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14 Wege, den Lockdown zu überstehen

Und wieder sind Schulen, Kindergärten und Geschäfte in Sachsen dicht. Wie hält man es zu Hause am besten aus? Mit diesen Tipps bleiben Sie heiter.

Ja, im Lockdown kann der Spaß häufig zu kurz kommen. Dabei ist es gerade jetzt wichtig, auf sich zu achten. Wie? Das verraten SZ-Redakteure.
Ja, im Lockdown kann der Spaß häufig zu kurz kommen. Dabei ist es gerade jetzt wichtig, auf sich zu achten. Wie? Das verraten SZ-Redakteure. © Sebastian Gollnow/dpa

1. Kopf hoch

Zugegeben: Tagtäglich schlechte Nachrichten, das kann einen ganz schön runterziehen. Manche Leute schalten Fernseher und Radio schon gar nicht mehr ein und tragen die Zeitung vom Briefkasten postwendend zum Altpapier. Hilft bloß irgendwie nicht, im Gegenteil. Die negativen Gedanken wollen dann erst recht in den Kopf hinein und nicht mehr heraus.

Psychologen empfehlen stattdessen gern die „Gedanken-Schublade“: Stellen Sie sich vor dem inneren Auge eine Kommode mit verschiedenen Schubladen vor und packen Ihre negativen Gedanken in die verschiedenen Fächer – hier die Sorgen, dort den Ärger und da die Enttäuschungen. Danach schließen Sie alle Schubladen gedanklich ab. Soll wirklich helfen. Und wenn nicht: Lesen Sie einfach mal weiter.

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Steffen Klameth

© Illustration: Dorina Tessmann

2. Runter vom Sofa

Was immer hilft: Bewegung! Nur ist’s draußen kalt, schnell dunkel, und eigentlich soll man ja gar nicht vor die Tür, um die Infektionsgefahr zu minimieren. Festwochen für den inneren Schweinehund!? Im Gegenteil, der Kampf gegen den Corona-Bauch beginnt in den eigenen vier Wänden mit fünf Übungen, die immer und überall funktionieren.

  • 1. Liegestütze, der Klassiker: am besten zweimal so viel wie möglich.
  • 2. Kniebeuge: Mit nach hinten gerecktem Po, bis Ober- und Unterschenkel einen rechten Winkel bilden.
  • 3. Trockenschwimmen: Bäuchlings auf den Boden legen und 2 mal 20 Sekunden Brustschwimmen.
  • 4. Rumpfheben (neuerdings Situps oder Crunches genannt): Egal wie es heißt, zweimal so viel wie möglich.
  • 5. Brücke (oder neudeutsch Bridge): Hinlegen, Beine anwinkeln, Hüfte weit nach oben drücken – und das zehnmal hintereinander.

Also runter vom Sofa und loslegen. Die gute Nachricht: Der Fernseher kann dabei sogar weiterlaufen.

Tino Meyer

3. Her die Vitamine

Vitamine sind gesund – das weiß jedes Kind. Aber welche Menge braucht das Immunsystem, damit es Feinde erfolgreich abwehren kann? Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt Erwachsenen Höchstmengen von 250 Milligramm pro Tag. Aus Sicht der Europäischen SicherheitsbehördeEFSA bleibt auch der tägliche Konsum von bis zu einem Gramm ohne schädliche Nebenwirkungen. Ernährungsmediziner raten zu frischem Obst und Gemüse, Nahrungsergänzungsmittel sollten nur bei Allergien eingenommen werden. Eine Sonderrolle spielt das Vitamin D. Es steckt beispielsweise in fettem Fisch, Eigelb und Milch – allerdings nur in geringen Mengen. Normalerweise stellt der Körper das Vitamin aus Cholesterin und Sonnenlicht selbst her. In den Wintermonaten reicht das aber häufig nicht aus. Deshalb: Gehen Sie so oft wie möglich ins Freie – auch bei bedecktem Himmel.

Steffen Klameth

© Illustration: Dorina Tessmann

4. Öfter Abschalten

Radio, Fernsehen, Internet oder Zeitung – der Bedarf an Informationen ist enorm. Jeder kann sich heute in Echtzeit über Infektionszahlen und Corona-Regeln auf dem Laufenden halten. Das ist ein Vorteil gegenüber Pandemien in früheren Jahrhunderten. Denn der Kampf gegen das Virus ist ein Wettlauf mit der Zeit. Doch die Informationsflut birgt auch Gefahren. Die Wiederholung von Bildern, Kurven und Appellen stumpft ab, andere werden hysterisch, nicht wenige macht es aggressiv. Einfach abschalten ist keine Lösung. Aber man sollte den Medienkonsum dosieren. Also nicht bei jeder Gelegenheit aufs Smartphone starren oder die ganze Zeit das Radio laufen lassen – sondern sich zu bestimmten Zeiten bewusst informieren. Zum Beispiel morgens Zeitung lesen – online oder gedruckt –, mittags Radio hören, abends die Fernsehnachrichten schauen. Sie werden nichts verpassen.

Marcus Thielking

5. Kissenschlacht

Kinder, die normalerweise in Kita und Schule beschäftigt sind, treffen auf Eltern, die sonst ungestört auf Arbeit sind – das war schon im Frühjahr für viele eine Herausforderung. Endlich hat man viel Zeit miteinander, aber leider eben auch viel zu viele Aufgaben zu erledigen. Wie hält man also Kinder bei Laune, obwohl keine ausgiebigen Ausflüge möglich sind? Wichtigste Regel: Wenn schon, denn schon. Sagen Sie Ihrem Kind, wie lange Sie arbeiten und wann Sie wieder Zeit haben. Und dann bitte richtig! Kinder haben sensible Antennen für Eltern, die nur mit dem halben Ohr zuhören. Wenn Sie sich mit Ihrem Kind beschäftigen, legen Sie das Handy zur Seite und sind da, wirklich da. So kann Ihr Kind seinen Aufmerksamkeitstank auffüllen und die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass es sich hinterher erfüllt fühlt und sich allein beschäftigt. Ein Problem – gerade wenn Sie in Quarantäne sein sollten – ist der Bewegungsmangel. Hier bieten sich körperliche Spiele an: Bauen Sie einen Parcours aus Möbeln, über die man klettern muss, turnen Sie gemeinsam (siehe Punkt 2) oder lassen Sie mal alle Hemmungen fallen und machen eine Kissenschlacht. Hauptsache, Ihr Kind fühlt sich gesehen – dann kann diese Zeit für Ihre Familie sehr bereichernd sein.

Johanna Lemke

© Illustration: Dorina Tessmann

6. Regeln einhalten

Über den Sinn und Unsinn von Maskenpflicht im Freien lässt sich leidenschaftlich streiten. Das ist auch gut, denn wir leben nicht in China, sondern in einer Demokratie. Als Demokrat sollte man sich aber an die Regeln halten, und zwar auch dann, wenn man sie in Zweifel zieht. Manche Kritiker der Corona-Politik berufen sich auf das Prinzip des „zivilen Ungehorsams“ und tragen zum Beispiel ihre Maske absichtlich nicht. Dann müssten sie aber auch Bußgeld widerstandslos akzeptieren, sonst wäre der Ungehorsam nicht zivil, also bürgerlich, sondern nur egoistisch. Zum zivilen Ungehorsam – etwa bei Sitzblockaden – gehört auch Gewaltfreiheit und dass man andere nicht in Gefahr bringt. Dieses Risiko besteht aber bei Maskenverweigerung, jedenfalls legen das wissenschaftliche Studien nahe. Klüger wäre jetzt also „ziviler Gehorsam“: Kritik an den Maßnahmen ja, Regeln verletzen nein.

Marcus Thielking

7. Flasche zu

Zwei Glühwein, drei Lüwein, vier Lüli: Mit dieser Formel wissen Sie ziemlich genau, wenn Sie einen zu viel gehoben haben. Alternativ können Sie auch den Online-Promillerechner der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nutzen. Einfach Geschlecht, Alter, Gewicht und Körpergröße eingeben, dazu Uhrzeit und Menge der konsumierten Alkoholika – und schon sehen Sie, dass Sie sich mit vier Gläsern Wein an einem Abend mitten im Rauschstadium befinden. Die Folge, so klärt uns die Seite www.kenn-dein-limit auf, sind Verwirrtheit, gesteigerte Enthemmung und Sprechstörungen. Na, das wussten wir ja schon. Bleibt die nüchterne Frage: Wo genau liegt denn nun das Limit? Frauen sollten pro Tag nicht mehr als 0,3 Liter Bier oder 0,125 Liter Wein trinken, Männer höchstens das Doppelte – und zwei Tage pro Woche gar keinen Alkohol. So lauten zumindest die offiziellen Empfehlungen der Mediziner. Und wenn es Weihnachten ausnahmsweise doch vier Lüli sind? Zum Glück hat die Wissenschaft immer noch nicht restlos geklärt, ob Rotwein der Gesundheit möglicherweise sogar förderlich ist.

Steffen Klameth

© Illustration: Dorina Tessmann

8. Video an

Apps wie Whatsapp, Facebook Messenger, Skype oder Facetime bieten Smartphone-Nutzern die Möglichkeit, sich per Video zu unterhalten – und zwar fast kostenfrei, wenn der Nutzer einen Handytarif mit mobilen Daten oder ein WLAN zu Hause hat. Begrenzt sind einige der Apps auf eine bestimmte Anzahl von Teilnehmern. Über den Anbieter Zoom kann man mit unbegrenzt vielen Teilnehmern sprechen. Unbegrenzt ist bei allen Anbietern zumindest die Gesprächsdauer. So kann die Familie gemeinsam digital Geschenke auspacken und weiter auf Abstand bleiben. Wichtig ist nicht nur eine gute Verbindung zum Internet, entweder mit gutem Handynetz oder den Abstand zum WLAN-Router verringern. Außerdem sollte man einander ausreden lassen und auch mal das eigene Mikro stummschalten, damit nicht alle jedes Rascheln hören. Auch ausreichend Licht ist wichtig, um einander gut zu sehen. Und nicht zuletzt: achtgeben, dass der Akku des Endgeräts ausreichend geladen ist. Sonst wird der Bildschirm schnell schwarz.

Erik-Holm Langhof

© Illustration: Dorina Tessmann

9. Lokal shoppen

Einkaufsbummeln ist zwar in den nächsten Wochen nicht möglich, aber sächsisch kaufen lässt sich trotzdem. Das fängt beim Bäcker und Fleischer an: Präsentkörbe mit Essbarem und einer Flasche Meißener Wein können wieder Mode werden. Auch sächsische Lebensmittelläden wie Konsum Dresden und Vorwerk Podemus Biomarkt bleiben geöffnet. Wer auf dem Weihnachtsmarkt bei dem netten Töpfer oder Männelmacher vom vorigen Jahr noch Teile zukaufen wollte, muss sich jetzt an den Namen erinnern – die meisten haben Internetseiten und bieten Versand an.

Die Seiffener Genossenschaft verkauft Holzwaren unter www.dregeno.de, der Verlag dieser Zeitung bietet Geschenkartikel unter www.ddv-lokal.de. Handwerksbetriebe arbeiten weiter, warum also nicht endlich das Sofa neu beziehen lassen? Kleinkunstbühnen und Yogatrainer verkaufen gerne Gutscheine für die nächste Saison. Maler und Grafiker aus Ostsachsen, die ihre jährliche Atelier-Öffnung absagen mussten, zeigen ihre Kontakt-Adressen unter www.offene-ateliers-dresden.de.

Georg Moeritz

10. Pläne schmieden

Der Küchentisch ist plötzlich Arbeitsplatz, das Kind hat viertelstündlich einen anderen Wunsch, Kollegen rufen sogar noch während der Tagesschau an: Im Homeoffice verschwimmen die Grenzen von privatem und dienstlichem Alltag, viele Berufstätige klagen über permanenten Stress.

Dabei geht es auch anders. Tipp 1: Klare Vorgaben vom Chef. Tipp 2: Feste Zeiten für Arbeitsbeginn und Feierabend sowie für Telefonkonferenzen. Tipp 3: Pausen machen. Also eigentlich alles so wie an einem normalen Bürotag.

Und wie machen Sie das der Familie klar? Tipp 1: Die Hausarbeit auf den Feierabend verschieben. Tipp 2: Ein Schild an die Tür, wenn auf gar keinen Fall gestört werden sollte. Tipp 3: Auch mal Nein sagen, wenn jemand einen Wunsch hat, und auf den Feierabend vertrösten. Schließlich müssen Sie sich nicht erst durch den Berufsverkehr quälen. Alles gar nicht so schlimm, oder?

Steffen Klameth

© Illustration: Dorina Tessmann

11. Stumm schalten

Leider kann man sich nicht aussuchen, was Verwandte und Bekannte auf Facebook posten. Gerade jetzt haben viele Nutzer Personen in ihrer Freundesliste, die ständig Links zu YouTube-Videos posten, in denen Verschwörungstheorien verbreitet werden. Alternativ bezeichnen die Facebook-Freunde auch mal alle als Schlafschaf, die an die Corona-Pandemie glauben. Das kann auf Dauer viel Kraft kosten.

Neben der Option, die Facebook-Freundschaft einfach zu beenden, gibt es noch eine weitere Funktion, die hier Abhilfe schaffen kann. Gehen Sie dafür auf das Profil des anstrengenden Freundes. Neben dem Profilbild klicken Sie auf die drei Pünktchen. Wenn Sie nun auf den Reiter „Abonniert“ klicken, können Sie die Person deabonnieren. Nun werden Ihnen keine Beiträge der Person mehr im Newsfeed angezeigt. Die Facebook-Freundschaft hingegen bleibt bestehen.

Angelina Sortino

12. Stricknadeln raus

Können Sie sich noch an Ihre alten Hobbys erinnern? Ein Blick in staubige Fotokisten hilft – meist liegen die angetrockneten Farbtuben, verbogenen Stricknadeln und Wollknäuel auch nicht weit entfernt. Und keine Angst, nur weil die Strickutensilien längst in Vergessenheit geraten sind, heißt das nicht, dass auch die alten Strickmuster wieder herausgekramt werden müssen: Bewegungsabläufe, die in Fleisch und Blut übergegangen sind, bleiben im Langzeitgedächtnis dauerhaft gespeichert.

Wer vor zwanzig Jahren stricken und gleichzeitig telefonieren konnte, kann es auch heute noch. Mit ein bisschen Glück wecken die wiederentdeckten Bewegungsabläufe zugleich Erinnerungen an schöne, atemberaubende Zeiten.

Marvin Graewert

© Illustration: Dorina Tessmann

13. Brille auf

Lesen lenkt ab, unterhält, bildet, tröstet und ermöglicht die Flucht aus der hässlichen Gegenwart. Wer sollte etwas dagegen haben? Nur der Kerkermeister. Sagt Cornelia Funke. Ihre Bücher um die Gebrüder Reckless eignen sich prima zum Fliehen. Falls sie ausgelesen sind und die Zwangspause länger dauert, hilft der Secession Verlag. Er startete die „Handliche Bibliothek der Romantik“. Geplant sind 15 Bände mit insgesamt 3.000 Seiten. Das reicht für einige Lockdowns.

Den perfekten Ersatz für Bergwanderung und Reisen liefert der Schweizer Franz Hohler, weil er vom Wandern und Reisen erzählt wie sonst keiner. In Graubünden ist er Gast des Wipfelrauschens, und in Odessa sieht er einen Zwerg in einer der steinernen gelben Halbkugeln, die das Parken am Boulevard verhindern. Hohler erzählt mit Humor und Hintersinn von Sensationen des Alltags im Band „Fahrplanmäßiger Aufenthalt“. Der Titel klingt gerade leicht provozierend.

Die Alternative kommt von Franz Fühmann: „Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel“. Es ist der Klassiker aller Sprachspielereien. Da gibt es Schnellsprechverse, Zickzackrätsel, Wortverstecke und Märchen wie das vom Schneesee, wo der Schneeseeklee wächst. Regal mit Sirup pur ist im Lager. Wie erfreulich. Vor allem, wenn man den Satz rückwärts liest.

Karin Großmann

14. Geh ran

Ein gutes Gespräch beruht zum Großteil auf Körpersprache, gar nicht so sehr auf Worten und auch nicht auf Emojis. Wenn wir uns schon nicht treffen können, sollten wir uns nicht auch noch des Lachens oder Zitterns in der Stimme berauben. Außerdem sind endlich wieder alle erreichbar – wenn eben nicht besetzt ist.

Während des letzten Lockdowns im Frühling verzeichneten alle Telefonanbieter mehr und vor allem längere Gespräche. Damit die Gesprächsthemen nicht ständig aufs Thema Corona abgleiten, lässt sich gut und gerne stundenlang über die verschiedenen Vorbilder aus verschiedenen Lebenslagen sprechen. Wenn gar nichts mehr geht, lockert gemeinsames Kochen das Gespräch auf – solange beide ihr Telefon auf Lautsprecher stellen.

Marvin Graewert

© Illustration: Dorina Tessmann

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