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Das macht Corona mit Dresdens Innenstadt

Restaurants sind geschlossen, Einkaufen ist aber möglich. Wie sich der Lockdown auf das Leben in der Dresdner City auswirkt.

Trotz Mundschutz-Pflicht sind auf der Prager Straße deutlich mehr Menschen unterwegs, als im Frühjahrslockdown. Sie nutzen die offenen Geschäfte.
Trotz Mundschutz-Pflicht sind auf der Prager Straße deutlich mehr Menschen unterwegs, als im Frühjahrslockdown. Sie nutzen die offenen Geschäfte. © Sven Ellger

Dresden. Weihnachten steht vor der Tür und der Wunschzettel der Kinder ist lang. Geschenke müssen her, nicht nur für die Kleinen, auch für den Partner, die Eltern und die Großeltern.

Während viele Dresdner Händler in der Innenstadt nun darauf hoffen, dass mit dem Weihnachtsgeschäft zumindest ein Teil der entgangenen Einnahmen aus dem Frühjahrslockdown in die Kassen kommt, entscheidet sich der eine oder andere Kunde wahrscheinlich für den Einkauf im Internet. Einen Vorteil hat das auf jeden Fall: Das Infektionsrisiko ist gering.

Lust-Shopping dagegen ist derzeit aus mehreren Gründen allerdings nicht wirklich drin: Die Verbindung von Einkauf und Restaurant- oder Theaterbesuch fällt in dieser Vorweihnachtszeit flach, ebenso wie das Schlendern über den Striezelmarkt. Die Gastronomie und Kultureinrichtungen sind geschlossen, die Weihnachtsmärkte alle abgesagt. Doch meiden die Besucher die Dresdner City tatsächlich?

Wie viele Menschen sind auf der Prager Straße unterwegs?

Tatsächlich sind weniger Menschen auf der Prager Straße unterwegs - zumindest etwas weniger. Die automatische Zählstelle des Unternehmens Hystreet, die sich zwischen Karstadt und dem ehemaligen Hotel Lilienstein befindet, registrierte an den November-Samstagen zwischen 37.000 und 46.000 Menschen pro Tag. Das ist nicht üppig, schaut man sich zum Beispiel den 10. Oktober an. An jenem Samstag schlenderten knapp 60.000 Menschen über die Prager Straße.

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Aber, und das ist interessant: Im Vergleich zum ersten Lockdown im Frühjahr ist die bekannte Dresdner Einkaufsmeile immer noch gut gefüllt. Am 21. März etwa, als nur noch Lebensmittelmärkte, Drogerien und Apotheken öffnen durften, registrierte der Zähler lediglich rund 4.800 Passanten. Es dauerte lange, bis sich die Menschen wieder ins Zentrum trauten.

Selbst am ersten Mai-Samstag bummelten nur etwa 19.000 Menschen über die Prager Straße. Der leichte Rückgang jetzt dürfte insbesondere auch mit fehlenden Touristen zu erklären sein. Denn seit Anfang November dürfen keine Urlauber mehr in Hotels und Pensionen aufgenommen werden.

Ist der Lockdown in Bussen und Bahnen spürbar?

Ja, deutlich, wenn auch noch nicht so heftig, wie im Frühjahrslockdown. Im März und April nutzten täglich nur knapp 150.000 Fahrgäste die Busse und Bahnen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), berichtete damals Sprecher Falk Lösch. Zuvor waren es mehr als 600.000.

Dabei wäre jetzt eigentlich die Zeit, in der die DVB zusätzliche Fahrzeuge einsetzen, um den Andrang im Advent bewältigen zu können. 665.000 Fahrgäste pro Werktag wären normal, haben die DVB-Verantwortlichen aus den Zahlen der vergangenen zwei Jahre errechnet.

In der vergangenen Woche waren es aber nur rund 425.000. Das entspricht 64 Prozent des üblichen Werts. Eine Reaktion wie im Frühjahr, als schließlich weniger Busse und Bahnen eingesetzt wurden, haben die DVB bisher aber noch nicht angekündigt.

Wie reagieren Läden auf die Einschränkungen?

Eine Studie des Sächsischen Handelsverbandes hat zumindest eines gezeigt: Die Rahmenbedingungen bleiben - trotz Corona - für den Dresdner Einzelhandel prinzipiell günstig, weil die Landeshauptstadt und ihre Umgebung und damit auch der Bedarf wachsen.

Was sich langfristig auswirkt, sind die fehlenden Touristen. Die Macher der Studie von der Hamburger Gesellschaft für Unternehmens- und Kommunalberatung Dr. Lademann & Partner rechnen damit, dass sich die Zahl der internationalen Gäste erst ab 2023 wieder auf Normalniveau einpegelt.

Fest steht: Es kommen derzeit weniger Kunden, was vor allem Auswirkungen auf die zahlreichen Modegeschäfte in der City hat. Sie verzeichnen starke Umsatzrückgänge, sodass die Studie zu dem Ergebnis kommt, dass es im ersten Halbjahr 2021 im Modeeinzelhandel viele Insolvenzen geben wird.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Darauf reagieren viele Läden nun mit verkürzten Öffnungszeiten. In einer aktuellen Erhebung der digitalen Marketingplattform Sendinblue wurde untersucht, welche Geschäfte in der Zeit vom 17. bis 25. November dieses Jahres vorübergehend geschlossen oder ihre Öffnungszeiten angepasst haben. Untersucht wurden deutschlandweit über 4.000 Geschäfte auf beliebten Einkaufsstraßen der 20 größten deutschen Städte.

Dresden landet dabei auf Platz neun direkt hinter Leipzig. Immerhin fast neun Prozent der Läden auf Dresdner Einkaufsmeilen hatten in dieser Zeit vorübergehend geschlossen, knapp 15 Prozent hatten kürzere Öffnungszeiten. Am stärksten von Schließungen ist mit fast 20 Prozent München betroffen - der Spitzenreiter der Analyse. Diese zeigt auf, dass 23,5 Prozent der Dresdner Händler auf die fehlenden Kunden reagieren, indem sie ganz zumachen oder kürzer für die Kunden da sind.

Gibt es eine Idee anstelle des Striezelmarktes?

Um der Dresdner Innenstadt in der Adventszeit auch ohne Striezelmarkt etwas Aufmerksamkeit zu bescheren, haben die Landeshauptstadt, das Dresden Marketing und die Kirchen die Aktion "Grüße von der Striezeltanne – Advent in der City" auf die Beine gestellt. Vom 1. bis 24. Dezember werden dabei täglich vorweihnachtliche Grüße vom Dresdner Altmarkt und aus der Altstadt gesendet.

An dem Ort, wo normalerweise der Striezelmarkt stattfinden würde, erzählen Dresdner, Vertreter aus Stadtverwaltung und Einzelhandel sowie der Innenstadtkirchen, was ihnen in der bevorstehenden Adventszeit wichtig ist und was ihnen Hoffnung schenkt.

"In diesen schwierigen Wochen möchten wir ein Mutmach-Signal senden", so Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Eine solche Vorweihnachtszeit habe noch keiner von uns erlebt. "Zugleich gilt es gerade jetzt, über das Verbindende zu sprechen, Hoffnung zu wecken und zusammenzuhalten." Davon sollen die täglichen Filmchen erzählen.

Auch Friederike Wachtel, Geschäftsführerin vom Dresden Marketing, begrüßt die Aktion. "Dieses Jahr ist für alle eine enorme Herausforderung und geht an die Belastungsgrenzen. Die kleinen Botschaften sind ein positives Signal aus dem Herzen unserer Dresdner Innenstadt."

Und Superintendent Christian Behr freut sich über die gemeinsame Aktion von Stadt, Dresden Marketing und Kirchen. "Darauf kommt es jetzt an: gemeinsam zusammenzustehen und den Nächsten im Blick zu behalten."

Der tägliche Adventsgruß wird auf Sachsen Fernsehen Dresden ausgestrahlt und ist außerdem unter www.kirche-dresden.de/adventskalender und striezelmarkt.dresden.de zu finden.

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