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Politik

Corona-Krawalle in den Niederlanden

Proteste gegen die Corona-Maßnahmen sind in den Niederlanden am Sonntag in Gewalt umgeschlagen. Die Polizei befürchtet: Das ist erst der Anfang.

Demonstranten werfen auf einer Straße mit Steinen. Mehrere hundert Menschen haben vor dem Bahnhof von Eindhoven gegen die aktuelle Corona-Politik demonstriert.
Demonstranten werfen auf einer Straße mit Steinen. Mehrere hundert Menschen haben vor dem Bahnhof von Eindhoven gegen die aktuelle Corona-Politik demonstriert. © Rob Engelaar/ANP/dpa

Amsterdam. Am Tag nach den schweren Krawallen von Gegnern der Corona-Maßnahmen in den Niederlanden bieten viele Städte ein Bild der Verwüstung. Straßen und Plätze sind besät mit Glasscherben, ausgebrannten Autos und Steinen. Ministerpräsident Mark Rutte verurteilte die Gewalt scharf. "Das ist absolut unzulässig, das hat nichts zu tun mit Protesten, sondern ist kriminelle Gewalt", sagte Rutte am Montag in Den Haag.

In mehr als zehn Städten im Land waren am späten Sonntagabend Proteste gegen die Corona-Maßnahmen und Ausgangssperren eskaliert. Die Polizei sprach von den schlimmsten Krawallen in 40 Jahren und rechnet mit weiteren Unruhen in den kommenden Tagen.

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Flammen schlagen aus einem Auto, das vor dem Bahnhof von Eindhoven auf dem Kopf liegt.
Flammen schlagen aus einem Auto, das vor dem Bahnhof von Eindhoven auf dem Kopf liegt. © Rob Engelaar/ANP/dpa

Über die sozialen Netzwerke war zu Protesten gegen die Ausgangssperre aufgerufen worden. Die Polizei geht in ersten Analysen davon aus, dass unterschiedliche Gruppierungen sich an der Gewalt beteiligt hatten. Dazu gehörten Corona-Leugner, Fußball-Hooligans und Neo-Nazis. Am Samstagabend war erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie eine Ausgangssperre in Kraft getreten.

Auch die deutsche Bundesregierung schließt Gewalttaten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie nicht aus. Sie hält Angriffe auf Impfzentren oder Hersteller von Corona-Impfstoffen für möglich.

Die Ausschreitungen hatten am Sonntagnachmittag in Amsterdam und Eindhoven begonnen. Demonstranten hatten Polizisten mit Feuerwerk und Steinen angegriffen. Mit Wasserwerfern und Tränengas hatte die Polizei zuvor verbotene Demonstrationen aufgelöst. Am Abend kurz vor Beginn der Ausgangssperre um 21 Uhr hatten sich die Unruhen dann auf andere Städte im ganzen Land ausgeweitet. Erst gegen Mitternacht hatte die Polizei die Lage unter Kontrolle.

Zwei Polizisten beugen sich über eine Demonstrantin, die auf einer Straße sitzt.
Zwei Polizisten beugen sich über eine Demonstrantin, die auf einer Straße sitzt. © Rob Engelaar/ANP/dpa

Polizisten wurden mit Steinen und Feuerwerk angegriffen. Autos wurden in Brand gesteckt, Gebäude demoliert. In Enschede wurde ein Krankenhaus mit Steinen beworfen - große Schäden blieben aus, wie das Krankenhaus mitteilte. Auch Journalisten wurden angegriffen. Die Polizei nahm eine unbekannte Anzahl Personen fest. Große Unruhen wurden unter anderem aus Tilburg, Stein, Roermond, Den Haag, Eindhoven und Apeldoorn gemeldet.

Besonders heftig waren die Krawalle in Eindhoven, im Osten des Landes. Der Bahnhof wurde demoliert, Läden geplündert. "Hooligans kamen aus allen Ecken des Landes, sie hatten sich über die sozialen Medien verabredet", sagte der Bürgermeister von Eindhoven, John Jorritsma. "Wenn man auf diese Weise das Land in Brand steckt, dann ähnelt das einem Bürgerkrieg."

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Auch in Israel kam es am Sonntagabend zu Ausschreitungen bei Protesten gegen die Corona-Regeln. Betroffen war vor allem die von Strengreligiösen bewohnte Stadt Bnei Brak. Dort setzten Randalierer einen Bus in Brand und versuchten, ein Gebäude der Feuerwehr zu stürmen. Die Polizei setzte Medienberichten zufolge Blendgranaten gegen die Randalierer ein. Viele Strengreligiöse befolgen die Regeln zur Pandemie-Bekämpfung nicht. (dpa)

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