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Corona-Krise trifft Frauen härter

Zum Frauentag stellt der Deutsche Gewerkschaftsbund in Sachsen fest, dass die Ungleichheit jetzt wächst. Doch sie ist in Sachsen kleiner als anderswo.

An der Kasse: In Sachsen sind 83 Prozent des Lebensmittel-Verkaufspersonals Frauen. Doch Frauen liegen auch vorn, wenn es um Corona-Jobrisiken geht.
An der Kasse: In Sachsen sind 83 Prozent des Lebensmittel-Verkaufspersonals Frauen. Doch Frauen liegen auch vorn, wenn es um Corona-Jobrisiken geht. © dpa/APA/Roland Schlager (Symbolfoto)

Dresden. Sie haben weniger gut bezahlte Vollzeitstellen, und bei Kurzarbeit bekommen sie seltener Gehaltsaufstockungen als Männer: Frauen erleiden in der Corona-Krise die größeren Nachteile. Die Ungleichheiten nehmen jetzt wieder zu, sagt Anne Neuendorf, stellvertretende Sachsen-Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Zum Internationalen Frauentag an diesem Montag schlug sie vor, künftig alle politischen Vorhaben und Finanzentscheidungen darauf zu prüfen, dass sie die Gleichstellung vorantreiben.

Neuendorf wies darauf hin, dass Frauen während des Lockdowns „die Hauptlast der Schul- und Kitaschließungen“ tragen. Einkommenseinbußen durch Freistellung oder Arbeitslosigkeit träfen mehr Frauen als Männer.

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Weil Frauen auch seltener in tarifgebundenen Unternehmen arbeiten, bekommen sie auch seltener eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes. Neuendorf forderte, die Tarifbindung zu stärken. Die Krise dürfe nicht „zu einem Rollback der Geschlechterrollen“ führen.

Sachsen vorn beim Anteil der arbeitenden Frauen

Zahlen der Arbeitsagentur bestätigen, dass Corona Frauen stärker getroffen hat: Von den Beschäftigten in Vollzeit sind in Sachsen ein Drittel Frauen, und von ihnen haben 2,4 Prozent in der Krise die Stelle verloren – von den Männern 0,9 Prozent. Die Zahl der arbeitslosen Frauen ist im Jahresvergleich um gut 19 Prozent gestiegen, bei den Männern um 16 Prozent. Dennoch ist die Arbeitslosenquote der Frauen in Sachsen weit geringer als die der Männer.

Sachsen liegt weiterhin vorne, wenn es um Frauen in Arbeit geht. 65,4 Prozent der Sächsinnen im erwerbsfähigen Alter hatten voriges Jahr eine Stelle mit Sozialversicherung. Innerhalb von zehn Jahren ist diese Beschäftigungsquote um mehr als zehn Prozentpunkte gestiegen.

Zum Vergleich: in Deutschland insgesamt waren 57,6 der Frauen voriges Jahr sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Am höchsten ist die Beschäftigungsquote im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge: 69,1 Prozent, am niedrigsten innerhalb Sachsens in Leipzig.

Mittleres Einkommen 60 Euro niedriger als beim Mann

Mehr als jede zweite Frau in Sachsen hat eine Teilzeitstelle, aber nur jeder siebte Mann. Klaus-Peter Hansen, Chef der sächsischen Arbeitsagenturen, hält Teilzeit grundsätzlich für gut, „wenn sie auf Wunsch der Beschäftigten erfolgt“. Teilzeitmodelle und Homeoffice erleichterten es, Beruf und Familie zu vereinbaren. In allen Arbeitsagenturen gebe es Beraterinnen zur Chancengleichheit am Arbeitsmarkt.

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Das mittlere Einkommen von Frauen in Vollzeit lag laut Arbeitsagentur 2019 bei 2.653 Euro – bei Männern 60 Euro höher. In Baden-Württemberg beträgt der Geschlechter-Unterschied 782 Euro im Monat. Frauen in Sachsen haben etwas häufiger Führungspositionen im Management.

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