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Die Pandemie geht, der Virus nicht

Das normale Leben kehrt in den Kreis Görlitz zurück. Das ist gut so. Doch der Kampf gegen das Coronavirus geht weiter. Ein Kommentar.

© Paul Glaser/glaserfotografie.de

Wenn die zurückliegenden Monate eines gelehrt haben, dann das: Gewissheit ist selten in dieser Pandemie. Kaum dachten wir, mit der zweiten Welle auch die gesamte Corona-Pandemie im Februar besiegt zu haben, kam eine neue Virus-Mutante und schraubte die Neuinfektionen wieder in die Höhe. Erste Lockerungen mussten erneut zurückgenommen werden, die Läden schlossen. Das waren unglaublich belastende Szenen. Zuversicht wich bleierner Perspektivlosigkeit, ja Zukunftsangst.

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Aufatmen im Kreis Görlitz zu spüren

Nun ist die 7-Tage-Inzidenz im Kreis Görlitz auf einen Wert gefallen, den wir zuletzt im vergangenen September gesehen haben. Das normale Leben kehrt zurück. Und so stellt sich nun drängender als zuvor die Frage: War es das mit der Corona-Pandemie? Trotz aller Unsicherheit spricht derzeit mehr dafür als dagegen.

Die täglichen Neuinfektionen bewegen sich im einstelligen Bereich, die besonders gefährdeten älteren Jahrgänge weisen Inzidenzen um die 10 auf. Hier wirken nun die Impfungen. Täglich nimmt die Zahl jener zu, die zweimal gegen das Coronavirus geimpft sind. Der Kreis hat mit den lokalen Impfzentren einen Weg gefunden, um möglichst wohnortnah die Menschen gegen das neue Virus zu immunisieren. Niedergelassene Ärzte machen dabei mit.

Auch das Wetter spielt eine Rolle bei Grippeviren, das zeigte sich schon im Vorjahr. Zudem ermöglichen die wärmeren Temperaturen, dass nun wieder viele ihre Freizeit an der frischen Luft verbringen, wo die Ansteckungsgefahr geringer ist.

Das Aufatmen bei den meisten Menschen ist daher auch enorm. Kaum waren die Außensitze und Biergärten der Gaststätten geöffnet, eilten die Menschen herbei. In den Geschäften ist die Sorge vor den Auflagen einem pragmatischen Umgang mit ihnen gewichen. Unternehmergeist wie er sich in den vielen Testzentren in den Städten widerspiegelt, hat ebenso beigetragen, dass mehr Sicherheit in dieser Pandemie möglich wurde.

Zeit für das Gedenken nehmen

So groß die Freude über die Lockerungen ist, die sich noch steigern wird, wenn nächste Woche die Testpflicht wegfallen könnte – für Leichtsinn ist auch in diesen Tagen kein Platz. Hygieneregeln, Abstand und Masken dort, wo viele Menschen zusammenkommen, werden uns in den nächsten Wochen und womöglich auch über den Sommer in den Herbst begleiten. Aber das ist allemal besser als Lockdowns, geschlossene Gaststätten, Hotels und Theater, als Kliniken im Stress-Modus und überfüllte Krematorien.

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Ja, auch dazu sollte in diesem Moment der Lockerungen Zeit sein: für das Gedenken an die 1.143 Menschen, die im Landkreis nach einer Corona-Infektion bislang gestorben sind. Auch wenn die Hälfte dieser Menschen über 80 Jahre alt waren, einen Großteil ihres Lebens also gelebt hatten, so hingen sie zumeist genauso am Leben, an ihren Familien, an der Welt wie die Jüngeren. Es gehört zu den Lektionen dieser Monate, wie schnell Menschen zynisch anderen das Recht auf Leben absprachen. Und es ist gut, dass die große Mehrheit solidarisch mit den besonders Gefährdeten war. Corona ist nicht vorbei, die Pandemie aber schon.

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