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Besser so ein Plan als gar kein Plan

Das Drei-Stufen-Papier für Kultur und Sport mag zur Unzeit kommen. Doch konkrete Vorschläge an die Politik sind gut und richtig. Ein Kommentar.

© Patrick Pleul/dpa

Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätten sich Kultur und Sport für ihren Drei-Stufen-Plan nicht aussuchen können. Seit diesem Wochenende ist die Corona-Lage in Deutschland so unübersichtlich wie lange nicht. Die Zahlen sind gesunken, scheinen jetzt aber zu stagnieren oder sogar wieder leicht zu steigen – ist das schon die dritte Welle mit den ansteckenderen Mutanten? Gleichzeitig setzt diese Woche warmes Frühlingswetter ein, was bei vielen schon wieder die Hoffnung weckt, die Kurve möge bald in der Sonne dahinschmelzen. Von Lockdown-Verlängerung über Lockdown-Lockerung bis hin zu Lockdown-Verschärfung scheint derzeit jedenfalls alles möglich.

Ausgerechnet jetzt kommen Kultur- und Sportverbände mit einem Drei-Stufen-Plan um die Ecke, der endlich wieder Konzerte, Theater, Fußball und andere Veranstaltungen mit Publikum ermöglichen soll. Dafür werden Millionen von Hobbyvirologen erst mal nur Spott und Empörung übrig haben: Wie könnt ihr nur! Doch ganz gleich, was man im Detail von dem Drei-Stufen-Modell und seinen Chancen auf Umsetzung halten mag: Es ist gut und richtig, dass sich die Verbände mit Wissenschaftlern zusammentun und selbst konkrete Vorschläge an die Politik richten. So funktioniert Demokratie. Es ist allemal besser, als monatelang darüber zu klagen, wie schlimm die Situation ist, und dass man bitte eine klare Perspektive bräuchte, wie es weitergeht – ja, wer hätte die nicht gern?

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Die Pandemie ist kompliziert. Die Demokratie ist auch kompliziert, mit unterschiedlichen Entscheidungen und Interessen, von Friseursalons bis zu Theatern. Umso wichtiger wären deshalb langfristige Pläne. Nach dem zweiten Lockdown haben sich viele Veranstalter bitter darüber beklagt, dass all ihre Hygienekonzepte umsonst waren. Vielleicht war genau dieser „Wildwuchs“ an Konzepten, von dem jetzt der neue Leitfaden spricht, das Problem: Das alles war in der Öffentlichkeit zu wenig bekannt und wurde von der Politik nicht ernst genommen. Wenn wenigstens das sich durch die gemeinsame Aktion ändert, wäre es schon eine Chance für den nächsten Schritt. Wenn nicht heute, dann morgen.

Mail an Markus Thielking

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