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Corona: Plötzlich alle Intensivbetten belegt

In die Krankenhäuser in Pirna und Freital konnten am Montag keine schweren Fälle mehr eingeliefert werden. Drei Gründe, weshalb Kliniken an Grenzen stoßen.

Bereiten sich auf ihren Einsatz bei Covid-19-Patienten auf der Intensivstation im Krankenhaus Freital vor: Schwester Anett und Schwester Sylke.
Bereiten sich auf ihren Einsatz bei Covid-19-Patienten auf der Intensivstation im Krankenhaus Freital vor: Schwester Anett und Schwester Sylke. © Egbert Kamprath

Nun musste die Ampel also auf Rot geschaltet werden. Die Helios-Klinik in Pirna und die Weißeritztalkliniken in Freital meldeten am Montag, 7. Dezember, der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), dass sie keine schweren Intensivpatienten mehr aufnehmen konnten. Notfallpatienten müssen von der Leitstelle in andere Kliniken gelenkt werden.

Das ist zwar nur eine Momentaufnahme und könnte sich schon im Laufes des Tages wieder ändern, was aber nur auf den ersten Blick eine positive Nachricht ist. Denn oft werden Intensivbetten dadurch frei, dass ein Corona-Patient stirbt. 132 Corona-Tote gibt es mittlerweile im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Allein am Sonntag kamen 20 hinzu.

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Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 20. Januar 2021, in virtuellen Räumen statt.

Trotz des Engpasses betont die Klinikleitung in Pirna: "Mit unserem Kliniknetzwerk und den engagierten Mitarbeitern in der Region sind und bleiben wir in der Lage, die Patientenversorgung zu gewährleisten."

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind inzwischen 54 Prozent aller Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt. Von den 97 schwer Erkrankten müssen 42 invasiv beatmet werden. Die Zahl steigt trotz Lockdowns seit Tagen stetig an. Das war in dieser Masse für eine einzige Krankheit zuvor noch nicht bekannt. Für die Krankenhäuser ist das seit nunmehr zwei Wochen eine enorme Belastung. Das hat auch Auswirkungen auf alle anderen Kranken und Verletzten, die dringend stationäre Behandlung bedürfen.

Die statistischen Zahlen geben dabei die sich zuspitzende Situation nicht auf den ersten Blick wider. So wurden im November des vorigen Jahres in der Helios-Klinik Pirna täglich mehr als 300 Patienten stationär behandelt. Aktuell sind es etwa 230.

An den Weißeritztalkliniken in Freital und Dippoldiswalde sieht es ähnlich aus. Dort waren unter der Woche im November 2019 mehr als 250 Patienten in stationärer Behandlung, an den Wochenenden weniger. Jetzt liegt die Zahl bei gut 200, allerdings über die gesamte Woche stabil.

Obwohl planbare Operationen von Patienten immer häufiger verschoben werden, haben erste Kliniken die Kapazitätsgrenze erreicht. Drei Gründe für die aktuelle Lage.

Grund 1: Mehr Aufwand mit Corona-Patienten

Covid-19-Patienten binden mehr Personal als Normalpatienten. Das gilt nicht nur für Intensivpatienten, sondern auch für nicht intensivpflichtige Patienten auf den Isolierstationen. In Freital lagen dort am Montag 46 Covid-19-Patienten in Pirna waren es zum Zeitpunkt der Meldung 53.

Neben dem Pflegeaufwand sind es vor allem Schutzmaßnahmen, die viel Zeit kosten. "Eine Isolierstation benötigt rund das doppelte an Personal", teilt Heike Klameth, Sprecherin der Weißeritztalkliniken mit. Um dieses zusätzliche Personal vorhalten zu können, werden Bereiche zusammengelegt und "geplante Eingriffe und Aufnahmen neu bewertet". Im Krisenstab werde täglich eingeschätzt, wie viele Infektions- und Intensivbetten vorgehalten werden.

Eine besondere Gefahr ist Covid 19, weil es eine rasante Verschlechterung des Zustands der Patienten geben kann. "Das ist auch ein Unterschied zur Influenza-Grippe", erklären die Helios-Kliniken. Deshalb müssen öfter Vitalparameter und Laborwerte kontrolliert werden.

Grund 2: Sicherheit braucht mehr Platz

Weniger Betten sind auch deshalb in den Kliniken belegt, weil bei Aufnahmen erst mal alle Patienten getestet werden. Bis der negative Test vorliegt, bleiben Patienten zur Sicherheit in Einzelzimmern allein, weitere Betten im Zimmer unbelegt.

Die Helios Kliniken haben bereits seit Frühjahr ein Sicherheitskonzept, welches Erkrankte und Mitarbeiter vor Corona schützen soll. Unter anderem besteht eine Tragepflicht von FFP2-Masken. In Mehrbettzimmern ist ein neuer Mindestabstand der Patienten einzuhalten.

Dennoch sagen auch Patienten von sich aus geplante Operationen ab, welche verschiebbar sind. Als Grund wird der Klinik meist die Angst vor Ansteckung mit dem Corona-Virus genannt. Das ist aber der falsche Weg, erklärt der Ärztliche Direktor der Klinik in Pirna, Professor Steffen Schön. Nur die Ärzte sollten entscheiden, welche Behandlungen aufgeschoben werden können.

Insbesondere nennt er Brustschmerzen, Luftnot oder Ohnmachtsattacken, bei denen man sich auf jeden Fall Ärzten vorstellen sollte. "Um die Versorgung aller Patienten zu gewährleisten, werden aktuell Bereiche zusammengelegt", teilen die Helios-Kliniken mit.

Grund 3: Personal wird immer knapper

Der Mehrbedarf an Personal wurde bisher durch Umverteilung, Aufstockung und Flexibilität kompensiert. In allen Bereichen kommen die Kliniken aber an ihre Grenzen.

Die aufwendige Betreuung der Covid-Patienten übernehmen vermehrt Pflegekräfte, die sonst auf den Normalstationen eingesetzt würden. Der Sommer wurde zwar dafür genutzt, die Beschäftigten weiterzubilden. Dennoch sind sie noch nicht so versiert wie erfahrene Pflegekräfte von Isolierstationen. Zusätzliche Einstellungen finden auch deshalb kaum noch statt, weil kein Personal mehr zu finden ist.

Im Frühjahr war die Zahl der Beatmungsgeräte eine entscheidende Größe. Jetzt ist fehlendes Fachpersonal der Grund, dass nicht noch mehr Betten belegt werden können, heißt es von den Kliniken.

Inzwischen erhöht sich auch die Zahl der krankheitsbedingten Ausfälle von Personal. Das hat auch mit der aktuellen Dauerbelastung zu tun. Zudem befinden sich Beschäftigte in Quarantäne oder sind selbst positiv getestet. Selbst wenn sie wollten und nur leichte Beschwerden haben, dürfen sie nicht weiterarbeiten.

In anderen Regionen wurde das schon vom Gesundheitsamt genehmigt. Es fehlt aber eine einheitliche Regelung. Jedes Gesundheitsamt kann das nur für Bewohner des eigenen Landkreises festlegen. Die Beschäftigten der Pirnaer Klinik kommen jedoch aus verschiedenen Städten und Kreisen.

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