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Corona: Person aus Sachsen mit neuer Mutation

Bei einem Test am Flughafen BER ist bei einer Person aus Sachsen die Corona-Mutation B.1.525 entdeckt worden. Was hat es mit der neuen Variante auf sich?

Eine mikroskopische Aufnahme von Coronaviren. An den Außenseiten leicht verschwommen zu erkennen, sind die sogenannten Spike-Proteine.
Eine mikroskopische Aufnahme von Coronaviren. An den Außenseiten leicht verschwommen zu erkennen, sind die sogenannten Spike-Proteine. © NIAID-RML/AP/dpa

Berlin/Dresden. Bei einem Coronatest am Flughafen BER ist bei einem Reisenden aus Sachsen die in Deutschland noch relativ unbekannte Virusvariante B.1.525 entdeckt worden. Das hatte am Montag das Unternehmen Centogene mitgeteilt, das in dem Flughafen ein Testzentrum betreibt. Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) wies am Dienstag darauf hin, dass sich der Fall bereits vor knapp einem Monat zugetragen habe und als "nicht gefährlich" eingestuft wurde.

Auf konkrete Nachfrage teilte das Sozialministerium mit, dass der Nachweis mittels PCR-Test am 10. Februar erfolgt war. Weitere Details, etwa woher die Person eventuell eingereist war, werden nicht genannt.

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Die Mutation ist nicht vollkommen neu, taucht aber bisher nur sehr selten auf. Laut einem aktuellen Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zu Virusvarianten ist die Form in Deutschland noch wenig verbreitet. Bis Ende Februar sei sie nur in 0,1 Prozent der durch Genomanalysen untersuchten Coronatests entdeckt worden. Zum Vergleich: Die britische Mutation haben Labore im selben Zeitraum bei rund 14 Prozent der Proben festgestellt.

Klar ist aber auch, dass B.1.525 bereits beim RKI als sogenannte VOI geführt wird. Die Abkürzung steht für "Variant of Interest", zu Deutsch: zu beobachtende Variante. Die Mutante vereine Merkmale der bereits in Deutschland weit verbreiteten britischen Variante B.1.1.7. und der Varianten aus Brasilien (P.1) und Südafrika (B.1.351), heißt es von Experten. Diese drei Varianten werden vom RKI auch gefährlicher eingestuft, nämlich in der Kategorie "Variant of Concern", was übersetzt besorgniserregende Variante bedeutet.

Dass der Fall am Montag etwas größere Wellen geschlagen hat, liegt vermutlich daran, dass die Firma Centogene in einer ursprünglichen Pressemitteilung schrieb, dass es sich bei der Person aus Sachsen um den Erstnachweis von B.1.525 in Deutschland handele. Centogene hat das wenig später korrigiert.

Dennoch stellen sich jetzt erneut die gleichen Fragen zu den Gefahren wie schon beim Auftauchen früherer Varianten.

  • Muss man sich vor B.1.525 fürchten? "Es ist eine erhöhte Übertragbarkeit ähnlich wie der britischen Variante zu erwarten", erklärt Alexander Dalpke, Leiter des Instituts Medizinische Mikrobiologie und Virologie an der TU Dresden. Die Variante könnte also ebenfalls ansteckender sein.

  • Warum wird die Mutante als gefährlich eingeschätzt? Forscher haben bei B.1.525 eine Veränderung des sogenannten Spike-Proteins festgestellt. Das umgibt das Virus und ist in mikroskopischen Aufnahmen an seiner Zackenform zu erkennen. Es ist für das Eindringen der Viren in menschliche Zellen verantwortlich und steht bei der Entwicklung von Impfstoffen im Fokus. Weil durch die Veränderung der Proteinstruktur möglicherweise menschliche Antikörper eine geringere Wirksamkeit haben, sehen Wissenschaftler darin eine Gefahr.

  • Helfen die entwickelten Impfstoffe? "Veränderungen des Spike-Proteins treten in vielen Varianten auf", sagt Dalpke und fügt beruhigend hinzu, dass bei der Corona-Impfung die Impfantwort polyklonal erfolge. Das heißt, es werden nicht nur Antikörper gegen eine konkrete Struktur des Virus gebildet, sondern gegen ganz viele verschiedene. Somit führe die Veränderung einzelner oder weniger Aminosäuren - so wie jetzt bei den Varianten - im Regelfall nicht zu einer völligen Wirkungslosigkeit von Impfstoffen, sondern eventuell zu einer Abschwächung. "Schwere Verläufe werden voraussichtlich aber immer noch gut verhindert", so Dalpke.

Um sich aus dem Kreislauf immer wieder neu in Erscheinung tretender Corona-Mutationen zu befreien, sieht der Virologe auch weiterhin die Impfung als wirksamstes Mittel. Denn je schneller sich viele impfen lassen würden, umso schwieriger habe es das Virus, sich von Mensch zu Mensch zu übertragen und neue Mutationen hervorzubringen. Für Dalpke ist klar: "Die Impfung ist das Gebot der Stunde."

Thematischer Hinweis: CoronaCast über Mutationen

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Über die Wirksamkeit von Corona-Impfstoffen gegen mutierte Formen des Virus hat Alexander Dalpke vor zwei Wochen auch im CoronaCast bei Sächsische.de gesprochen. Die ganze Folge des Podcast hören Sie über diesen Player. Mehr darüber lesen Sie in diesem Artikel: Wie wirken Impfungen gegen Mutationen?

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels stand, dass die Mutation B.1.525 als "Variant of Concern" beim RKI geführt wird. Dem ist nicht so. Die Mutation gilt als "Variant of Interest". Wir haben das entsprechend korrigiert.

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