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Corona: Puppen sind jetzt Youtube-Stars

Puppenspieler Lutz Männel aus Oppach zeigt Clips mit Horst und Berta auf YouTube. Sie haben zu allem was zu sagen, auch zur Pandemie. Hier der neueste Film.

Puppenspieler Lutz Männel mit Horst und Berta, die in Youtube-Filmen über Corona diskutieren.
Puppenspieler Lutz Männel mit Horst und Berta, die in Youtube-Filmen über Corona diskutieren. © Matthias Weber/photoweber.de

Ein bisschen Pappmaschee, zwei Tischtennisbälle, ein ausrangierter Pelz und eine alte Pudelmütze - fertig sind zwei Internetstars. So einfach war das jedenfalls, als Lutz Männel, Hauptberuflicher Puppenspieler aus Oppach, "Horst" und "Berta" erfand. Männel ist bekannt für seine selbst gebauten Handpuppen, mit denen er Puppentheater aufführt. Die sind nicht nur für Kinder gedacht. Auch Erwachsene lachen gern über seine selbst erdachten Geschichten rund um die Figuren. Denn Lutz Männel greift in seinen Stücken immer auch aktuelle Themen auf. Der Puppenspieler ist nicht nur live zu erleben, was ja derzeit angesichts der Corona-Pandemie ohnehin nicht möglich ist. Er dreht zusätzlich mit den Figuren Videos, die er auf Youtube veröffentlicht. Vor einigen Jahren geisterte zum Beispiel Wolfred Wolf durch das weltweite Netz. Wichtig ist dem Oppacher außerdem, die Oberlausitzer Mundart zu pflegen. Deswegen "rullen" die meisten seiner Figuren ordentlich, natürlich auch Horst und Berta. Auch wenn's meistens lustig ist - Männels Stücke haben meistens einen ernsten Hintergrund.

Schon während seines Studiums in den 1980er Jahren baute der ausgebildete Pädagoge seine ersten Handpuppen. Inzwischen ist er seit 25 Jahren selbstständig als Puppenspieler. Jetzt geben auch Horst und Berta zum Zeitgeschehen "ihren Senf dazu". Eine große Portion Ironie ist auch dabei. Und wie es sich für ein altes Ehepaar gehört, diskutieren die beiden oft und mächtig. Seit etwa einem knappen Jahr ist natürlich Corona ihr liebstes Diskussionsthema. Inzwischen sind Horst und Berta ein Selbstläufer geworden, haben immer mehr Fans, die die Videoclips regelmäßig verfolgen. Ein- bis zweimal pro Woche stellt Lutz Männel neue Filme mit Horst und Berta ein. "Die Leute erwarten ja dann auch immer wieder was Neues."

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Die Sächsische Zeitung als Inspiration

Horst und Berta stammen eigentlich aus dem Märchen vom "Teufel mit den drei goldenen Haaren", erzählt Lutz Männel. Inzwischen hat sich das drollige Pärchen verselbstständigt und erlebt dank des aktuellen Zeitgeschehens und Männels Kreativität seine eigenen Geschichten. "So viel muss ich da gar nicht machen", gibt sich der Künstler bescheiden. "Den Stoff liefern ja die Medien mit dem aktuellen Geschehen." Männel liest früh die SZ und nimmt aus den aktuellen Meldungen seine Ideen für neue Videos. Auch die Nachrichten hören und Facebook verfolgen sind wichtige Quellen für seine Ideen. "Wenn man die drei Sachsen zusammennimmt, weiß man, was die Leute bewegt und hat eine gute Grundlage. Das funktioniert."

Im neuesten Video mit dem viel sagenden Titel "Dr neue Stoatsfeind" geht es um Winfried Stöcker und seinen Selbsttest mit Corona-Impfstoff. Deswegen sieht sich der Görlitzer Kaufhausinvestor derzeit mit einem Ermittlungsverfahren konfrontiert. Das treibt auch Horst um - hatte er doch ebenfalls mit einem selbst gemixten Impfstoff experimentiert. Das können Youtube-Nutzer ebenfalls in einem Video nachverfolgen. "Horst rettet die Welt", heißt der Clip. Nun glaubt Horst, dass er ebenfalls verfolgt wird und versteckt sich in seiner "Boofe" im Wald.

Fangemeinde ist angewachsen

Offenbar hat der Oppacher Puppenspieler mit Horst und Berta einen Nerv getroffen bei der Internetgemeinde. Der Youtube-Kanal von Lutz Männel ist seit dem vorigen Jahr von 100 Abonnenten auf inzwischen 2.300 angewachsen.

Seinen Lebensunterhalt verdienen kann der Oppacher Puppen-Künstler mit den Videos dennoch freilich nicht - auch, wenn Horst und Berta inzwischen zahlreiche Fans haben. Das Einstellen von Clips auf der Plattform Youtube ist kostenfrei, bringt aber auch nichts ein. "Ich habe immer am Ende meiner Filme einen Spendenaufruf eingestellt", erzählt Lutz Männel. Das sei ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie so viele Selbstständige, wartet auch er noch immer auf die November- und Dezemberhilfen vom Staat. Vor Weihnachten, bevor der harte Lockdown kam, hatte er die letzten Live-Auftritte mit seinem Puppentheater vor kleinerem Publikum.

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