merken
PLUS Löbau

Ärger um Besuchszeit im Pflegestift

Bewohner im Oberland dürfen ihre Angehörigen viel seltener empfangen, als anderswo. Warum das so ist und womit die Heime zu kämpfen haben.

Das Pflegestift Oberland am Hofeweg in Ebersbach.
Das Pflegestift Oberland am Hofeweg in Ebersbach. © Matthias Weber

Zweimal pro Woche für eine Stunde - öfter dürfen Bewohner im Pflegestift Oberland derzeit keinen Besuch empfangen. Das ärgert Angehörige. Zumal es in anderen Heimen desselben Trägers "Dienste für Menschen" ganz andere Regelungen mit mehr und längeren Besuchszeiten gibt. Warum ist das so?

Anzeige
Qualitätsmöbel zum Abverkaufspreis
Qualitätsmöbel zum Abverkaufspreis

STARKE MÖBEL UND KÜCHEN macht Platz für neue Wohn-Kollektionen. Sparen Sie jetzt bis zu 58% beim Kauf Ihres Lieblingsstücks in TOP Qualität.

Im Grunde liegt es an der Größe der Einrichtung und den Corona-Bestimmungen, erklärt Heimleiter Stephan Kothe vom Pflegestift Oberland. Denn auch, wenn es in anderen Bereichen jetzt Lockerungen gibt - in den Pflegeheimen kann nicht jeder einfach hinein- und hinausgehen. Die Besucher müssen nach wie vor einen Coronatest machen, Kontakte müssen erfasst werden. Dazu ist eine Art Einlasskontrolle notwendig.

Aufwand höher als in anderen Heimen

Das Pflegeheim im Oberland hat immerhin 119 Bewohner und ist das größte von "Dienste für Menschen" in der Region. Der Träger mit Sitz in Baden-Württemberg unterhält hier in der Gegend außerdem Einrichtungen in Seifhennersdorf, in Ebersbach an der Bleichstraße, in Löbau und in Görlitz. Und umso mehr Bewohner, desto mehr Angehörige gibt es auch. Der Aufwand bei den Besuchskontrollen ist daher deutlich größer, als in einer kleineren Einrichtung.

"Pro Besuchstag haben wir 50 bis 60 Angehörige hier", berichtet Stephan Kothe. "Das ist eine ganze Menge." Dass die stark eingeschränkten Besuchszeiten hin und wieder für Unmut sorgen, ist ihm bekannt. Aber es geht nicht anders, erklärt der Chef vom Pflegestift Oberland, der auch für die anderen Einrichtungen von "Dienste für Menschen" als Regionalleiter zuständig ist. "Wir müssen die Vorgaben einhalten und haben die Verantwortung für unsere Bewohner." Ein Problem dabei: die Vorgaben für Pflegeeinrichtungen in der Coronaschutzverordnung seien sehr weit gefasst. Letztlich entscheide jedes Heim selbst, wie es die Regeln umsetzt. So müsse vieles individuell entschieden werden, je nach Größe und Struktur der Einrichtung. Gibt es genügend Platz, dass die Abstände eingehalten werden können, auch wenn viele Besucher da sind? Gibt es extra Räumlichkeiten für die Tests? Und ist genügend Personal da, um den Besuchseinlass abzusichern? Das alles sind Fragen, die immer individuell geklärt werden müssen.

"Prinzipiell wollen wir wieder mehr öffnen", versichert Stephan Kothe. "Das geht aber nur schrittweise." Als nächsten Schritt sollen die Besuchszeiten im Oberland-Heim jetzt erweitert werden. Darüber werden die Angehörigen der Bewohner schriftlich informiert.

Besucherausweis soll Erleichterung bringen

Demnächst will das Pflegestift im Oberland auch eine Neuerung einführen: Wer einen vollständigen Impfschutz nachweisen kann, erhält einen Besucherausweis. Damit entfällt für diese Besucher die Testpflicht. Mit dem Vorzeigen des Ausweises wissen die Mitarbeiter am Einlass sozusagen: alles okay. Nicht mehr testen lassen brauchen sich auch Genesene, die das nachweisen können. Dafür stellt das Gesundheitsamt des Landkreises jetzt entsprechende Nachweise aus. Damit gehen die Abläufe am Einlass auch schneller, sagt Stephan Kothe. Denn nach wie vor müssen Mitarbeiter des Heimes zu jeder Besuchszeit den Einlass absichern. Sie empfangen die Besucher, diese müssen sich einem Corona-Test unterziehen, den die Heimmitarbeiter durchführen, Kontaktdaten müssen aufgenommen werden. Das alles ist ein ungeheurer Aufwand, für den es keine zusätzlichen Arbeitskräfte gibt.

Weiterführende Artikel

So teuer ist die Pflege im Heim in Sachsen

So teuer ist die Pflege im Heim in Sachsen

In Sachsen zahlen Pflegebedürftige jedes Jahr mehr selbst. Entlastungen soll es frühestens im nächsten Jahr geben.

Stephan Kothe ist sich bewusst, dass die Situation für viele Angehörige eine Belastung ist. Aber: "Der Schutz von Bewohnern und Mitarbeitern und weitere Öffnungen, das ist ein Spagat, den wir jeden Tag schaffen müssen." Er sei dankbar, dass die Mitarbeiter so mitziehen. "Immerhin geht das jetzt schon weit über ein Jahr. Seit März 2020 haben wir die Einschränkungen und immer wieder Vorgaben, die wir als Heim einhalten müssen." Natürlich gebe es da immer wieder auch Beschwerden. Der allergrößte Teil der Angehörigen aber, sagt Kothe, habe Verständnis und trage die Maßnahmen mit.

Mehr zum Thema Löbau