merken
PLUS Döbeln

Corona: Landkreis oder Altkreise betrachten?

Die Bürgermeister der Region Döbeln sind sich einig. Die Corona-Pandemie soll Mittelsachsen nicht wieder spalten.

So sehen die derzeitigen Inzidenz-Zahlen in den drei Altkreisen aus. Während rund um Freiberg die Inzidenzen sehr hoch sind, sieht es in Mittweida und Döbeln anders aus.
So sehen die derzeitigen Inzidenz-Zahlen in den drei Altkreisen aus. Während rund um Freiberg die Inzidenzen sehr hoch sind, sieht es in Mittweida und Döbeln anders aus. © SZ Grafik

Mittelsachsen. In Nordsachsen und dem Vogtlandkreis öffnen die Schulen wieder, in Leipzig wird die nächtliche Ausgangssperre aufgehoben, und es sind Treffen mit mehreren Personen möglich. In der Messestadt ist die Sieben-Tage-Inzidenz schon unter 100 gefallen.

Der Landkreis Mittelsachsen hat mit 259,8 die zweithöchste Inzidenz in Sachsen und ist damit noch weit von den ersten Lockerungsschritten entfernt. Gäbe es die Altkreise Döbeln, Mittweida und Freiberg noch, sähe das Verhältnis etwas anders aus. Sollte im Zuge der Öffnungsstrategie vonseiten der Politik lokal nicht mehr differenziert werden? Sächsische.de hat sich in der Region umgehört.

Anzeige
Kerngesund dank regionalem Futter
Kerngesund dank regionalem Futter

Egal ob Kleintierhalter oder Hobby-Farmer: Mit der richtigen Nahrung bereiten Ihnen Ihre Nutztiere die größte Freude.

Landrat Matthias Damm (CDU) erklärt: „Dies ist rechtlich nicht möglich, denn der Landkreis wird als eine Region betrachtet, und die Inzidenzzahlen ermittelt das RKI für Mittelsachsen insgesamt.“

Darüber hinaus würde es einen Flickenteppich an Regeln in ganz Sachsen geben. Denn dann müsse die Differenzierung für alle Teilregionen gelten. Die Frage sei, orientiert man sich dann nur an den Altkreisen oder an einer einzelnen Kommune?

Zumal die Inzidenzen dort schnell schwanken, gerade bei kleineren Kommunen. „Der Landkreis muss als ein Landkreis betrachtet werden, so sehen es die aktuellen Regelungen vor, und nur so ist es vom Regelwerk noch handhabbar“, so der Landrat.

Nur bei Corona-Hotspots differenzieren

Ähnlich sieht es Döbelns Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU). „Wir wollen natürlich, dass die Schulen so bald wie möglich wieder öffnen. Die umgesetzte Teststrategie in unseren Schulen – verbunden mit der konsequenten Einhaltung von Abstands- und Hygienemaßnahmen – funktioniert bisher gut“, sagt er.

Auch die Region Döbeln habe in der Vergangenheit mitunter deutlich über dem mittelsächsischen Durchschnitt der Inzidenzwerte gelegen. „Ein einheitliches Vorgehen im Landkreis ist wichtig, dazu gehören klar definierte Richtwerte. Eine Differenzierung sollte nur bei deutlich lokalisierbaren Hotspots, wie zum Beispiel bei einzelnen Einrichtungen, vorgenommen werden“, meint Liebhauser.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

„Eine Öffnungsstrategie auf die Altlandkreise herunter zu brechen, sehe ich nicht als zielführend und ist nur Polemik“, erklärt Roßweins Bürgermeister Veit Lindner (parteilos). Die Altkreise würden sich in Einwohnerzahl und Altersstruktur unterscheiden.

Von daher seien vollkommen unterschiedliche Inzidenzraten zu erwarten, die man auch nicht vergleichen könne. „Als Stadt würde ich diesen Gedanken als vollkommen unseriös bezeichnen. Wir haben seit Anfang Dezember bis heute Inzidenzzahlen, die zwischen 180 bis 780 lagen und nehmen heute immer noch eine Rate von über 300 ein.

Wir liegen demnach viel zu hoch, ein Runter brechen auf eine kleine Altkreiseinheit würde uns da auch nicht wirklich helfen. Von daher liegt es für mich auf der Hand, dass die kleinste Einheit nur der gesamte Landkreis Mittelsachsen sein kann“, erklärt Lindner.

Immer wieder Schwankungen in Mittelsachsen

Zwar wäre eine Differenzierung unter Beachtung der ortsspezifischen laborbestätigten Coronafälle oder zumindest der Fälle im Altkreis wünschenswert, so der Großweitzschener Bürgermeister Jörg Burkert (parteilos). „Verwaltungstechnisch ist das meiner Meinung nach nicht umsetzbar, denn der bürokratische Aufwand wäre enorm für eine kleine Verwaltung“, meint Burkert.

Wenn die Regionen, die sehr nah beieinander liegen, noch differenzierter betrachtet würden, könnte es passieren, dass die Geschäfte in Waldheim öffnen dürfen und die Freiberger und Mittweidaer hierher zum Einkaufen kommen, weil dort noch alles geschlossen bleibt, meint Waldheims Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) und fragt: „Ist das gewollt?“

Vor einigen Monaten hätten viele eine einheitliche Lösung für ganz Deutschland gefordert, damit nicht jedes Bundesland und jeder Landkreis seine eigenen Entscheidungen trifft. „Jetzt die einzelnen Kommunen differenziert zu betrachten, halte ich für schwierig“, so Ernst.

Zumal es innerhalb des Landkreises bei den Corona-Zahlen Schwankungen gebe. Oft lägen Freiberg und Mittweida im oberen Bereich, aber auch in Döbeln habe es schon schlechter als in den beiden anderen Altkreisen ausgesehen.

Rechtliche Rahmenbedingungen einhalten

Es müssten alle rechtlichen Rahmenbedingungen eingehalten, aber auch die medizinischen Aspekte beachtet werden, so Harthas Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos). Er vertraue auf die Richtigkeit der getroffenen Maßnahmen. Ob andere Regelungen besser wären, könne er nicht einschätzen.

„Wir sind auf einem sehr guten Weg“, meint er und weist noch einmal auf die mehr als 1.000 Impfungen gegen das Corona-Virus hin, die über Pfingsten in Hartha geplant sind. Es bestehe die Hoffnung, dass dadurch baldige Lockerungen möglich sind.

Gäbe es eine weitere Differenzierung würde auch die Ungleichheit wachsen, sagt Ostraus Bürgermeister Dirk Schilling (CDU). Damit würde provoziert, dass die Menschen von einem in den anderen Landkreis abwandern. Schilling plädiert eher für eine allgemeine Änderung der Öffnungsstrategie zugunsten der Gastronomie und des Einzelhandels.

Leisnigs Bürgermeister hat bis zum Redaktionsschluss nicht auf die Anfrage geantwortet.

Knapp 23.000 Corona-Fälle in Mittelsachsen

Wie immer nach dem Wochenende ist die Zahl der positiven PCR-Tests mit 49 am Montag relativ gering. Insgesamt stehen in Mittelsachsen seit März 2020 damit 22.927 Corona-Fälle zu Buche. Im Altkreis Döbeln kamen zehn Fälle hinzu.

Damit sind es insgesamt 4.450. In der Region Mittweida wurden sechs positive Tests registriert. Damit steigt die Gesamtzahl dort auf 8.347. Im Altkreis Freiberg gab es 33 weitere Fälle. Dort hat sich die Gesamtzahl inzwischen auf 10.130 erhöht.

Weiterführende Artikel

Die Corona-Lage in der Region Döbeln

Die Corona-Lage in der Region Döbeln

Der Inzidenzwert ist liegt jetzt bei 3,3. Am Donnerstag gab es keinen positiven PCR-Test.

Döbeln bekommt Corona-Impfzentrum

Döbeln bekommt Corona-Impfzentrum

In vier Tagen sollen 1.200 Menschen durch ein mobiles Impfteam gegen Corona geimpft werden. Das Angebot richtet sich vor allem an ältere Bürger.

In den mittelsächsischen Krankenhäusern werden 98 Patienten mit einer Corona-Infektion behandelt. Das sind neun mehr als am Wochenende. 24 (+/-0) von ihnen werden beatmet. In den vergangenen vier Tagen gab es keinen weiteren Todesfall. Die Sieben-Tage-Inzididenz liegt laut RKI bei 259,8.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln