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Nur noch 25 Personen auf privaten Feiern in Sachsen

Sachsens Ministerpräsident will strengere Regeln für private Feiern durchsetzen. Demnach sollen sich deutlich weniger Menschen als bisher treffen dürfen.

Am Montagabend besuchte Michael Kretschmer das Görlitzer Kreisgesundheitsamt, um von Landrat Bernd Lange zu erfahren, welche Probleme im Coronaalltag bestehen.
Am Montagabend besuchte Michael Kretschmer das Görlitzer Kreisgesundheitsamt, um von Landrat Bernd Lange zu erfahren, welche Probleme im Coronaalltag bestehen. © Nikolai Schmidt

Im Landkreis Görlitz gilt seit Sonntagabend, dass bei privaten Feiern nur noch 25 Gäste dabei sein dürfen. Eine Maßnahme, die bald sachsenweit gelten soll, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Montagabend in Görlitz. Denn ein Hauptproblem in der aktuellen Lage: Die Kontaktverfolgung, wenn eine Person sich mit dem Coronavirus infiziert hat, wird zu einer immer größeren Herausforderung für die Gesundheitsämter. Auch deshalb, weil das Bewusstsein, unnötige Kontakte zu vermeiden, schwinde. 

Kontaktnachverfolgung wird immer schwerer

Michael Kretschmer war am Montag zu Besuch im Gesundheitsamt des Kreises in Görlitz. Unter anderem ging es darum, welche Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie die Mitarbeiter des Amtes aus ihrem Alltag als sinnvoll einschätzen, wo sie Verbesserungsbedarf sehen. "Die Kontaktverfolgung hat sich dabei als eine der zentralen Stellschrauben herausgestellt", so Kretschmer. "Wir müssen schnell und zuverlässig Kontaktpersonen identifizieren, damit Infektionsketten unterbrochen werden können und sich das ganze nicht zu einer Lawine entwickelt." 

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Immer mehr Unverständnis für Maßnahmen

Eine Aufgabe, die mühsam geworden ist, erklärte etwa Anja Pfalz, Sachgebietsleiterin beim Infektionsschutz des Landkreises Görlitz am Montagabend. So habe es im Frühjahr vielleicht drei, vier Kontaktpersonen erstes Grades gegeben, die kontaktiert, unter Umständen in Quarantäne verwiesen und getestet werden mussten. "Diese Zahl hat sich um ein Vielfaches erhöht", sagte Sozialdezernentin Martina Weber. Auch deshalb, weil das Bewusstsein der Menschen für Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen nachgelassen habe. Im Gegenteil, immer häufiger schlage den Mitarbeitern Unverständnis für Maßnahmen entgegen . "Das, was man in den sozialen Medien immer häufiger liest, spiegelt sich auch bei uns", erklärte Anja Pfalz. 

"Wir sehen also, dass Hygienekonzepte funktionieren"

Als Beispiele nannten die Mitarbeiter zwei Hochzeiten innerhalb der vergangenen Wochen, bei denen dann um die 30 und über 80 Personen nachverfolgt werden mussten. In der aktuellen Lage gehe das nicht, so Kretschmer. Die Herabsetzung der Gästezahl auf 25 Personen soll nicht auf Dauer sein, erklärte der Regierungschef, sondern in der aktuellen Situation in Sachsen. Andere Maßnahmen wie Mindestabstände bei privaten Feiern lassen sich schwer umsetzen. Deshalb die Entscheidung, eher die Personenzahl zu minimieren. "Wir kommen sonst bei der Kontaktverfolgung nicht mehr hinterher", erklärt Kretschmer. "Bevor wir mit dem Holzhammer agieren, wollen wir zielgenaue Maßnahmen einsetzen."

Denn insgesamt sei aufgefallen, dass in Einrichtungen oder auch bei Veranstaltungen, bei denen ein Hygienekonzept erarbeitet und umgesetzt wird, es zu keinen oder nur wenigen Ansteckungen komme. "Beispielsweise ist uns kein Fall bekannt, bei dem sich jemand beim Friseur infiziert hat", erklärt Kretschmer. "Wir sehen also, dass es funktioniert", Schutzmaßnahmen wirksam sind. Dagegen seien sehr wohl Fälle bekannt, bei denen etwa das beidseitige Maskentragen nicht konsequent umgesetzt wurde, und es zur Infektion kam. Das beidseitige Maskentragen gehört beispielsweise auch in der Physiotherapie, wo es zu engem Personenkontakt kommt, zu den Hygienekonzepten. 

Gesundheitsamt in Görlitz aufgestockt

Seit Sonntagabend ist der Landkreis Görlitz Risikogebiet. Der Wert für die 7-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 56,5 und damit über der Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen. Deshalb wurden im Kreis Görlitz neue Regelung erlassen - dazu zählen auch Kontaktbeschränkungen, unter anderem für private Feiern. 

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Im Gesundheitsamt arbeiten für die Kontaktnachverfolgungen aktuell auch Mitarbeiter aus anderen Bereichen. "Wir haben in den vergangenen zwei Wochen versucht aufzustocken", erklärte der Görlitzer Landrat Bernd Lange. Aktuell sind  65 Mitarbeiter in der Kontaktnachverfolgung eingesetzt. Hilfe bekommen sie  von zwei Containment-Scouts des RKI. Das sind zumeist Medizin-Studenten oder anderes Fachpersonal aus dem Gesundheitsbereich, die die Gesundheitsämter dabei unterstützen, Infektionsketten nachzuvollziehen. Michael Kretschmer kündigte an, die Bundeswehr zur Unterstützung der Gesundheitsämter einzusetzen - auch in Görlitz.  

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