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Corona kommt mit Macht zurück

Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist Risikogebiet. Vor allem Freital ist betroffen. Eine neue Allgemeinverfügung gibt es trotzdem nicht.

Der Landkreis wartet ab, Helios handelt: Die Kliniken haben am Mittwoch einen generellen Besucherstopp verhängt.
Der Landkreis wartet ab, Helios handelt: Die Kliniken haben am Mittwoch einen generellen Besucherstopp verhängt. © Daniel Förster

Wer kann da noch folgen? Von überall her strömen Zahlen, Vergleichswerte, Berechnungen auf uns ein. Getestete, bisher Infizierte, Neuinfizierte, Erkrankte, Genesene – und das alles immer im Verhältnis zu irgendeiner anderen Zahl. Die wichtigste Kenngröße im Moment scheint der sogenannte Inzidenzwert zu sein, der die Zahl, der mit dem Coronavirus Neuinfizierten in den letzten sieben Tagen auf 100.000 Einwohner angibt. Denn daran orientiert sich die Corona-Ampel.

Bei einem Inzidenzwert von 35 springt sie auf Gelb, bei 50 auf Rot – Risikogebiet. Wie viele Menschen in diesem Sieben-Tage-Zeitraum getestet wurden, spielt dabei keine Rolle, wenngleich klar ist: keine Tests, keine positiven Befunde. Und umgekehrt: Je mehr getestet wird, desto mehr Infizierte lassen sich finden. Unabhängig davon ist es aber so, dass die Gesundheitsämter personelle Probleme bekommen, wenn der Inzidenzwert über 50 steigt. Vor allem in der Nachverfolgung der Kontaktpersonen kommt man dann kaum noch hinterher.

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Das ist nun seit Dienstag im Landkreis Sächsische-Schweiz Osterzgebirge der Fall, nachdem das Landratsamt sich den Zahlen des Robert-Koch-Instituts „angepasst“ hatte, wie es heißt. Seit den neuesten Zahlen am Mittwoch erst recht. Ein Plus von 48 Infizierten vermeldet das Gesundheitsamt an nur einem Tag. Der schon erwähnte Inzidenzwert steigt damit auf 80,3. Das ist schon überraschend.

Und noch eine Überraschung steckt in der Mitteilung. Noch am Dienstag hatte Landrat Michael Geisler (CDU) eine neue Allgemeinverfügung angekündigt. Diese sollte am Donnerstag in Kraft treten. Dann die Rolle rückwärts: „Eine neue Allgemeinverfügung, wie in der gestrigen Pressemitteilung angekündigt, wird aktuell noch nicht veröffentlicht. Es gelten die bislang getroffenen Reglungen.“ Grund: Der Freistaat hat angekündigt, zum Wochenende eine neue Corona-Schutzverordnung zu erlassen. Das will der Landrat abwarten. Es gilt also weiterhin die seit Dienstag gültige Allgemeinverfügung, die sich noch auf den Inzidenzwert 35 bezieht.

Das sind die aktuellen Zahlen von Mittwoch, 14 Uhr

Im Landkreis gibt es jetzt 281 auf das Coronavirus positiv getestete Personen. Das sind 48 mehr als am Dienstag. 14 Erkrankte befinden sich in stationärer Behandlung. In den letzten sieben Tagen sind 191 Personen positiv getestet worden. Daraus ergeben sich 80,3 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Am Mittwoch haben sich 203 Menschen einem Corona-Test unterzogen. Die Ergebnisse stehen aus.

Diese Einrichtungen sind am stärksten betroffen

Den größten Sprung macht Freital. Denn jetzt sind alle Tests von Montag aus den betroffenen Pflegeheimen ausgewertet. Stark betroffen ist das Pflegeheim „Haus Sonnengarten“ in Wurgwitz. Dort sind es jetzt 34 Pflegekräfte und 68 Bewohner, die nachweislich mit dem Coronavirus infiziert sind. Im Pflegeheim „Jochhöh“ in Pesterwitz gibt es keine neuen Fälle. Es sind zehn Mitarbeiter und 33 Bewohner betroffen. Beide Einrichtungen werden von Soldaten der Bundeswehr unterstützt. Steigende Zahlen werden auch aus der Bavaria-Klinik Kreischa gemeldet. Dort sind nun 17 Mitarbeiter und 38 Patienten mit dem Coronavirus infiziert. Im Pirnaer Helios Klinikum gilt seit Mittwoch ein Besuchsverbot.

So lassen sich die Zahlen einordnen

Wie auch immer man zählt, eines wird deutlich: Freital ist mit jetzt 130 Fällen momentan eine Art Corona-Hochburg, was nur zum Teil an den betroffenen Pflegeheimen „Sonnengarten“ und „Jochhöh“ liegt. Denn das Landratsamt teilt mit: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind diese jedoch noch nicht vollständig in der Gesamtzahl der positiv Getesteten erfasst.“ Da kommt also noch was nach. Und trotzdem ist Freital schon jetzt deutlich stärker betroffen als Pirna, das nur 14 Fälle zählt, bei gleicher Einwohnerzahl.

Was die Zahl der Tests angeht, so zeigen zumindest die Werte des Gesundheitsamtes, dass auch im Frühjahr zur ersten Welle in etwa im gleichen Maß getestet worden ist. In der zweiten Märzhälfte und im April veranlasste die Behörde durchschnittlich rund 200 Tests täglich, Sonn- und Feiertage inbegriffen. So ist es auch jetzt. Nicht erfasst sind dabei Proben, die nicht vom Gesundheitsamt selber veranlasst wurden. Die Zahl der aktuell Infizierten ist nun auch über den Höchstwert vom April angestiegen – das zeigt die blaue Kurve in der Grafik.

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