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Ist schlimmste Zeit in Pflegeheimen vorbei?

Ob Infizierte, Tote, Besucherstopp: Die Einrichtungen aus Löbau-Zittau kämpfen seit einem Jahr mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Nun sind viele geimpft.

Ein Besucherstopp in Heimen bedeutet auch Einsamkeit.
Ein Besucherstopp in Heimen bedeutet auch Einsamkeit. © Frank Rumpenhorst/dpa

Vier Wochen hat die Quarantäne im Pflegestift Löbau-Nord gedauert. Nun kann sich das Heim zumindest wieder ein stückweit öffnen. Der absolute Besucherstopp ist vorerst vorbei. Nach Anmeldung und mit negativem Testnachweis sind Besuche möglich. Von dem Virus war der Pflegestift schwer betroffen. Im Heim auf der Georgewitzer Straße erkrankten ebenfalls Bewohner. Auch Tote gab es zu beklagen. In dieser Woche bekommen sie ihre zweite Impfung. Ist die schlimmste Zeit nun vorbei?

Nur eine Einrichtung unter Quarantäne

Derzeit steht kreisweit nur in einem Görlitzer Pflegeheim ein Wohnbereich unter Quarantäne, im Bereich Löbau-Zittau sind keine Einrichtungen betroffen, informiert Julia Bjar vom Landratsamt. Der Anteil der an oder mit Corona Verstorbenen aus den Pflegeheimen betrage etwa 25 bis 30 Prozent, so die Sprecherin. "Mit dem Abflauen der Infektionen in den Einrichtungen sinkt dieser Wert kontinuierlich." Aktuell sei die Lage in den Pflegeeinrichtungen entspannt. Der Kreis vertraut auf die Schutzwirkung der Impfungen. Doch aufgehoben sind noch nicht alle Besuchseinschränkungen. "Wir appellieren an die Angehörigen, noch etwas Geduld aufzubringen, bis es weitere Erleichterungen bei den Besuchen gibt", so Julia Bjar.

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Am Montag teilte das Sächsische Sozialministerium mit, dass nun in einem Projekt die Auswirkungen von Besuchsverboten und Kontaktbeschränkungen und wie diese sich auf die Psyche der Heimbewohner auswirkten, untersucht werden. Auch die Angehörigen und Mitarbeiter sollen zu Wort kommen. Weiterhin fließen die Bewertungen von Ärzten über Veränderungen der psychosozialen Gesundheit ein, heißt es. Löbauer Heime sind bei dem Projekt nicht eingebunden.

Eine belastende Situation

Festgelegte Besuchstermine nach telefonischer Anmeldung, der Nachweis eines negativen Coronatests, die Begrenzung auf einen Besucher pro Bewohner und weitere Festlegungen gelten in allen Einrichtungen. Die Situation bleibe belastend, schätzt ASB-Geschäftsführer Rainer Scholze ein. Zwar gibt es aktuell in den sieben Altenheimen des ASB Löbau keine Coronainfektionen. Bewohner, die aus anderen Gründen ins Krankenhaus mussten, seien jedoch da teils positiv auf das Virus getestet worden. "Wir nehmen die positiven Bewohner wieder auf, wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen werden", sagt Rainer Scholze. Die Wartelisten beim ASB sind ebenso wie beim Pflegestift Löbau-Nord ausgedünnt, die Gründe die gleichen. "In einigen Häusern haben wir freie Plätze", sagt der Geschäftsführer. In Kurzarbeit musste niemand von den Mitarbeitern geschickt werden. Personal falle jedoch immer wieder aus, da Mitarbeiter in Quarantäne geschickt werden.

Kreissprecherin Julia Bjar sagt, dass in allen Häusern die Belastung für das Personal noch immer hoch sei. Bis auf wenige Ausnahmen hatten alle Pflegeheime im Landkreis im Verlauf der ersten und zweiten Welle Corona-Ausbrüche in ihren Einrichtungen – teilweise mit vielen Infizierten bei Personal sowie Bewohnerschaft und schweren Verläufen mit Todesfällen. Mit dem vermehrten Einsatz der FFP2-Masken gingen die Infektionen unter dem Personal spürbar zurück. "Die vermehrten Tests haben dazu geführt, dass Infektionen schneller erkannt und die Ketten unterbrochen wurden", erklärt Julia Bjar.

Wartelisten sind kürzer

Noch vor einem halben Jahr hätte sich Doreen Stephan, Heimleiterin im Pflegestift Löbau-Nord, nicht vorstellen können, dass es freie Heimplätze gibt. Die Wartelisten für die Pflegeheime waren vor Coronazeiten lang, ein Heimplatz schwer zu finden. Die Liste hat sich geleert. Das hat verschiedene Gründe, die mit der Pandemie und deren Auswirkungen zu tun haben. Einerseits, so erklärt die Heimleiterin, seien Angehörige aufgrund von Betriebsschließungen in Kurzarbeit und hätten dadurch die zeitliche Möglichkeit, daheim zu pflegen. Andererseits verstarben Senioren zu Hause oder im Krankenhaus, die auf der Warteliste standen. "Man bekommt nun leichter einen Platz", sagt Doreen Stephan.

Der Besucherstopp in dieser Zeit bedeutete auch Einsamkeit. Um dem etwas entgegen zu setzen, schaffte die Einrichtung ein Tablet an, damit die Senioren ihre Angehörigen wenigstens auf dem Bildschirm sehen und hören können. Eine kleine Freude, um Kontakt mit der Familie und Freunden zu halten.

Bei der Pflegeresidenz Bernstadt gGmbH haben die letzten Monate Spuren hinterlassen. "So mussten wir täglich mit Einschränkungen für unsere Bewohner, immer wieder neuen Corona-Schutz-Verordnungen, personellem Ausfall und Verlust von lieb gewonnenen Bewohnern umgehen", sagt Heimleiterin Anja Hackenberger.

Aktuell ist das Haus in Bernstadt wieder voll belegt. Kurzzeitig gab es einige freie Kapazitäten. Die zweite Impfung gegen Corona ist durch. "Trotzdem haben wir natürlich die Verpflichtung weiterhin vorsichtig zu sein, da nicht alle Bewohner oder Mitarbeiter das Impfangebot angenommen haben", steht auf der Internetseite der Einrichtung.

Anja Hackenbergers Wunsch für die Zukunft: "Natürlich eine Normalisierung, dass wir den Alltag gemeinsam mit unseren Bewohnern gestalten können, ohne Maske für die Mitarbeiter, ohne Einschränkungen für Besucher, ein ganz normales Leben", sagt sie. Die so sehr herbeigesehnte Normalität wird Zeit brauchen. Noch längst ist nicht alles wieder so, wie vor Corona.

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