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Leere am Hang

Wintersportgebiete wie das Erzgebirge fürchten um ihre Saison. Auch Ausflüge nach Tschechien sind schwierig.

Noch steht der Tellerlift in Altenberg still. Die Vorbereitungen für die Skisaison laufen langsam und mit größter Vorsicht an. Die Hoffnung ist, dass im Januar Gäste begrüßt werden können.
Noch steht der Tellerlift in Altenberg still. Die Vorbereitungen für die Skisaison laufen langsam und mit größter Vorsicht an. Die Hoffnung ist, dass im Januar Gäste begrüßt werden können. © dpa/Sebastian Kahnert

Das Wetter spielt mit: Pünktlich zu Beginn des Dezembers herrschen Minusgrade und leichter Schneefall in Oberwiesenthal. Am Fichtelberg laufen die Schneekanonen. Ob der Kunstschnee überhaupt gebraucht wird – ungewiss. Denn noch ist unklar, ob die Skisaison in diesem Winter überhaupt starten kann.

In Schöneck im Vogtland wird dagegen nicht beschneit. Eine „Grundbeschneiung“ würde ungefähr 35.000 Euro kosten. „Diese Kosten müssen in Zeiten knapper Kassen gut abgewogen werden“, heißt es. Da momentan kein Tagestourismus und auch sonst keine Reisen möglich sind, wurde entschieden, nicht zu beschneien. Es bleibe abzuwarten, ob der Januar oder Februar Lockerungen bringen und damit Skisport möglich wird.

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Lockdown im Advent ist katastrophal

„Derzeit herrscht eine große Unsicherheit bei Sachsens Tourismusbetrieben“, sagt Andrea Kis vom Landestourismusverband. Wegen der hohen Infektionszahlen gelten fast überall in Sachsen Ausgangsbeschränkungen, auch im Erzgebirgskreis und im Vogtland dürfen die Menschen ihre Wohnung oder ihr Haus nur aus triftigem Grund verlassen. Ausflüge in Skigebiete? Nicht erlaubt, auch nicht für Dresdner. Das gilt vorerst bis Ende Dezember.

Für das Erzgebirge ist schon der Lockdown in der Adventszeit katastrophal. Weihnachten ist für die Region eine wichtige Reisezeit. „Das Erzgebirge ist das Weihnachtsland, wo Traditionen und Bräuche einen sehr hohen Stellenwert haben und tausende von Besuchern anziehen“, hieß es vom dortigen Tourismusverband. Die Schließung von Gaststätten und Hotels habe weitreichende Folgen – nicht nur für den Wintersport, sondern für das Weihnachtsland generell. Es sei eine noch nie da gewesene Situation für den Tourismus, der immerhin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region ist.

Seiffen gilt in der Adventszeit eigentlich als Touristenmagnet für Gäste aus aller Welt.
Seiffen gilt in der Adventszeit eigentlich als Touristenmagnet für Gäste aus aller Welt. © Archiv: dpa/Hendrik Schmidt

In Eibenstock bereitet man sich derweil auf eine Skisaison vor und hofft, dass nach Weihnachten wieder Gäste aus der Region begrüßt werden können. Dabei haben die Betriebe auch die tschechischen Partner im Blick, die ihre Skisaison trotz Corona-Pandemie vorbereiten und demnächst öffnen werden.

Für den Betrieb der Skiareale unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln soll es genaue Vorgaben geben, heißt es von der tschechischen Vereinigung der Wintersportgebiete. So werden unter anderem für Warteschlangen an den Kassen Abstandsmarkierungen platziert, der Online-Verkauf von Skipässen erweitert und Desinfektionsmittel für Innen- und Außenräume zur Verfügung gestellt. Auch für Gebiete wie das auf dem Jeschken in Liberec (Reichenberg) und Špindlerův Mlýn (Spindlermühle) läuft derzeit eine Vorverkaufsaktion. In Polen sollen die Skigebiete im Dezember öffnen, Hotels aber möglicherweise zu bleiben.

Für das Robert Koch-Institut zählen beide Nachbarländer noch immer als Risikogebiete. Das bedeutet, dass nach der sächsischen Quarantäneverordnung ein Grenzübertritt nur aus „triftigem Grund“ erlaubt ist. Wer sich zur Freizeitgestaltung in Tschechien oder Polen aufhält, muss in häusliche Isolation.

Bund will europaweites Skiverbot

Noch gebe es zur Skisaison keine europäische Lösung. Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) appelliert deswegen an die Bürger, verantwortungsbewusst mit dem Thema umzugehen. „Ich kann es nicht empfehlen, jetzt in den Skiurlaub zu fahren.“

Die Bundesregierung will auf europäischer Ebene erreichen, dass bis zum 10. Januar Skitourismus nicht zugelassen wird. Der Vorschlag kam aus Italien, Österreich und die Schweiz sind dagegen. Auch die deutschen Wintersportverbände haben sich vehement gegen ein europaweites Skiverbot ausgesprochen. Ein Wintersportverbot wäre für die betroffenen Regionen katastrophal und zudem unverständlich, sagte Matthias Stauch, Vorstand des Verbandes Deutscher Seilbahnen. Der Wintersport sei nicht gleichzusetzen mit Party-Tourismus oder Après-Ski-Events und zudem ein unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor für den Tourismus.

Perspektive für die Winterferien?

„Neben den notwendigen aktuellen Regelungen braucht es verlässliche Perspektive für den Tourismus für die nächsten Monate“, sagt Andrea Kis vom Landestourismusverband Sachsen. „Alle wünschen sich mehr Planbarkeit und Perspektive und wollen mit guten Hygiene- und Sicherheitskonzepten an den Start gehen.“ Denn das Gastgewerbe braucht Vorlaufzeit, um sich auf Öffnungen vorzubereiten, durchschnittlich 14 Tage. Der Skibetrieb braucht länger. Kunstschnee wird nicht von heute auf morgen hergestellt, die Pisten müssen bei Frosttemperaturen präpariert werden.

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„Das Schlimmste wäre, wenn Mitte Dezember Lockerungen beschlossen werden und wir öffnen können, aber keinen Schnee haben“, sagte René Lötzsch, der Betreiber der Fichtelberg Schwebebahn, im MDR. Die Hoffnung auf Betrieb in den Winterferien im Februar ist noch nicht gestorben. (mit dpa)

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