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Nur eine von zehn FFP2-Masken ist empfehlenswert

Die Stiftung Warentest hat FFP2-Masken untersucht. Trotz hoher Filterwirkung bieten die wenigsten einen guten Schutz.

FFP2-Masken müssen eng anliegen. Wenn die Maske „mitatmet“, sich also beim Einatmen zusammenzieht und beim Ausatmen aufbläht, dann sitzt sie auch an den Rändern gut. Nur dann bieten sie den erhofften hohen Schutz.
FFP2-Masken müssen eng anliegen. Wenn die Maske „mitatmet“, sich also beim Einatmen zusammenzieht und beim Ausatmen aufbläht, dann sitzt sie auch an den Rändern gut. Nur dann bieten sie den erhofften hohen Schutz. © Zacharie Scheurer/dpa

Einfache Stoffmasken gelten inzwischen zum Schutz vor dem Coronavirus nicht mehr als sicher. Wer einkaufen geht, in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist oder ein Altenheim besucht, braucht eine OP- oder FFP2-Maske. Diese sollen nicht nur den Träger selbst, sondern auch sein Gegenüber schützen. Doch ist das so? Die Stiftung Warentest hat zehn FFP2-Masken auf ihre Filterwirkung, den Komfort beim Atmen, die Passform und ihre Schadstoffbelastung hin untersucht. Das überraschende Ergebnis: Nur eine der getesteten FFP2-Masken ist rundum empfehlenswert.

Für ihren Check wählten die Warentester Produkte unter anderem aus Drogerien, Baumärkten, Apotheken und von Online-Händlern. Die Preisspanne lag zwischen 1,04 Euro und 6,85 Euro. Alle FFP2-Masken bestehen aus mehreren Lagen Filtervlies, der eine elektrostatische Ladung hat. Diese soll feinste Aerosole festhalten, die bei der Übertragung des Coronavirus von Mensch zu Mensch eine bedeutende Rolle spielen. Um zu überprüfen, wie die Masken wässrige Aerosolpartikel filtern, spannten die Warentester sie auf eine spezielle Halterung, durch die Partikel strömten. Fazit: Alle der getesteten Modelle hielten rund 99 Prozent der Aerosolpartikel zurück, manche auch mehr.

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Viele Modelle sind nicht ganz dicht

Eine hohe Filterwirkung allein nützt jedoch wenig, wenn die Maske nicht dicht am Gesicht anliegt. Aus diesem Grund untersuchten die Tester auch die Passform. Die Probanden mussten verschiedene Situationen durchspielen, beispielsweise Gehen und dabei sprechen, Kopfdrehen oder Kopfnicken. Da es für FFP2-Masken keine Standardgrößen gibt, ist es umso wichtiger, dass ein Modell möglichst vielen Menschen passt – egal ob rundes oder schmales Gesicht, kleine oder große Nase. Diesen Anspruch erfüllt nur der Testsieger, die Maske Aura 9320+ von 3M. Sie passte allen zehn Prüfpersonen.

Die anderen Modelle erfüllen die Norm nicht. So ließ etwa die Lux-Maske von Obi bei fünf von zehn Prüfpersonen zu viele Partikel durch, die Maske von Xique sogar bei sechs. „Diese Masken empfehlen wir eingeschränkt, da sie nur einigen Probanden passten“, sagt Christiane Lang von der Stiftung Warentest. Ähnlich schnitten die Modelle RM100 von Medisana, die 957000 von Hase Safety, Atemious ProArt.2001 von Univent Medical und die Feinstaubmaske FFP2 von Gebol ab.

Viele FFP2-Masken sind im Lieferzustand in der Mitte gefaltet. Wenn die Falzkante nicht der Nasenform entspricht, sollte man sie vor dem Aufsetzen mit dem sauberen Finger von innen nach außen wölben.
Viele FFP2-Masken sind im Lieferzustand in der Mitte gefaltet. Wenn die Falzkante nicht der Nasenform entspricht, sollte man sie vor dem Aufsetzen mit dem sauberen Finger von innen nach außen wölben. © Tobias Steinmaurer/dpa (Symbolbild)

Ob eine FFP2-Maske passt und dicht ist, kann laut der Prüfer übrigens jeder selbst testen. Wenn die Maske „mitatmet“, sich also beim Einatmen zusammenzieht und beim Ausatmen aufbläht, dann sitzt sie auch an den Rändern gut. Für Brillenträger gilt: Wenn die Gläser beschlagen, sitzt die Maske nicht richtig. Und was hilft bei einem Bart? „Wollen Männer eine hohe Dichtigkeit erreichen, müssten sie sich an den entsprechenden Stellen rasieren“, empfiehlt Lang. Nur bei einem Schnurrbart oder einem Kinnbart gebe es wenige Beeinträchtigungen – wenn sie ganz unter die Maske passen. Und noch ein Tipp: Viele FFP2-Masken sind im Lieferzustand in der Mitte gefaltet. Wenn die Falzkante nicht der Nasenform entspricht, sollte man sie vor dem Aufsetzen mit dem sauberen Finger von innen nach außen wölben.

Das Atmen fällt schwer

Ein Problem, das viele Maskenträger kennen: Je dichter der Mund-Nasen-Schutz anliegt, umso schwerer fällt das Atmen. Dass es anders geht, zeigt der Testsieger. Mit der 3M ist Atmen kein Problem“, so das Urteil der Warentester. Auch mit Univent Medical, Medisana und Xique falle das Luftholen leicht. Allerdings gehörten sie im Test zu den Masken, die nicht bei allen Probanden dicht saßen. Vergleichsweise schwer falle das Atmen bei den Modellen Rossmann Altapharma, Hygisun und dm Mivolis. „Da sie einen hohen Widerstand haben, bekommen Menschen, die vorbelastet oder nicht mehr ganz so fit sind, damit eher schlecht Luft“, sagt Christiane Lang.

Beruhigend ist, dass die Prüfer in keinem der Masken-Modelle Schadstoffe finden konnten. Getestet wurde unter anderem auf Weichmacher, Formaldehyd und Nickel – und zwar an den Bügeln, Bändern und Filtern.

Frauen sind hygienischer

In der Pandemie legen die Deutschen mehr Wert auf Hygiene. 86 Prozent achten mehr darauf als vor Corona. Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage unter 1.000 Erwachsenen.

Eingehalten werden demnach vor allem die AHA-Regeln – also Maske tragen, Abstand halten und regelmäßiges Händewaschen. So tragen 75 Prozent „immer“ einen Mund-Nasen-Schutz, weitere 23 Prozent „meistens“.

Disziplinierter sind Frauen: Während 64 Prozent von ihnen regelmäßig und gründlich die Hände waschen, ist es bei den Männern nur die Hälfte.

Mehr Maskenverweigerer gibt es im Osten. 60 Prozent der Menschen tragen hier den Schutz, im Westen sind es 77 Prozent. Auch im Abstandhalten hinkt der Osten hinterher: 36 Prozent achten darauf, im Westen 54 Prozent.

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Was raten die Warentester nun? Sollte man lieber eine nicht ganz optimale FFP2-Maske tragen als gar keine? Auf jeden Fall. „Sitzt eine FFP2-Maske nicht optimal, schützt sie womöglich nicht besser als eine medizinische Maske oder Stoffmaske“, sagt Lang. Dennoch sinke die potenzielle Viruslast. Generell sollten Menschen, wenn sie längeren und engeren Kontakt zu anderen haben, insbesondere in geschlossenen Räumen, medizinische Modelle nutzen. Und wer bemerkt, dass seine Maske nicht richtig sitzt, sollte besser zu einer anderen greifen. Auf der sicheren Seite sei man mit der 3M – der Testsieger liegt mit 6,85 Euro pro Stück aber auch beim Preis ganz vorn.

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