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Folgen einer Corona-Erkrankung wirken nach

Eine neue AOK-Analyse zeigt, dass im Anschluss an eine Corona-Infektion nicht nur Atemwegserkrankungen Probleme bereiten.

In Gauting untersucht Chefarzt Lorenz Nowak einen positiv getesteten Corona-Patienten.
In Gauting untersucht Chefarzt Lorenz Nowak einen positiv getesteten Corona-Patienten. © dpa

Obwohl die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt, müssen weniger Betroffene im Krankenhaus behandelt werden. Wer stationär aufgenommen wird, muss jedoch mit einem langwierigen Krankheitsverlauf rechnen. Das geht aus einer am Dienstag vorgestellten Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor, das Daten aus dem Frühjahr 2020 ausgewertet hat.

Demnach fielen Erwerbstätige, die wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt wurden, auch im Anschluss lange an ihrer Arbeitsstätte aus. Der Krankenstand lag in den ersten zehn Wochen nach dem Klinikaufenthalt bei 6,1 Prozent – und damit höher als bei Patienten ohne Corona-Erkrankung (2,8 Prozent). Für einen fairen Vergleich wurden Alters- und Geschlechtsunterschiede zwischen den beiden Gruppen rechnerisch ausgeglichen. Auch die Dauer der Arbeitsunfähigkeit unterscheidet sich deutlich. Die an Covid-19 erkrankten Arbeitnehmer fehlten nach der Klinikentlassung im Durchschnitt 13,5 Tage, die anderen dagegen 9,4 Tage.

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Von den mehr als 10,1 Millionen AOK-versicherten Beschäftigten waren zwischen dem 1. März und dem 21. April rund 27.300 wegen einer SARS-CoV-2-Infektion krankgeschrieben. Mehr als 3.700 Personen wurden aufgrund eines schweren Krankheitsverlaufs stationär behandelt. Das entspricht 13,6 Prozent.

Schwere Beeinträchtigungen

„Die Daten zeigen, dass in der ersten Infektionswelle im Frühjahr 2020 nur verhältnismäßig wenige arbeitsunfähige Erwerbstätige aufgrund einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden mussten. War jedoch ein Krankenhausaufenthalt notwendig, ergaben sich auch weitere schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen, die über die akute Erkrankung hinausgingen“, sagt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO.

Gründe für die langen Fehlzeiten waren vor allem Infektions- und Atemwegserkrankungen, psychische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Stoffwechsel-Erkrankungen. Aufgrund von Infektionen oder Atemwegserkrankungen, die vermutlich im Covid-19-Zusammenhang stehen, fehlten die Patienten in den ersten zehn Wochen nach dem Klinikaufenthalt gut siebenmal so lange wie die Vergleichsgruppe. Wegen psychischer, Herz-Kreislauf- oder Stoffwechsel-Erkrankungen fielen sie etwa dreimal so lange aus. Besonders häufig erkrankten die Versicherten – wenig überraschend – an Lungenentzündung: Im Vergleich zu den nicht mit Corona Infizierten führte sie zu 130-mal so vielen Arbeitsunfähigkeitstagen.

„Sterberate ist besorgniserregend“

Bei den psychischen Erkrankungen führte die Diagnose „Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen“ zu gut dreimal so vielen Arbeitsunfähigkeitstagen. Zusätzlich fallen die Diagnosen „Unwohlsein und Ermüdung“ sowie „Störungen der Atmung“ durch 12- beziehungsweise 17-mal so hohe Fehlzeiten auf. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Ursachen der krankheitsbedingten Fehltage, die nach einem stationären Aufenthalt auftreten, vor allem in Beschwerden der Atmungsorgane zu suchen sind, aber auch psychische Probleme eine Rolle spielen“, sagt Helmut Schröder.

Die schwerwiegenden Auswirkungen einer Corona-Erkrankung zeigen sich auch in einer hohen Sterblichkeitsrate: Obwohl die in der Klinik behandelten Patienten mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren vergleichsweise jung waren, verstarben 3,3 Prozent während ihres Aufenthalts oder danach.

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In der Vergleichsgruppe, die nicht von einer Infektion betroffen war, verstarben 0,08 Prozent. „Dies wirft ein Schlaglicht auf das hohe Risiko der Erkrankung, von der bisher nur vergleichsweise wenige Beschäftigte betroffen waren. Die hohe Sterberate ist durchaus besorgniserregend“, sagt Helmut Schröder.

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