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Corona: Dresdens erstes lockeres Wochenende

An Pfingsten sind die Außenbereiche der Lokale trotz Regen und Wind gut besucht. In der Neustadt gibt es kein Halten mehr - und teils kein Durchkommen.

Endlich wieder am Kneipentisch sitzen, wenn auch nur draußen - die Schwestern Alannah und Hannah gönnen sich den ersten Drink bei ihrer Neustadt-Tour im Eckstein.
Endlich wieder am Kneipentisch sitzen, wenn auch nur draußen - die Schwestern Alannah und Hannah gönnen sich den ersten Drink bei ihrer Neustadt-Tour im Eckstein. © Christian Juppe

Dresden. In einer Minute Regen und heftige Windböen, in der nächsten blauer Himmel und Sonnenschein - das Wetter am langen Pfingstwochenende dürfte dem einen oder anderen Gastronomen die Schweißperlen auf die Stirn getrieben haben. Es ist das erste Wochenende nach dem Lockdown, an dem sie ihre Biergärten und Außenbereiche wieder öffnen dürfen.

Doch selbst bei diesen Wetterkapriolen sind die Gäste hart im Nehmen: Auch wenn die Speisekarten davonfliegen und das Weinglas zu kippen droht, sind die Terrassen vor den Restaurants gut gefüllt. Zu lange mussten die Gäste im Lockdown auf Kulinarisches aus der Profi-Küche verzichten.

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Dass Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren, Homeoffice und häusliche Lernzeit den Menschen viel abverlangt haben, wird auf den Straßen der Dresdner Neustadt deutlich. Es scheint kein Halten mehr zu geben, die Wege sind proppevoll, Masken eher die Ausnahme, genauso wie Abstand. Alannah und Hannah lässt das unbeeindruckt. Die beiden Schwestern haben am Abend einen der begehrtesten Außentische im Szeneviertel ergattern können.

Im Café Eckstein, dort wo die Alaunstraße auf die Louisenstraße trifft, sitzen sie am Ecktisch und beobachten das bunte Treiben. "Eigentlich ist es wie immer", sagt Hannah. Die 19-Jährige aus Görlitz ist im Herbst vergangenen Jahres zum Studieren nach Dresden gekommen, die typische Neustadt kennt sie von einigen Besuchen im vergangenen Jahr, bevor die Kneipen im November schließen mussten. Die Dresdner Uni hat sie noch nie von innen gesehen. "Jetzt ist es so toll, das Leben in der Stadt mal richtig mitzubekommen."

Im Alaunpark genießen viele junge Leute den Sonnenuntergang. Wer nicht ins Restaurant will, findet hier ein lauschiges Plätzchen, um sich mit Freunden zu treffen.
Im Alaunpark genießen viele junge Leute den Sonnenuntergang. Wer nicht ins Restaurant will, findet hier ein lauschiges Plätzchen, um sich mit Freunden zu treffen. © Christian Juppe

In ihrem Glas ein bunter Cocktail mit Beeren und Minze, ihre jüngere Schwester setzt auf Sommerbrause. Vorher gab es für beide Gnocchi. "Es war herrlich, mal etwas zu essen, was man nicht selbst gekocht hat", schwärmt die 16-jährige Alannah. Man spüre richtig, wie euphorisch alle sind, die Gäste und auch die Kellner, die ausgesprochen freundlich seien. Auch bei der Kontrolle ihrer negativen Schnelltestergebnisse.

Diese müssen die zwei Schwestern vorweisen, bevor sie am Tisch Platz nehmen dürfen, denn sie leben nicht in einem Haushalt. Schon am Samstagmorgen haben sie den Schnelltest erledigt, um ihn den ganzen Tag nutzen zu können. Shoppen in der Altstadt - Wanderhosen wurden benötigt und gefunden -, ein Cafébesuch, nun das Abendessen samt Drink in der Neustadt.

Wie empfinden die beiden jungen Frauen die Regelungen für Einkauf und Restaurantbesuch? "Es ist schon aufwendiger, vor allem mit den Tests", sagt Alannah. Das müsse man schon gut planen vorher und sei weniger spontan. "Ich denke, dass das viele Menschen abhält, sich mit Freunden in der Kneipe zu treffen."

Das tun sie dafür an der berüchtigten Neustädter Kreuzung einige Meter vom Eckstein entfernt. An der Ecke Görlitzer/Rothenburger Straße ist an den Abenden so einiges los. Auch hier kaum Masken und Abstand. Ein Alkoholverbot gibt es nicht mehr, vor dem Spätshop in der Louisenstraße hat sich eine lange Schlange gebildet. Am späten Samstagabend ist es auf der Kreuzung dann so voll, dass die Straßenbahnen der Linie 13 wieder umgeleitet werden müssen - für sie gibt es kein Durchkommen.

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Der ruhige Tag für die Dresdner Verkehrsbetriebe ende leider nicht störungsfrei, "die Linie 13 kann nicht über die Görlitzer Straße fahren", schreibt das Unternehmen gegen Mitternacht auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Erst ab 5.30 Uhr am Sonntagmorgen konnten die Bahnen wieder auf gewohnter Strecke durch die Neustadt rollen. Ein Problem, das es seit vielen Jahren an dieser Ecke gibt und für das bislang keine Lösung gefunden wurde. Die Kreuzung - in Dresden als "Assi-Eck" bekannt - hat es unter diesem Namen sogar zu einem Wikipedia-Eintrag geschafft.

Die Polizei war am langen Wochenende mit mehreren Beamten in der Neustadt unterwegs, ob und wie viele Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung geahndet wurden, ist allerdings unklar. Zum Einsatzgeschehen am gesamten Pfingstwochenende will sich die Pressestelle erst am Dienstag äußern.

Am Pfingstsonntag ist das Wetter sehr wechselhaft, doch das hält die Dresden-Besucher nicht von ihrem Ausflug ab. Die Außenbereiche der Gaststätten am Neumarkt sind gut besucht.
Am Pfingstsonntag ist das Wetter sehr wechselhaft, doch das hält die Dresden-Besucher nicht von ihrem Ausflug ab. Die Außenbereiche der Gaststätten am Neumarkt sind gut besucht. © Christian Juppe

Gut besucht war am Pfingstsonntag auch der Neumarkt in der Altstadt - auch hier konnte der Regen die Ausflügler nicht bremsen. Selbst bei einem heftigen Schauer blieben die Gäste an den Tischen in den Außenbereichen der Restaurants sitzen. Es wurden einfach die Regenschirme aufgespannt.

Aus Pirna waren Torsten und Maria nach Dresden gekommen, um endlich wieder an einem Kneipentisch Platz nehmen zu können. "In Pirna sind die Restaurants noch alle zu", berichtet Torsten, der mit seiner Partnerin einen Abend ohne ihr kleines Kind verbringt. Sie haben sich für das Codo am Postplatz entschieden, ein vietnamesisches Restaurant. "Das war eine Empfehlung von Freunden." Auch das Paar ist begeistert, dass die Gastronomie nun wieder zum Teil offen hat. "Es fühlt sich super an, hier zu sitzen."

Auch ein Regenschauer kann die Gäste am Neumarkt nicht von ihren Plätzen vertreiben. Dann wird eben einfach der Regenschirm aufgespannt.
Auch ein Regenschauer kann die Gäste am Neumarkt nicht von ihren Plätzen vertreiben. Dann wird eben einfach der Regenschirm aufgespannt. © Christian Juppe

Zufrieden zeigen sich auch die Gastronomen, die zwar auf etwas besseres Wetter gehofft hatten, aber trotzdem viele Gäste begrüßen konnten. "Wir hatten einen guten Start", sagt Vu Anh Doan, Chef im Codo. Die 75 Außenplätze auf seiner Terrasse waren zur Mittags- und Abendzeit oft komplett besetzt. Dennoch sei das Hauptgeschäft nach wie vor der Außer-Haus-Verkauf, berichtet Doan. Zum einen, weil es ab 20 Uhr einfach noch zu kalt für die Terrasse ist. Zum anderen fehlen die Touristen im Stadtzentrum, so Doan. "Wir rechnen auch in den kommenden Wochen nicht damit, dass sehr viele Touristen nach Dresden kommen."

Testpflicht: "Gäste sind gut vorbereitet"

Mit der Testpflicht habe es keine Probleme gegeben, sagt der Gastronom. "Wir mussten niemanden wegschicken." Die Gäste seien einfach heiß darauf, nun wieder ins Restaurant zu gehen, die, die kommen, kennen die Regeln und seien gut vorbereitet. Falls Gäste doch mal keinen Test vorweisen könnten, würden seine Mitarbeiter das Testzentrum im Kulturpalast gleich um die Ecke empfehlen, das täglich geöffnet ist.

Top gelaufen seien die ersten Öffnungstage auch in der Elbterrasse Laubegast, wie Chef Robert Gutsche am Montag auf SZ-Nachfrage mitteilt. Für ihn und sein Team ist es erst die zweite Biergartensaison - wie schon im vergangenen Sommer auch in diesem Jahr unter Corona-Bedingungen.

Die Gäste bleiben deshalb trotzdem nicht fern, der Biergarten sei sehr gut besucht, so Gutsche. Auch mit der Testpflicht habe es keine Probleme gegeben. "Wir fragen nach, die meisten haben ihr Testergebnis zur Hand." Dennoch gab es auch Besucher, die keinen Test hatten und dann weitergegangen sind.

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