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Lockdown in der Kultur: Spiel mit dem Bühnenfeuer

Besonders hart trifft der Lockdown eine Branche, die bis jetzt zu den loyalsten Unterstützern der Corona-Politik zählte: die Kultur. Ein Kommentar.

Theater und Kinos gehören zu den sichersten Orten überhaupt. Trotzdem werden auch sie nun wieder geschlossen.
Theater und Kinos gehören zu den sichersten Orten überhaupt. Trotzdem werden auch sie nun wieder geschlossen. © dpa

Dresden. Der neuerliche Lockdown erwischt Kinos und Theater zur größten Unzeit und auf dem Sprungbein: Gerade im Herbst beginnt mit dem schlechteren Wetter ihre sonnigste Phase, weil die Menschen ihre kulturellen Aktivitäten wieder in geschlossene Räume verlagern. Theater bereiten ihre publikumsträchtigen Advents- und Weihnachtsproduktionen vor, Kinos punkten mit Blockbustern, Komödien und Familienfilmen.

Nun ist die Hoffnung dahin, dass die auf im Schnitt 25 Prozent reduzierten Umsätze endlich wieder steigen und die umfangreichen Hygienemaßnahmen das Vertrauen der Zuschauer wieder erhöhen könnten. Und das in einem Bereich, der nachweislich über die infektionssichersten geschlossenen Räume verfügt.

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Entschädigungen sind mehr als großzügig

Ist das blinder Aktionismus? Ist das unfair und ein großer Fehler? Möglicherweise ja. Möglicherweise ist das aber auch zu emotional und etwas kurz gedacht. Denn es gibt auch für Theater und Kinos nun mal keine absolute Sicherheit, dass sie garantiert keine Infektionsherde sein können, trotz aller ergriffener Maßnahmen. Erst recht nicht, wenn sich 75 Prozent der aktuellen Infektionsverläufe nicht mehr nachverfolgen lassen. Zudem: Es geht auch um das Danach, ums "Zu uns oder zu euch?", um den gemeinsamen Nachlese-Ausklang bei Bier oder Wein. 

Und immerhin stellt der Bund 75 Prozent Entschädigungszahlungen in Aussicht. Wohlgemerkt: 75 Prozent des coronafreien November 2019. Für viele Kinos bedeutet das: Sie können während der Schließzeit mit dem Dreifachen ihres aktuellen Umsatzes rechnen. Das ist mehr als großzügig. Das ist eine dicke Finanzspritze. Eine „versteckte“ üppige Subvention, wie es sie wohl in keinem anderen Land der Welt gibt.

Freischaffende dürfen nicht wieder am meisten leiden

Doch noch etwas ist unsicher: ob das Geld auch gewährt wird und ankommt. Die letzten Monate haben gezeigt, dass viele Kinos und private Bühnen immer wieder aus verschiedenen - und oft rein bürokratischen - Gründen durch die Förderraster gefallen sind. Das darf nicht noch einmal geschehen. Und es dürfen nicht schon wieder die unzähligen selbständigen Künstler und im Kulturbereich Freischaffenden sein, die am allermeisten unter dem Lockdown und zu wenig durchdachter oder zu geringer Unterstützung leiden. 

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Gerade sie haben in der Krise am meisten gelitten, vergleichbar nur mit der Gastronomie und dem kleinen Einzelhandel. Zahllose Existenzen wurden nicht nur bedroht, sie wurden zerstört. Eine Wiederholung oder gar Verschlimmerung zu verhindern, ist auch in gesellschaftlicher Hinsicht eminent wichtig. Denn trotz aller berechtigter Klagen war es bis jetzt der Kulturbereich, der zu den loyalsten Unterstützern der Corona-Politik gehörte. Wer jetzt auch noch dieses Vertrauen aufs Spiel setzt, der sollte sich darüber im Klaren sein: Er spielt mit dem Bühnenfeuer.  

E-Mail an Oliver Reinhard

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