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Corona-Neuinfektionen: Leichte Abflachung

Der Schock rasant steigender Corona-Zahlen hat offenbar gewirkt: In der vergangenen Woche stieg die Fallzahl nicht mehr ganz so stark an wie zuvor.

Lothar Wieler ist Leiter des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Zahl intensivmedizinisch behandelter Covid-19-Fälle hat sich in den vergangenen zwei Wochen fast verdreifacht.
Lothar Wieler ist Leiter des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI). Die Zahl intensivmedizinisch behandelter Covid-19-Fälle hat sich in den vergangenen zwei Wochen fast verdreifacht. © Markus Schreiber/AP-Pool/dpa

Berlin. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland bleibt weiter hoch: Innerhalb eines Tages sind 17.214 neue Fälle an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet worden. Die Zahl der registrierten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg um 151 auf insgesamt 10.812.

"Aktuell ist eine zunehmende Beschleunigung der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten", heißt es im Lagebericht des RKI vom Dienstagabend. Auf eine zumindest leichte Abflachung des Anstiegs weisen die R-Werte hin, die in den vergangenen Tagen meist nicht mehr so deutlich über 1 liegen. Da die Zahl der infizierten Personen derzeit sehr hoch sei, gebe es aber weiter eine hohe Zahl täglicher Neuerkrankungen, so das RKI.

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Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht vom Dienstagabend bei 0,94 (Vortag: 1,07). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel knapp einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI in seinem Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Dienstag bei 0,98 (Vortag: 1,04). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Trend oder Schwankung?

Daten des Corona-Monitors des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hatten gezeigt, dass sich die dafür Befragten schon in der vergangenen Woche vorsichtiger als noch zwei Wochen zuvor verhielten. Bis sich die Wirkung des seit Montag greifenden Teil-Lockdowns bei den Infektionszahlen zeigt, dauert es wegen der Spannen von der Ansteckung zu Symptomen, Test und Erfassung nach RKI-Angaben zwei bis drei Wochen.

Ob das leichte Sinken der R-Werte in den vergangenen Tagen ein stabiler Trend oder eine Schwankung sei, könne man noch nicht sagen, hatte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Dienstag gesagt. Den Wert auf 1 zu senken - das heißt, dass ein Infizierter eine andere Person ansteckt - reiche nicht. Um in eine wieder kontrollierbare Lage zu kommen, müsse die Reproduktionszahl weiter gesenkt werden und eine längere Zeit deutlich unter 1 liegen, bei 0,7 oder noch niedriger. Auch dann werde es Wochen dauern, bis man wieder im Bereich von täglich 2.000 Neuinfektionen sei.

Die Zahl erfasster Corona-Infektionen je 100.000 Einwohner lässt bisher auf ein weiter an Dynamik gewinnendes Infektionsgeschehen schließen. Für die vergangenen sieben Tagen liegt der Wert bei 125,8 (Stand 4.11. 00.00 Uhr; Vortag: 124,2), wie das Robert Koch-Institut RKI am Mittwoch mitteilte. Am Freitag hatte die sogenannte 7-Tage-Inzidenz erstmals über 100 gelegen (104,9), vor vier Wochen (7.10.) hingegen bei gerade mal 18,6. Eine hohe 7-Tage-Inzidenz zeigt an, dass sich viele Menschen mit dem Virus infiziert haben.

Zahl der Intensivpatienten fast verdreifacht

Seit Anfang September nimmt der Anteil älterer Personen unter den Covid-19-Fällen dem RKI zufolge wieder zu. Das sei "besorgniserregend, da diese Personen schwerer an Covid-19 erkranken, ein höheres Sterberisiko haben und häufiger eine intensivmedizinische Therapie benötigen". Die Zahl intensivmedizinisch behandelter Covid-19-Fälle hat sich demnach in den vergangenen zwei Wochen von 879 Patienten (20.10.) auf 2.388 Patienten (3.11.) fast verdreifacht. Der bisherige Höchststand hatte nach Daten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) bei 2.933 am 18. April gelegen. Damals waren noch rund 3.400 der Betten in den Kliniken frei. Für den 3. November waren beim Divi etwa 7.200 noch belegbare Intensiv-Betten erfasst.

Nur Risikogruppen vor dem Coronavirus zu schützen sei weder möglich noch machbar, sagt Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Virologie der Universitätsklinik Frankfurt am Main. Das wären 21,9 Millionen Menschen in Deutschland.
Nur Risikogruppen vor dem Coronavirus zu schützen sei weder möglich noch machbar, sagt Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Virologie der Universitätsklinik Frankfurt am Main. Das wären 21,9 Millionen Menschen in Deutschland. © Frank Rumpenhorst/dpa

Nur Risikogruppen vor dem Coronavirus zu schützen, wäre aus Sicht der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek weder möglich noch machbar. Das Robert Koch-Institut liste Vorerkrankungen auf, die ein Risiko für einen besonders schweren Verlauf haben. Lege man diese Liste zugrunde, seien das 21,9 Millionen Menschen, sagte Ciesek im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" vom Dienstag. "Wenn man sich jetzt mal überlegt was das bedeutet: 21,9 Millionen Menschen sollen geschützt werden vor den restlichen 60 Millionen, dann glaube ich merkt man, wie irrsinnig und wie schwierig das ist."

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Zur Risikogruppe gehörten nicht nur alte Menschen im Pflegeheim, "das ist einfach nicht der Fall". Ein Drittel der knapp 22 Millionen seien unter 60 Jahre, sagte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt.

Insgesamt haben sich dem RKI zufolge seit Beginn der Pandemie bundesweit 577.593 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert (Stand: 04.11., 00.00 Uhr). (dpa)

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