merken
PLUS Pirna

Corona: Einsam im Kosmetiksalon

Andrea Eisebith in Heidenau sagen Kunden reihenweise ab. Womöglich auch, weil man für den Besuch einen tagesaktuellen Test braucht.

Das Telefon klingelt bei Andrea Eisebith oft nur, weil Kundinnen absagen. Die Folge: ein leeres Bestellbuch.
Das Telefon klingelt bei Andrea Eisebith oft nur, weil Kundinnen absagen. Die Folge: ein leeres Bestellbuch. © Steffen Unger

Andrea Eisebith könnte und sollte froh sein. Seit 8. März dürfen in Sachsen auch Kosmetikstudios wieder öffnen. Während die Friseure nicht wissen, wie sie alle Kundenwünsche erfüllen können, sitzt Andrea Eisebith in Heidenau immer noch allein in ihrem Salon. Und auch nächste Woche, wenn ihre beiden Mitarbeiterinnen wieder anfangen, wird sich daran nicht viel ändern.

Kunden wollen keine Tests

Obwohl sie alles gemacht hat, was an Hygiene notwendig und machbar ist, fehlt es an Kunden. Die nämlich sagen, statt sich über einen Termin zu freuen, reihenweise ab. "Weil sie sich nicht testen lassen wollen", sagt Andrea Eisebith. Der tagesaktuelle Schnelltest aber ist vorgeschrieben. Über die Gründe für die Ablehnung kann nur spekuliert werden. Ist es der zusätzliche zeitliche Aufwand, sind es mögliche Kosten, weil jedem nur ein kostenloser Test pro Woche zusteht oder werden Tests prinzipiell abgelehnt, weil ein positives Ergebnis Konsequenzen hat - Quarantäne, Auswirkungen auf die Familie, die Arbeit. Andrea Eisebith versteht das auch.

Anzeige
Der Eyecatcher beim Roadtrip
Der Eyecatcher beim Roadtrip

Ein Gefühl von Freiheit schnuppern, den Alltagsstress vergessen und viel PS genießen - ein Trike bietet den perfekten Fahrspaß für Individualisten.

Ihre Erfahrung: Vor allem jüngere Kundinnen, so bis 40 Jahre, sagen ab. Und wer speziell fürs Nagelstudio absagt, tut es nicht nur wegen des Tests und weil er vielleicht schwarz bedient wird. Es gäbe auch viele Kundinnen, die sich in den Schließwochen seit dem 2. November von ihrer "Kunst am Nagel" verabschiedet haben.

Bezahlen vom Geld, das nicht verdient wurde

Egal welcher Grund, Andrea Eisebith, sieht in jedem Fall eine gefährliche Folge: Das blühende Schwarzgeschäft. So wie schon bei den Friseuren so eben auch bei den Kosmetikerinnen und noch viel mehr bei den Nageldesignerinnen. "Sie sitzen bei ihren Kundinnen heimlich zuhause und es ist ihnen egal, dass sie nur einen Bruchteil des Geldes nehmen, das ein angesehenes Studio nimmt. Und nicht nur das. Sie arbeiten mit weniger Schutz, keine Nachverfolgbarkeit und ohne vorgeschriebene Tests." Designerinnen wie Andrea Eisebith sitzen dann vor leeren Bestellbüchern und in leeren Salons.

Körpernahe Dienstleistungen, wie Kosmetiker, dürfen öffnen, wenn:

  • die Unterschreitung der Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 im Freistaat Sachsen und im jeweiligen Landkreis an fünf aufeinander folgenden Tagen bestand und
  • auf kommunaler Ebene (Landkreis, Stadt) die Entscheidung zur Öffnung getroffen und veröffentlicht wurde.

Dann gelten folgende weitere Bedingungen:

  • Wöchentlicher Test der Betriebsinhaber und Beschäftigten, Kosten trägt der Arbeitgeber;
  • Kunden müssen einen tagesaktuellen negativen Schnell- oder Selbsttest vorlegen (gilt nicht für Friseure, Fußpflege und medizinisch notwendige Behandlungen);
  • Aktualisierung des Hygienekonzepts;
  • Absicherung der Kontaktnachverfolgung.

"Wir sollen arbeiten und dürfen endlich wieder Geld verdienen, aber wie bitte? Die immer neuen Verordnungen unterstützen uns nicht, sondern behindern uns und helfen den Damen im Wohnzimmer weiterhin, sich ihr Zubrot zu verdienen", sagt Andrea Eisebith. Sie und ihre Berufskollegen, die es wie sie machen und ehrlich sind, haben auch die Kosten - zu bezahlen von dem Geld, das wir seit November nicht verdient haben, sagt sie. "Wir wollen sie gern bezahlen, aber der Gesetzgeber lässt uns hier allein."

Die taffe junge Frau, die erst im Sommer vergangenen Jahres zwischen zwei Corona-Zwangspausen ihren neuen Salon auf der Ernst-Thälmann-Straße eröffnete, bittet um Hilfe. "Auch ich habe wie so viele Angst um die Zukunft."

IHK hat zum Gespräch eingeladen

Es ist genau das passiert, was Anke Anton schon vor ein paar Wochen befürchtete. Sie ist die Innungschefin der Friseure und Kosmetikerinnen im Landkreis. Als bekannt wurde, dass die Friseure ab 1. März wieder öffnen dürfen, ahnte sie, dass sie nicht nur die lang Ersehnten und herzlich Willkommenen, sondern für manche auch die Buhleute sein werden. Warum die und nicht wir, werden die Kosmetikerinnen fragen, prophezeite Anke Anton. Andrea Eisebith will keinen Kampf oder gar Krieg, kein Gegeneinander. Sie gönnt es den Friseuren, aber kann nicht verstehen, was sie schlechter als die macht.

"Ich bitte nicht nur für mich um Hilfe, sondern für alle, die gerade Terminabsagen erleiden, vor leeren Kalendern sitzen und abends nicht in den Schlaf kommen." Die erste Kollegin, von der sie erfuhr, dass sie für immer schließt, hat sie erst weinen und dann ihren Hilferuf schreiben lassen. Inzwischen gibt es eine erste Reaktion: Die Industrie- und Handelskammer hat Andrea Eisebith zu einem Gespräch eingeladen.

Mehr Nachrichten aus Pirna und Heidenau lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna