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Fast allein im Dohnaer Museum

Heiraten, ein Haus kaufen und ein Museum leiten: Das alles hat Kathrin Penndorf in ihrem Corona-Jahr gemacht. Nur eines fehlt.

Kathrin Penndorf vor dem Dohnaer Museum, das sie derzeit fast für sich allein hat.
Kathrin Penndorf vor dem Dohnaer Museum, das sie derzeit fast für sich allein hat. © Daniel Schäfer

Erst hätte das Museum offen sein können und war drei Jahre geschlossen. Dann wollte es öffnen und durfte nicht. Kathrin Penndorf hat als Dohnaer Museumsleiterin noch keine "normale" Zeit erlebt. Als sie Ende 2019 begann, ging es mit großen Schritten auf die Neueröffnung nach dem Umbau und der Umgestaltung im Frühjahr zu. Doch statt zu eröffnen, kam Corona. Anfang Juni dann eine Mini-Eröffnung, im September das Museumsfest. Noch im Oktober begann das Ganztagsangebot für die Dohnaer Grundschüler. Vier-, fünfmal waren sie da, dann war wieder zu. Bis dahin war es recht gut gelaufen, sagt Kathrin Penndorf. Zwei Drittel der Besucher waren Schulklassen. Genau so hatte sie es sich vorgestellt und gewünscht.

Geologie-Ausstellung in Vorbereitung

Also hat sie das getan, was auch sonst die Hauptaufgabe von Museen ist: archivieren, dokumentieren, Fragen beantworten, ein bisschen forschen. Und: ein- und aufräumen. Irgendwann aber ist ja alles getan, was man tun wollte, wenn man endlich mal Zeit hat. "Das passiert bei uns nicht", sagt Kathrin Penndorf, was aber nicht heißen soll, dass das Museum ruhig immer zu bleiben könnte. Doch inzwischen ist auch die letzte Umzugskiste ausgeräumt. Ganz fertig war das Museum zur Eröffnung im vorigen Jahr ja noch nicht. Der Geologie-Bereich zum Beispiel wird erst jetzt gestaltet. Es ist jetzt ein Wettlauf von Steinen und Corona. Ist die Geologie-Ausstellung eher fertig oder kann das Museum vorher wieder öffnen?

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Hochzeit, Haus und Homeschooling für vier

Mitten in diesem Corona-Jahr, als es gerade mal aufatmete, heiratete Kathrin Penndorf. Mittelalterlich, wie es sich für sie und ihren Mann gehört. So hatten sie sich schließlich kennengelernt. Kaum jemand lebt Beruf und Hobby so konsequent wie Kathrin Penndorf. In Weesenstein haben sie ein Haus gefunden und gekauft. Dort wohnen nun sechs Personen, Kathrin Penndorf und ihr Mann und die beiden Kinder, die jeder mitbrachte. Homeschooling für vier zwischen 12 und 19 Jahren: "Das belastet mental schon sehr", sagt Kathrin Penndorf. Sie selbst macht auch ab und zu Homeoffice, wenn es sich anbietet. Ansonsten kann sie ja ihre Exponate aus dem Museum nicht mit nach Hause nehmen.

Jedes Exponat wird digitalisiert

Kathrin Penndorf darf das Museum zwar nicht für Besucher öffnen, ganz allein sie auch nicht, aber ein bisschen mehr Leben könnte schon wieder sein. Kunsthistorikerin Katrin Lauterbach ist die Ruhe recht lieb. Sie fotografiert nach und nach alle Exponate, damit sie dann auf "Museum digital" verfügbar sind. Die umfangreiche Dohnaer Grafik-Sammlung zum Beispiel ist schon im Netz aufrufbar. Ein Teil immer nur für Museumsleute weltweit, ein Teil öffentlich.

Katrin Lauterbach nimmt sich derzeit gerade mit einem Helfer jedes Teil der historischen Dohnaer Apotheke vor. Jede Flasche wird extra erfasst. Lieblingsobjekt von Katrin Lauterbach ist eine englische Reiseapotheke mit Döschen und Fläschchen, die zum Teil sogar noch gefüllt sind. Wenn dann alles digitalisiert und inventarisiert ist, ist ein großer Schritt getan. Im Mai, Juni sollte es soweit sein. "Aber so richtig glaube ich noch nicht daran", sagt Kathrin Penndorf. Ganz zu Ende ist diese Arbeit ohnehin nie, weil ein Museum immer neue alte Exponate erhält.

Der Polizei beim Ermitteln geholfen

Ob eines Tages auch die Tür aus dem ehemaligen Dohnaer Gefängnis auf der Dippoldiswalder Straße 10 dazugehört? Noch hat die Polizei sie im Museumsdepot nur eingelagert. Sie war aus dem zerfallenen Haus gestohlen und dann bei Ebay zum Verkauf angeboten worden. Kathrin Penndorf und andere schauen auf der Plattform immer mal, was so unter dem Suchwort Dohna angeboten wird. Und da entdeckten sie die Tür und informierten die Polizei. So kam die Tür zurück nach Dohna. Kathrin Penndorf hätte sie schon gern im Museum, aber sie gehört ja den Eigentümern des Gefängnis-Hauses. Vielleicht gibt es ja eine Schenkung. So wie es die langjährige Dohnaer Apothekerin Marion Fritz gemacht hat. Sie hat jetzt nach 20 Jahren Leihgabe die Apotheker-Sammlung dem Museum geschenkt.

Zu tun ist also immer was, sagt Kathrin Penndorf. Ganz allein ist sie ja nur selten und langweilig wird es ihr sowieso nie. Doch immer öfter möchte sie die Museumstür einfach wieder für jedermann aufschließen dürfen. Schließlich ist so ein Museum ein lebendiger Ort.

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