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Löbauer Dampflok geht auf "Geisterfahrt"

In der Corona-Krise starten die Ostsächsischen Eisenbahnfreunde eine Hilfsaktion - mit einem geheimen Fahrplan. Und einem Dampf-Rendevouz an der Elbe.

Die Löbauer Dampflok überquert bei ihrer Willkommenstour durch die Oberlausitz im Oktober das Löbauer Viadukt.
Die Löbauer Dampflok überquert bei ihrer Willkommenstour durch die Oberlausitz im Oktober das Löbauer Viadukt. © Archiv Rafael Sampedro

Die Corona-Krise vereitelt den Ostsächsischen Eisenbahnfreunden Löbau (Osef) ihr gesamtes Fahrprogramm mit der Dampflok und anderen Fahrzeugen - und reißt dadurch ein Loch in die Vereinskasse. Jetzt schicken die Osef ihre gut 80 Jahre alte 52er auf "Geisterfahrt" mit einem historischen Zug. Mitfahren, darf niemand, Fahrkarten dafür gibt's trotzdem - mit einer ganz besonderen Gegenleistung.

"Wir lassen Dampf ab!", nennt Osef-Chef Alfred Simm die geplante Aktion scherzhaft doppeldeutig. Am 20. März, einem Sonnabend, schickt der Verein sein Flaggschiff auf die Reise durch die Oberlausitz - und darüber hinaus. Doch wohin überall, das ist geheim - das sollen bloß die Fans erfahren, die einen virtuellen Sitzplatz in dem Zug buchen. "Wir haben schon an die 100 Fahrkarten verkauft", sagt Simm - wie im wahren Leben in verschiedenen Preisklassen für die 1. oder 2. Klasse oder den Speisewagen.

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"Dampf-Rendevouz" an der Elbe

"Wer bucht, bekommt den Fahrplan übermittelt", erklärt Alfred Simm. So können die Fans die Dampflok wenigstens vom Streckenrand fotografieren oder filmen. Die virtuellen Fahrkarten haben gegenüber echten zumindest einen Vorteil: Die Osef können unbegrenzt viele davon verkaufen, ganz gleich wie viele Sitzplätze der Zug tatsächlich hat. Und bei reger Nachfrage will Simm mit der "Geisterfahrt" auch anderen Eisenbahnvereinen helfen. "In dem Fall wollen wir von anderen Vereinen Waggons virtuell ankoppeln." Und dafür wird dann eine Wagenmiete an den jeweiligen Verein bezahlt - tatsächlich, nicht bloß virtuell.

Eine Hilfsaktion ist schon beschlossene Sache - die mit der Dampfschifffahrt in Dresden. "Denen steht wegen Corona das Wasser auch bis zum Hals", sagt Simm. Deshalb ist ein "Dampf-Rendevouz" verabredet, und zwar an der Marienbrücke. Wenn die Dampflok kommt, soll auch ein Dampfer der Weißen Flotte dort aufkreuzen.

Dringend schwere Fracht gesucht

Die "Geisterfahrt" soll nicht nur wieder etwas Geld in die Kasse bringen, sondern hat auch eine technische Bewandnis. Die Eisenbahnfreunde konnten seit der Auslieferung durch das Dampflokwerk Meiningen noch nicht alle Leistungsstufen der Lok ausprobieren, weil sie nie fahren konnte. "Wir wollen viele Belastungssituationen durchspielen, bevor die Werksgarantie abläuft", erklärt Simm. Die zweitägigen Willkommensfahrten der Lok durch die Oberlausitz im Oktober hätten dafür lange nicht ausgereicht. "Ein paar Kilometer bewegen und dann wieder eine Stunde in einem Bahnhof stehen - das ist kein richtiges Dampflokfahren", sagt Simm.

Und einmal angeheizt soll die 52 idealerweise noch mehreren Belastungsproben ausgesetzt werden als bloß der "Geisterfahrt". "Wir suchen noch nach schwerer Fracht", sagt Simm. Willkommen wäre etwa ein Holzzug oder ein Güterzug. "Das muss auch gar nicht an dem Sonnabend sein. Wir können die Lok durchaus ein paar Tage unter Dampf halten", sagt Simm. Wer einen dementsprechenden Zug anzubieten habe, solle sich daher gerne bei den Eisenbahnfreunden melden.

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