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Corona: Michael Kretschmer antwortet Unterstützern

Ministerpräsident Kretschmer schreibt in einem Brief an die Großschönauer von der schwierigsten Phase der Pandemie und verteidigt seine Haltung - auch zu Kritikern.

Michael Kretschmer hat sich bei den Großschönauern bedankt.
Michael Kretschmer hat sich bei den Großschönauern bedankt. © Jürgen Lösel (Archiv)

Die freundlichen Worte geben ihm in einer Zeit schwieriger Entscheidungen viel Kraft. Das schreibt Michael Kretschmer an die Großschönauer, die sich zuvor mit einem offenen Brief an Sachsens Ministerpräsidenten wandten - um ihn in seiner Corona-Politik zu unterstützen. Sie starteten dazu sogar eine Online-Petition, die bis Mittwochvormittag über 1.800 Unterstützer fand. Damit ist das Ziel von 1.000 weit überschritten.

Wie für die Befürworter hätten auch für Michael Kretschmer die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung und der Schutz des Lebens oberste Priorität. Dennoch sei ihm bewusst, dass mit dieser Verantwortung schwierige und bisweilen auch unpopuläre Entscheidungen einhergehen und es daran Kritik gebe, schreibt der Ministerpräsident. Die Bürger hätten auch ein Recht darauf, dass sich Politiker ihren Fragen stellen und Entscheidungen erklären. Er stelle sich den Diskussionen.

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Allerdings gebe es für ihn klare Grenzen. Dazu gehört auch der "Hausbesuch" von Kritikern der Maßnahmen, die sich am Sonntag vor drei Wochen unter Missachtung der Corona-Schutzregeln mit zum Teil aggressiven Plakaten oder mit einer Maske in den Farben der Reichskriegsflagge vor seinem Privathaus in Waltersdorf versammelten. Die Aktion löste wiederum Diskussionen in der Bevölkerung aus und Politiker anderer Parteien äußerten sich kritisch. "lch bin der Ministerpräsident aller Sachsen - aber ich mache nicht alles mit", schreibt Michael Kretschmer dazu. Für jeden anständigen Menschen in dem Land müsse klar sein, welche Verbrechen Nationalsozialisten in deutschem Namen begangen hätten. Dass die Bundesrepublik heute wieder international geachtet werde, Deutsche überall auf der Welt gern gesehene Gäste seien, liege darin, wie Deutschland zu seiner Vergangenheit stehe. "Und welche Schlüsse wir für die Zukunft daraus ziehen."

Erschöpfung bei vielen

Er hoffe, dass das Coronavirus und die Diskussionen darüber die Sachsen nicht spalten. "Ob daraus aber Realität wird, liegt an uns allen und wie wir die notwendigen Debatten miteinander führen." Aber Michael Kretschmer spüre auch die Erschöpfung bei vielen nach inzwischen zwölf Wochen Lockdown. Eltern seien extrem gefordert, die Bildung der eigenen Kinder zu unterstützen und gleichzeitig beruflich tätig zu sein. Menschen, die über Jahre nahezu rund um die Uhr als Selbstständige tätig waren, erlebten mit der Schließung ihrer Betriebe eine traumatische Situation.

In Pflegeheimen und Krankenhäusern würden Frauen und Männer eine großartige Arbeit leisten. "Die in einer viel zu großen Zahl trotzdem Menschenleben nicht retten konnten." Und viel zu wenig werde das Leid der Angehörigen gehört, die einen Menschen aufgrund einer Covid-19-Erkrankung verloren hätten.

In dieser Zeit brauche es nach Aussage des Ministerpräsidenten Besonnenheit, einen klaren Blick auf wissenschaftliche Erkenntnisse und einen starken Willen. "Und das gilt nicht allein für die Regierung." Es werde für alle leichter, wenn sie das Notwendige nicht nur ertragen, sondern als dringend erforderlich leben.

So ist das Land nach seiner Aussage in der schwierigsten Phase der Pandemie. Die Mutation mache das Virus noch ansteckender. Und die Beispiele anderer Länder zeigen für ihn: Zu früh und zu viel gelockert führt zu einer erneuten Explosion des lnfektionsgeschehens. "Deshalb müssen wir die kommenden Wochen nutzen, stringent Kontakte zu vermeiden, um so das Virus so weit wie irgend möglich zurückzudrängen." Lockerungen könne es dann nur schrittweise geben.

  • Am Freitag findet eine lnformationsveranstaltung unter dem Titel "Fakten statt Fake News - Fragen und Antworten zur Corona-Krise am Beispiel des Dreiländerecks", zu der sich noch angemeldet werden kann. Zudem können Zuschauer über Facebook und Youtube zuschauen und Fragen stellen.
  • Zur Diskussion stellen sich neben Michael Kretschmer auch Bergit Kahl, Pflegeheimleiterin Görlitz, Dr. med. Mathias Mengel, Ärztlicher Direktor des Klinikums Oberlausitzer Bergland, Dr. Thomas Grünewald, Mitglied der Sächsischen Impfkommission und Leiter Klinik für Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum Chemnitz sowie Thomas Zenker, Oberbürgermeister der Stadt Zittau.

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