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Dresdner Eltern: "Mein Kind lernt weiter zu Hause"

Seit Montag sind die Schulen geöffnet, doch nicht alle Familien in Dresden nutzen den Präsenzunterricht. Warum das so ist und wie Schulen sicherer werden sollen.

Seit Montag sind die Schulen geöffnet, doch nicht alle Familien in Dresden nutzen den Präsenzunterricht.
Seit Montag sind die Schulen geöffnet, doch nicht alle Familien in Dresden nutzen den Präsenzunterricht. © Symbolfoto: dpa

Dresden. Seit diesem Montag dürfen die Dresdner Grundschüler wieder gemeinsam mit dem Lehrer lernen. Und zwar vor Ort im Klassenzimmer ihrer Grundschule, mit ihren Freunden und Mitschülern. Allerdings ist längts nicht jede Klasse voll besetzt. In Sachsen ist die Schulbesuchspflicht ausgesetzt, das heißt, Eltern entscheiden selbst, ob ihr Kind wieder am Präsenzunterricht teilnimmt oder - wie schon im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 und zuletzt seit 14. Dezember - weiterhin zu Hause lernt.

Zwei Dresdner Mütter machen von dieser Möglichkeit Gebrauch und erzählen der SZ, warum sie weiterhin lieber auf die häusliche Lernzeit setzen.

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Warum entscheiden sich Eltern für Homeschooling?

"Meine Kinder bleiben erst einmal weiter zu Hause, denn mir ist das Risiko bei den anhaltend recht hohen Infektionszahlen einfach zu groß", sagt Marion Zimmermann. Sie sei auf die Hilfe von der Oma bei der Kinderbetreuung angewiesen, und diese wolle sie nicht in Gefahr bringen. "Vor dem Lockdown hatten wir einen größeren Corona-Ausbruch an unserer Schule, und das hat die Angst natürlich noch verstärkt", so Zimmermann, die sowohl ihren richtigen Namen als auch die Schule nicht nennen will.

So bleibt ihr Grundschulkind noch daheim, das Große besucht eine weiterführende Schule und ist damit ohnehin noch im Homeschooling - Sachsen hat zum 15. Februar zunächst nur die Grundschulen geöffnet.

Was sich bei der Familie im ersten Lockdown und seit der zweiten Schulschließung Mitte Dezember gut eingespielt hat, läuft auch jetzt bestens. "Mein Kind kommt gut zurecht beim Lernen daheim und ich habe noch zusätzliche Lernhefte gekauft", erzählt die Mutter. Ihr Kind könne sich zu Hause gut konzentrieren, auch schon im Lockdown habe es wenig Kontakt per Videokonferenz oder Ähnlichem zu den Lehrern gegeben.

Marion Zimmermann selbst arbeitet teilweise im Homeoffice, sodass sie die Betreuung leisten könne. "Das ist natürlich eine privilegierte Situation, die andere Eltern, bei denen kein Homeoffice möglich ist, nicht haben", betont sie. Sie habe durchaus mit sich gerungen, ihr Kind wollte auch gerne zur Schule gehen, aber letztlich habe man sich als Familie gemeinsam für das Lernen zu Hause entschieden. "Obwohl es organisatorisch und kräftemäßig eine große Herausforderung ist", so Zimmermann.

Für diesen Weg hat sich auch Grünen-Stadträtin Susanne Krause entschieden. "Unsere Kinder gehen auf verschiedene Grundschulen, keine hat die Möglichkeit von Testungen in den Schreiben der letzten Tage auch nur erwähnt. Wir werden unsere Kinder noch nicht wieder in die Schule schicken", sagt sie. Krause hat eine Mail an die Schulleitung geschickt und begründet, dass sie die Öffnung der Schule kritisch findet.

Gerade mit Blick auf die sich in Deutschland ausbreitenden Corona-Mutationen. "Wir blicken auch mit Sorge auf die Berichte über schwere Krankheitsverläufe und Spätfolgen bei Kindern und Jugendlichen durch die Mutationen", schreibt Krause. Auch ihre Kinder würden zu Hause gut zurechtkommen mit dem Lernen.

Was berichten Schulleiter aus Gesprächen mit Eltern?

Tatsächlich gibt es etliche Dresdner Familien, die weiterhin auf das Modell Homeschooling setzen. An der 95. Grundschule in Laubegast lernen rund 400 Schüler, acht von ihnen bleiben in der häuslichen Lernzeit. An der 122. Grundschule in Prohlis sind es von knapp 300 Kindern sechs Schüler, an der 102. Grundschule in der Johannstadt sogar 17 von rund 300 Schülern, die auch in den nächsten Tagen und Wochen ihre Schulaufgaben daheim erledigen.

Kerstin Rakowski, Leiterin der 95. Grundschule, hat neben Eltern, die sich grundsätzlich Sorgen um eine mögliche Ansteckung machen, eine zweite Gruppe ausgemacht. Diese Eltern wollen nicht, dass ihr Kind einen Mund-Nasen-Schutz tragen muss. Ein Attest zur Befreiung von der Maskenpflicht reicht nicht aus. Es ist nur noch gültig, wenn der Arzt die genauen medizinischen Gründe dafür benennt. Wer dieses Attest nicht hat und seinem Kind die Maske dennoch nicht zumuten will, muss es weiter zu Hause betreuen.

Die Vorgabe zur Maskenpflicht im Schulhaus sorgte ohnehin für Trubel bei einigen Familien. "Die Information, dass medizinische Masken vorgeschrieben sind, kam vom Kultusministerium ja erst recht spät am Freitag", sagt Kerstin Rakowski. Das hatte zur Folge, dass viele Eltern sich die OP-Masken in Kindergröße am Samstag erst einmal besorgen mussten. Und nicht in jeder Drogerie waren sie vorrätig.

Ines Frömmel ist Schulleiterin an der 102. Grundschule und berichtet, dass das Thema Maske an ihrer Schule nur zwei Kinder betrifft, der Großteil der 17 Kinder bleibt weiter daheim, weil sie sich in der Schule nicht mit dem Coronavirus anstecken sollen.

Wie viele Kinder lernen in Dresden weiter daheim?

In Dresden haben sich mehr Eltern entschieden, ihre Kinder weiter zu Hause lernen zu lassen, als im sachsenweiten Durchschnitt. 94 Prozent der Dresdner Grundschüler kamen am Montag wieder zur Schule, so das Landesamt für Bildung. Sachsenweit waren es 97 Prozent. Wann die Schulbesuchspflicht in Sachsen wieder für alle Schüler gilt und Homeschooling nicht mehr möglich ist, sei terminlich noch nicht festgelegt, so Lasub-Sprecherin Nikolov.

Laut Kultusministerium sollen die Kinder, die zu Hause lernen, weiterhin aus der Schule mit Aufgaben versorgt werden. "Wir haben von der Schule gehört, dass die Kinder behandelt werden, als seien sie krank", berichtet Mutter Marion Zimmermann. Das heißt wohl in den meisten Fällen, dass es einen detaillierten Wochenplan nicht gibt, sondern die Schüler "nur" die Aufgaben in den Büchern und Arbeitsheften per Mail zugeschickt bekommen.

Kerstin Rakowski hat an der 95. Grundschule einen Fachlehrer, der keine eigene Klasse betreut, damit beauftragt, sich um die acht Kinder in der häuslichen Lernzeit zu kümmern. "Wir haben die Eltern heute angerufen und ihn als Ansprechpartner vermittelt." Für den eigentlichen Klassenlehrer sei es nicht möglich, neben dem normalen Unterricht auch die Kinder beim Homeschooling zu betreuen. Der Fachlehrer verteilt die Aufgaben an diese Schüler, die über alle vier Klassenstufen verteilt sind, und hilft, wenn es Probleme gibt.

Wie sollen Dresdner Schulen sicherer werden?

Kritik an der Schulöffnung kommt indes nicht nur von manchen Eltern, sondern auch von der Lehrergewerkschaft GEW. "Die Umsetzung von Schutzmaßnahmen wie Abstand und die strikte Trennung von Klassen und Gruppen ist gerade bei kleineren Kindern und angesichts der Personalknappheit schwierig bis unmöglich. Zudem erfolgt die Öffnung nun ausgerechnet in der Erkältungssaison", so GEW-Landeschefin Uschi Kruse.

Lehrkräfte, die bereits in der Notbetreuung und mit dem Fernunterricht eine große Leistung erbringen, fühlten sich verheizt. "Dass es seit zehn Monaten nicht gelingt, den Infektionsschutz in Kindertageseinrichtungen landesweit durch anlasslose Tests abzusichern, ist ohnehin ein unerträglicher Skandal", so Kruse.

So sehen das auch die Dresdner Bildungsexpertinnen im Stadtrat. "Dass Schulen und Horte ohne klare Teststrategie geöffnet wurden, halte ich für bedenklich", so Grünen-Chefin Agnes Scharnetzky. Mit einem Eilantrag an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) fordern Grüne, SPD und Linke nun unter anderem eine klare Teststrategie.

Grundsätzlich begrüßt SPD-Fraktionschefin Dana Frohwieser, dass Grundschulen wieder geöffnet sind. "Das war überfällig. Kinder müssen aus der monatelangen Isolation raus, die überlasteten Familien brauchen Solidarität. Aber warum ist Dresden nach einem Jahr Corona-Pandemie darauf so schlecht vorbereitet?", fragt sie.

Auf das Problem Frischluft in den Dresdner Klassenzimmern weist Anja Apel von den Linken hin. Sie ist selbst Lehrerin und weiß: "Die Situation zum Lüften ist äußerst prekär. Es ist wirklich kalt, es wird vergessen oder es besteht gar nicht die Möglichkeit zum richtigen Lüften." Das sei allen klar gewesen nach den Erfahrungen im Frühjahr.

Dass immer noch nichts getan wurde, um die Bedingungen zu verbessern und damit auch die Gefährdung für alle Beteiligten gering zu halten, zeige eben auch, dass Kitas und Schulen nicht so wichtig sind. "Ich bin froh, dass alle so engagiert mitmachen bisher, jetzt verlange ich das auch von den politisch Verantwortlichen und von der Verwaltung."

So ist auch dieses Thema Teil des Eilantrags, der eine Richtlinie zur Lüftung und vor allem eine Lösung dafür fordert, wenn Fenster in Klassenzimmern gar nicht von den Lehrern selbst geöffnet werden können.

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