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Ist Dynamos Aufstieg durch die Quarantäne gefährdet?

Ausgerechnet in der Endphase der Saison werden die Dresdner im Aufstiegskampf gebremst. Die psychologische Wirkung ist nicht zu unterschätzen.

So engmaschig die Kontrollen bei Dynamo auch sind – das Coronavirus lässt sich nicht ausschließen.
So engmaschig die Kontrollen bei Dynamo auch sind – das Coronavirus lässt sich nicht ausschließen. © Jan Huebner

Dresden. Schon wieder erwischt es Dynamo auf der Zielgeraden, diesmal im Kampf um den Aufstieg in die zweite Liga. Zwei Corona-Fälle in der Mannschaft sind mindestens einer zu viel. Pascal Sohm wurde am Donnerstag positiv auf das Virus getestet, Ransford-Yeboah Königsdörffer bereits zwei Tage zuvor. Das Gesundheitsamt Dresden ordnete am Freitag eine Quarantäne für alle an, die in der Woche am Mannschaftstraining teilgenommen haben. Die acht Spieler, die nach Verletzungen ein individuelles Reha-Programm absolvieren, sind ausgenommen.

Was das bedeutet – die SZ beantwortet die sieben wichtigsten Fragen.

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Warum hat das Dresdner Gesundheitsamt so entschieden?

Die Team-Quarantäne gilt vorerst bis zum Montag. Ab dann werden die Spieler und Betreuer wieder täglich getestet. Bei negativen Ergebnissen „ist es den Spielern, die als Kontaktperson gelten, lediglich erlaubt, Einzeltrainingseinheiten durchzuführen, ohne Kontakt zu den anderen Spielern zu haben“, erklärte das Gesundheitsamt auf SZ-Anfrage. Als Kontaktperson gilt laut aktueller Regelung, „wer über einen Zeitraum von mindestens zehn Minuten bei weniger als anderthalb Metern Abstand ohne angemessenen Schutz“ Kontakt zu einem positiven Getesteten hatte.

Wie viele Spieler das betrifft, teilte das Gesundheitsamt nicht mit. Viele können es aber offenbar nicht sein. Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Becker geht bei negativen Testergebnissen davon aus, dass „wir ab Mittwoch wieder in voller Mannschaftsstärke trainieren“ können. Das hieße, dass die Quarantäne nach nicht mal einer Woche beendet wäre.

Wie wird in vergleichbaren Fällen bei anderen Klubs verfahren?

Beim Erstligisten Hertha BSC müssen jetzt alle Spieler für 14 Tage zuhause bleiben, dies ist auch außerhalb des Fußballs gängige Praxis. Das Dresdner Gesundheitsamt verweist aber auf mögliche Ausnahmeregelungen, um die Quarantäne zu verkürzen. Die kann beantragt werden von Personen, die innerhalb des vergangenen halben Jahres selbst mit Corona infiziert waren oder vollständig geimpft sind. Beides dürfte auf fast alle Dynamo-Spieler nicht zutreffen.

Bei den vielen Fällen in den Profiligen zeigt sich jedoch, dass die örtlichen Behörden sehr unterschiedlich reagieren. Der 1. FC Kaiserslautern durfte am Freitag das Training wieder aufnehmen, nachdem am Donnerstag ein Spieler positiv getestet worden war, aber die Tests der anderen Teammitglieder negativ blieben. Das Spiel gegen Saarbrücken am Samstag soll stattfinden. Aber bei Kaiserslautern hatte es bereits in der Vorwoche einen Fall gegeben.

Hansa Rostock musste Anfang November bei insgesamt fünf infizierten Spielern für drei Tage in Quarantäne, durfte dann in Kleingruppen trainieren. Beim FSV Zwickau gab es Ende November sogar sieben Fälle, die Team-Quarantäne endete dort nach zehn Tagen.

Was tut Dynamo, damit das nicht passiert, was jetzt wieder passiert ist?

Man ist da sehr sensibel. „Wir haben in den zurückliegenden Monaten sehr viele Maßnahmen in unseren täglichen Abläufen rund um den Trainings- und Spielbetrieb ergriffen, um das Ansteckungsrisiko aus virologischer Sicht so gering wie möglich zu halten“, sagt Sportchef Becker. Die Profis nutzen das Trainingszentrum derzeit allein, werden auf alle Kabinen aufgeteilt und von Spielern, die Reha-Maßnahmen absolvieren, getrennt. Für die Besprechungen wird auf Abstand geachtet, auf Mannschaftsabende oder teambildende Events verzichtet. Ab sofort soll zu den Auswärtsspielen in Kleinbussen gefahren werden.

Bei allen Vorsichtsmaßnahmen bleibt ein Restrisiko. „Bei den aktuell sehr hohen Fallzahlen in Deutschland ist keiner zu hundert Prozent geschützt davor, sich mit dem Coronavirus zu infizieren“, erklärt Sportchef Becker. „Denn in unserem Alltag sind wir natürlich auch Teil der Gesellschaft.“ Kinder in Tageseinrichtungen, einkaufen im Supermarkt, die Frau oder Freundin in ihrem Beruf – die Ansteckungsgefahr ist für Profi-Fußballer nicht geringer als für andere.

Wie reagieren die Verbände auf die sich häufenden Fälle?

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat das Hygienekonzept für die 3. Liga ab 1. April noch einmal verschärft. Vor jeder Übungseinheit sowie an Reisetagen müssen sich alle Beteiligten einem Antigen-Schnelltest unterziehen. Ein PCR-Test vor jeder Partie ist verpflichtend. Bei Dynamo werden rund 45 Personen getestet, inklusive der Auswertung kostet jede Reihe den Verein zwischen 2.500 und 2.700 Euro.

Für die 36 Erst- und Zweitligisten ist ein verpflichtendes Quarantäne-Trainingslager für die letzten zwei oder drei Spieltage im Gespräch, entschieden werden soll darüber in der nächsten Woche. In der 3. Liga ist das bisher kein Thema. In der Vorsaison waren Dynamos Mannschaft sowie Trainer und Betreuer vor dem Neustart für eine Woche im Hotel „Maritim“ isoliert auf zwei Etagen untergebracht. Kauczinski sieht Gründe, die für eine solche Maßnahme sprechen, aber auch welche dagegen. „Wenn ich gerade an unsere Familienväter denke. Ihnen wäre es sicher nicht so recht, wie im Vorjahr über Tage von Frau und Kind getrennt zu werden“, argumentiert er.

Welche sportlichen Konsequenzen hat die Quarantäne?

Das Heimspiel gegen den MSV Duisburg sowie die für Dienstag angesetzte Partie beim KFC Uerdingen wurden abgesagt. Dynamo muss also tatenlos zusehen, was die Konkurrenz macht. Das hat einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Aspekt. Bereits am Freitagabend übernahm Hansa Rostock mit einem 1:0-Sieg bei Bayern München II die Tabellenspitze, auch Ingolstadt kann am Sonntag mit einem Erfolg gegen Meppen an den Schwarz-Gelben vorbeiziehen. Wenn es ungünstig läuft, kommen die Dresdner als Tabellenvierter aus der Quarantäne, wenn 1860 München seine Spiele (bei Türkgücü und gegen Viktoria Köln) gewinnt.

Das einzige Positive: Leroy Kwadwo, Heinz Mörschel und Jonathan Meier stünden nach ihren Muskelverletzungen für die Nachholspiele vermutlich zur Verfügung.

Wann können die zwei verschobenen Spiele nachgeholt werden?

Die englische Woche ist nur verschoben, denn für Nachholspiele ist vor dem letzten Spieltag am 22. Mai nur noch das Wochenende um den 1. Mai frei. Das könnte wie in der vorigen Saison am Ende zu einer Kraftfrage werden. Damals waren weder die anderen Klubs mit Ausnahme von Holstein Kiel und Erzgebirge Aue bereit, die Saison zu verlängern, noch die Deutsche Fußball-Liga. Diesmal dürfte das genauso sein, zumal die Europameisterschaft am 11. Juni beginnen soll.

Ist Dynamo von Corona besonders betroffen?

Der Eindruck könnte entstehen, wenn man an die vergangene Saison denkt, als Dynamo nach einer Quarantäne im Mai neun Pflichtspiele innerhalb von 28 Tagen absolvieren musste und letztlich abstieg. Doch allein sind die Dresdner mit diesem Schicksal schon lange nicht mehr. Holstein Kiel etwa steckt bereits in der dritten Team-Quarantäne und muss danach innerhalb von viereinhalb Wochen acht Zweitligapartien sowie das Pokalduell gegen Dortmund bestreiten – und das im Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga.

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In Liga drei mussten seit dem Saisonstart insgesamt 23 Spiele wegen Corona verschoben werden. Am häufigsten erwischte es bisher den FSV Zwickau, der fünfmal betroffen war, hinzu kamen vier witterungsbedingte Absagen. Besonders hart traf es auch den SV Meppen, der Anfang November sogar 13 Corona-Fälle vermeldet hatte und deshalb vier Partien nachholen musste. Das letzte Spiel vor der Quarantäne hatten die Emsländer in Dresden bestritten, danach waren auch zwei Dynamos aus dem Profibereich positiv getestet worden. Ausfallen musste lediglich eine Trainingseinheit. Im Januar erwischte es dann auch Cheftrainer Markus Kauczinski, der nach der zehntägigen Quarantäne über Unwohlsein klagte und als Vorsichtsmaßnahme ins Krankenhaus eingewiesen wurde. Nach drei Tagen konnte er entlassen werden. Ein Zusammenhang mit der Corona-Infektion wurde nicht festgestellt.

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