verschärft hatten und wunderten sich nur, warum keiner kam. Am Sonntag sei es noch anders gewesen, sagt ein Händler. An der Grenze selbst merkte man nichts von den Einschränkungen oder von Kontrollen. Auf keiner Seite stand ein Fahrzeug von Polizei oder Bundespolizei. Es gab zudem keinen Hinweis, dass die Grenze nur noch mit triftigem Grund passiert werden darf.

Menschenleer der alte Übergang zwischen Zinnwald und Cinovec in Tschechien.
Menschenleer der alte Übergang zwischen Zinnwald und Cinovec in Tschechien. © Egbert Kamprath

Die neuen Regelungen hatten sich offensichtlich herumgesprochen. Denn schon vor dem Aus für den kleinen Grenzverkehr machten sich deutlich weniger Deutsche auf den Weg nach Tschechien. Vor allem, weil es momentan kaum Anreize gibt, um nach Tschechien zu fahren. Gaststätten sind zu und bis auf die Lebensmittelmärkte sind alle Geschäfte geschlossen.

Die Auswirkungen zeigen sich auch auf deutscher Seite. So standen am Dienstag vor Altenberger Geschäften deutlich weniger Autos mit tschechischen Kennzeichen. Die, die aus dem Nachbarland noch einkauften, wussten oft nichts von den geänderten Bestimmungen in Deutschland.

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Durch die Einschränkungen im eigenen Land hatten viele Tschechen zuletzt die Möglichkeit genutzt, um im kleinen Grenzverkehr ihre Einkäufe zu erledigen, auch mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest. Davon profitierten allerdings vor allem die großen Einkaufszentren und Märkte im Umfeld von Dresden. Diese hatten einen wahren Ansturm zu verzeichnen.

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