merken
PLUS Pirna

Landkreis SOE: Impfzentrum schließt

Der Bedarf in Pirna ist nicht mehr vorhanden. Dabei liegt die Corona-Impfquote im Landkreis erst bei 50 Prozent.

Leiter Christian Thie sperrt die Türen des Impfzentrums in Pirna zu. Das Ende einer Ära, wie es zu Abschied hieß.
Leiter Christian Thie sperrt die Türen des Impfzentrums in Pirna zu. Das Ende einer Ära, wie es zu Abschied hieß. © Daniel Schäfer

Für Kurzentschlossene ist noch bis 17.30 Uhr am Donnerstag, 30. September, die Chance, sich spontan im Impfzentrum Pirna an der Radeberger Straße gegen den Coronavirus impfen zu lassen. Danach sperrt der Leiter, Christian Thie vom DRK, die Türen endgültig zu. Der Freistaat Sachsen schließt planmäßig sämtliche 13 Impfzentren. Die Nachfrage hatte zuletzt stark nachgelassen.

"Die Zentren sind nicht mehr ausgelastet", sagte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) bei einem Besuch in Pirna. Weil mit Steuermitteln sorgsam umgegangen werden muss, ist die Schließung unumgänglich. Stellvertretend für alle Impfzentren in Sachsen bedankte sich Köpping bei den Beschäftigten in Pirna und brachte persönlich einen großen Obstkorb, für jeden eine CD mit Musik sächsischer Künstler und einen Kugelschreiber in Form einer Spritze vorbei.

Anzeige
Hilfskonvoi dank VARO auf großer Fahrt
Hilfskonvoi dank VARO auf großer Fahrt

Mit einer Benzinspende unterstützen die Meißener Brennstoffprofis einen Verein, der Kindern in Litauen hilft.

Mit dieser symbolischen Geste wollte sie noch mal auf das große Engagement aller Beteiligten aufmerksam machen. Köpping appelliert, dass sich noch mehr Menschen impfen lassen. Die Quote im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge von 50 Prozent sei noch viel zu niedrig.

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (M.) spricht im Impfzentrum Pirna ihren Dank stellvertretend für alle Impfzentren und deren Beschäftigte aus.
Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (M.) spricht im Impfzentrum Pirna ihren Dank stellvertretend für alle Impfzentren und deren Beschäftigte aus. © Daniel Schäfer

Viel Dankbarkeit der Älteren

Mehr als 4.000 Ärzte und sonstiges medizinisches Personal waren seit Eröffnung der Impfzentren Anfang 2021 in ganz Sachsen vertraglich gebunden worden. Weitere 1.000 Beschäftigte stellten DRK, Diakonie oder Johanniter ein, die den logistischen Teil erledigten, 40 davon im Impfzentrum Pirna.

Einer von ihnen ist Thomas Kurth-Loth aus Grumbach. Der 65-Jährige meldete sich gleich zu Anfang der Impfkampagne. "Ich wollte noch was tun und bei dieser Herausforderung unbedingt helfen", sagte er am Rande des Besuchs der Ministerin. "Das war eine tolle Truppe, die hier in Pirna gearbeitet hat. Dafür gilt allen ein großer Dank", sagt er.

Bis zu seinem Rentenbeginn war er Angestellter bei einer Krankenkasse. Statt Ruhestand hatte er wieder einen Vollzeitjob, als die Nachfrage abebbte war es nur noch Teilzeit. Täglich pendelte er dafür von Grumbach nach Pirna. "Wir haben hier so viel Dankbarkeit gerade von den Älteren erlebt, da macht man das gern", sagt er. Seine Aufgabe war unter anderem, die Impflinge in Empfang zu nehmen, bei den Formalitäten zu helfen bis zur Übergabe ans medizinische Personal.

Nicht ein einziges Mal habe es in seiner Schicht Krawall gegeben. "Wir hatten gute Diskussionen mit den Bürgern, die am Ende alle zufrieden gegangen sind." Selbst in den wenigen Fällen, wo jemand trotz eingehender Beratung sich ungeimpft verabschiedet hat. "Das ist ja völlig freiwillig. Niemand wurde gezwungen, hierher zu kommen", sagt er. Nach Schließung des Impfzentrums will er sich jetzt ehrenamtlich engagieren, etwa in Grumbach bei der Organisation einer Weihnachtsfeier für Senioren.

Thomas Kurth-Loth aus Grumbach bei Wilsdruff war einer der rund 40 Helfer, die das DRK für das Impfzentrum in Pirna aktiviert hat. Für den Rentner war sein Engagement Ehrensache.
Thomas Kurth-Loth aus Grumbach bei Wilsdruff war einer der rund 40 Helfer, die das DRK für das Impfzentrum in Pirna aktiviert hat. Für den Rentner war sein Engagement Ehrensache. © Daniel Schäfer

Einzigartige Arbeitsatmosphäre

Mit Stand vom 27. September wurden im Impfzentrum Pirna 100.701 Impfungen verabreicht. Hinzu kommen 31.649 Impfungen, die über die mobilen Teams der Johanniter oder des Arbeitersamariterbundes im Landkreis abgewickelt wurden.

Einer, der von Anfang an dabei war, ist Dr. Andreas Preusche. Eigentlich praktiziert er in Schmiedeberg, aber ihm war klar, dass bei dieser großen Aufgabe an massenhaften Impfungen, besondere Maßnahmen erforderlich waren und stellte sich als Impfarzt zur Verfügung. "Hier kannte am Anfang ja kaum einer den anderen. Aber wie motiviert und kameradschaftlich hier gearbeitet wurde, das war schon einzigartig", sagt er.

Dienstags und mittwochs war er im Impfzentrum im Einsatz. Inzwischen hat er mehr als 800 Arbeitsstunden dort verbracht. "Bei der Erstimpfung waren viele noch recht angespannt. Als man sich zur zweiten Impfung wiedergesehen hat, wurden wir schon angelächelt, alle waren viel gelöster", sagt er. Mehrfach hatte er Impflinge vor sich, die vor Freude sogar geweint hatten. Preusche wird auch weiter in der Praxis in Schmiedeberg impfen, wie viele andere Haus-, Kinder- oder Facharztpraxen.

Rückkehr in den alten Job

Auch beim Leiter des Impfzentrums, Christian Thie vom DRK, hatten sich immer wieder Menschen bedankt. Zu Feiertagen brachten einige Blumensträuße mit. "Die Älteren brachten auch mal Pralinen fürs Team mit oder einer einen Korb voll Obst", sagt Thie. Auf das Impfzentrum in Eich im Vogtland gab es einen Brandanschlag. Von so etwas blieben die Pirnaer verschont. Ein einziger Vorfall wurde zur Anzeige gebracht, als jemand derart beleidigend wurde, dass es nicht mehr hinnehmbar war.

Das war in den fast neun Monaten des Betriebs der einzige nennenswerte Vorfall. Wenn man von einem Problem mit den Sanitäranlagen absieht. "Da hat das Technische Hilfswerk sofort geholfen", sagt Thie dankbar. Ohne den schnellen Einsatz hätte der Weiterbetrieb infrage gestanden. Das THW stand von der Objekterkundung an dem DRK zur Seite.

Weiterführende Artikel

Corona: Inzidenz in SOE steigt weiter

Corona: Inzidenz in SOE steigt weiter

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gibt es derzeit über 1.300 Corona-Infizierte. Die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt aktuell 286,4. Unser Newsblog.

Mehr als 50 Straftaten mit Bezug zu Impfzentren

Mehr als 50 Straftaten mit Bezug zu Impfzentren

Die Arbeit in Sachsens Impfzentren ist nicht einfach. Die Polizei registriert Bedrohungen, Hausfriedensbruch - und jetzt sogar einen Brandanschlag.

Besonders berührt waren die Beschäftigten des Impfzentrums von einem 90-Jährigen. Der hat aus Dankbarkeit für die Impfung und das überaus freundliche Personal ein Gedicht geschrieben. "Das haben wir bei uns im Aufenthaltsraum aufgehängt. Das hat uns alle sehr berührt", sagt Thie. Dieses Blatt Papier wird wohl ganz zum Schluss abgenommen werden. Bis 15. Oktober ist noch der Abbau des Impfzentrums geplant. Dann geht Thie erst mal in den Urlaub und wieder in seinen alten Job zurück - im Rettungsdienst in Pirna.

Impfungen im Impfzentrum Pirna

Biontec/Pfizer: 35.798 Erstimpfungen, 38.154 Zweitimpfungen, 135 Auffrischungsimpfungen;

Moderna: 6.139 Erstimpfungen, 7.339 Zweitimpfungen, 27 Auffrischungsimpfungen;

AstraZeneca: 8.235 Erstimpfungen, 4.822 Zweitimpfungen;

Johnson & Johnson: 622 Impfungen;

Seit 12. Januar 2021 wurde im Impfzentrum Pirna geimpft. Dazu wurde ein ehemaliger Aldi-Markt umgerüstet. Die Einrichtung war von Anfang an befristet geplant und zuletzt bis 30. September verlängert.

Anfangs wurde nur mit Termin geimpft. Zuletzt war das auch ohne Termin möglich. In der Hochphase hat das Impfzentrum bis zu 1.000-mal am Tag geimpft.

1 / 3

Mehr zum Thema Pirna