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Corona: Landkreis Mittelsachsen stockt im Gesundheitsamt auf

Die Zahl der Mitarbeiter wurde verzehnfacht. Es gibt immer mehr positiven Tests, wodurch auch die Inzidenz steigt.

Von Cathrin Reichelt
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Die Zahl der positiven Corona-Tests hat in Mittelsachsen in der vergangenen Woche stark zugenommen. Dadurch hat auch die Inzidenz einen Höchstwert erreicht.
Die Zahl der positiven Corona-Tests hat in Mittelsachsen in der vergangenen Woche stark zugenommen. Dadurch hat auch die Inzidenz einen Höchstwert erreicht. © Matthias Rietschel

Mittelsachsen. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt in Mittelsachsen anscheinend unaufhaltsam und hat am Montag mit 281,0 einen neuen Höchstwert erreicht. Am 7. Mai lag er zuletzt in einem ähnlichen Bereich und vor vier Wochen lediglich bei 34,8. Noch höher ist der Wert laut Robert-Koch-Institut in Sachsen nur noch im Erzgebirgskreis. Dort steht eine Inzidenz von 297,1 zu Buche.

Was passiert, wenn die Inzidenz von 300 überschritten wird?

Auf Nachfrage von Sächsiche.de, welche Auswirkungen ein Überschreiten der Inzidenz von 300 auf die Bevölkerung hätte, verweist Peggy Hähnel, Pressereferentin des Landratsamtes, auf die aktuelle Corona-Schutzverordnung.

Dort sind Maßnahmen aufgeführt, die bei einer Überschreitung der Inzidenz von 35 getroffen werden sollen und in Mittelsachsen dementsprechend bereits seit Mitte September gelten. Alle weiteren Maßnahmen richten sich danach, wie viele Betten in den Krankenhäusern mit Corona-Patienten belegt sind.

Nachdem am Wochenende im Landkreis rund 300 Corona-Neuinfektionen registriert wurden, war die Zahl am Montag – wie immer zu Wochenbeginn – mit 17 positiven PCR-Tests relativ gering. Mit diesen sind es seit Beginn der Erfassung im März 2020 insgesamt 27.346 Fälle.

Wie viele Corona-Patienten befinden sich in den Krankenhäusern?

Die Krankenhäuser füllen sich weiter. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums werden mit Stand Montag (12.00 Uhr) im Freistaat 461 Covid-19-Patienten auf Normal- und 134 auf Intensivstationen behandelt.

Diese sind damit zu 69,7 Prozent und 69,8 Prozent ausgelastet. Die Hospitalisierungsrate liegt bei 3,89, noch unter dem Grenzwert zur Vorwarnstufe. Diese liegt bei sieben. Er und die Bettenbelegung sind entscheidend für Beschränkungen in der Corona-Pandemie.

Im Cluster Chemnitz, zu dem neben der Stadt Chemnitz der Erzgebirgskreis, der Vogtlandkreis, der Landkreis Zwickau und Mittelsachsen gehören, sind laut Gesundheitsministerium zurzeit 82,5 Prozent der Intensivbetten und 71,3 Prozent der Betten auf Normalstationen mit Covid-19-Patienten belegt.

In Mittelsachsen werden 34 Patienten mit einer Corona-Erkrankung auf einer Normalstation behandelt. Das sind vier mehr als am Sonntag. Vier Patienten müssen intensivmedizinisch betreut werden.

Weshalb sind die Fallzahlen in Mittelsachsen so hoch?

Eine pauschale Erklärung, weshalb die Zahlen in Mittelsachsen so hoch sind, hat das Landratsamt nicht. „Es gibt ein gewisses Nord-Süd-Gefälle an Positivfällen, das sich auch auf Freistaatebene abzeichnet“, sagt die Pressereferentin.

Neuinfektionen gebe es derzeit vor allem bei den jüngeren Altersgruppen. Etwa ein Drittel der Indexfälle seien Personen bis 18 Jahre. Zu zwei Dritteln sei größtenteils die Altersgruppe von 19 bis 59 Jahre betroffen.

Gibt es im Landkreis Einrichtungen, die als Infektionsherde gelten?

Von den derzeitigen Coronafällen seien einige wenige Pflegeeinrichtungen betroffen. „Sie bilden durch die Impfquoten in dieser Alters- und den dortigen Berufsgruppen in dieser Pandemiewelle derzeit keinen primären Fokus im Infektionsgeschehen“, so die Landkreissprecherin. Einen Schwerpunkt im Infektionsgeschehen hingegen bilden die Schulen und Kitas.

Wie viele Mittelsachsen gelten derzeit als genesen?

Derzeit haben rund 6.000 Personen einen rechtlichen Genesenstatus. Der tritt laut Sächsischem Sozialministerium für ambulant behandelte Patienten, ab dem 15. Tag nachdem sie eine Infektion gemeldet haben in Kraft, und für stationär behandelte Patienten ab dem 31. Tag nach der Meldung.

Der Status ist jedoch längstens für ein halbes Jahr gültig. Das bedeutet, rund 20.000 Personen, deren Corona-Infektion bereits länger her ist, haben einen Status, als wären sie nie an Covid-19 erkrankt.

Was gilt prinzipiell als Genesenennachweis?

In der Covid-19-Schutzmaßnahmen-Ausnahmenverordnung des Bundes ist geregelt, was als Genesenennachweis gilt (Paragraf 2 Satz 1 Punkt 5). Laut dieser Verordnung ist ein positiver Antikörpertest als Nachweis für den Genesenenstatus nicht zulässig.

Die Anzahl der Antikörper (Titer) und der Titerverlauf sind individuell zu verschieden. Es gibt derzeit keine Grenzwerte, ab denen man als ausreichend geschützt gilt.

Die Höhe des Antikörpertiters hänge nicht sicher mit dem Impfschutz zusammen. Aber der Genesenennachweis berechtige zur Vorlage beim Impfen, die betreffende Person wird dann nur einmalig geimpft und bekommt ein Impfzertifikat.

Wie viele Mitarbeiter des Landratsamtes beschäftigen sich mit Corona?

Im Gesundheitsamt gibt es 74 Beschäftigte, davon sind 56 unmittelbar in die Bearbeitung von Coronafällen eingebunden. „Zum Vergleich: Im Sommer bei niedrigen Inzidenzen waren es zehn“, sagt Peggy Hähnel.

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Hinzukommen 20 Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Verwaltung sowie sechs externe Mitarbeiter, sogenannte Scouts.

Wie viele Verstöße gab es gegen die Corona-Schutzverordnung?