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Corona: Polizei kontrolliert Maskenpflicht

In der Pirnaer Fußgängerzone überprüfen Beamte, ob alle einen Mund-Nase-Schutz tragen - ohne Bußgeld und mit einer besonderen Strategie.

Polizeiobermeister Sebastian Kreß (2.v.r.) und Kollegin bei der Masken-Kontrolle in Pirna: Reden, Vertrauen schaffen, Hinweise geben.
Polizeiobermeister Sebastian Kreß (2.v.r.) und Kollegin bei der Masken-Kontrolle in Pirna: Reden, Vertrauen schaffen, Hinweise geben. © Norbert Millauer

Der junge Mann schaut kurz erschrocken auf, als die Staatsmacht plötzlich vor ihm steht: drei Polizisten und ein Mann von der Ordnungsbehörde des Landkreises. Der junge Mann nestelt in der Pirnaer Schuhgasse gerade an seinem Fahrrad herum, es hat eine Acht im Hinterrad, der Drahtesel läuft nicht mehr ganz rund, er muss das Rad wohl schieben.

"Sie wissen, dass Sie hier eine Maske tragen müssen?", fragt Sebastian Kreß. Der junge Mann stutzt, dann schüttelt er den Kopf. Kreß belehrt ihn, dass er einen Mund-Nase-Schutz anlegen müsse, wenn er sein Rad nur schiebt. Bereitwillig bedeckt der junge Mann seine untere Gesichtshälfte, dann zieht er von dannen.

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Sebastian Kreß, Polizeiobermeister, ist eigentlich Bereitschaftspolizist in Dresden, doch für einen Tag unterstützen er und seine Kollegin die Beamten in Pirna. Die Aufgabe ist recht speziell. Seit Montag gilt die neue sächsische Corona-Schutz-Verordnung, mit ihr geht beispielsweise auch eine Maskenpflicht an Bahnhöfen, Haltestellen, auf Spielplätzen und in Fußgängerzonen einher.

Kontrollschwerpunkt: potenzielle Infektionsherde

Angesicht dessen hat das Polizeirevier Pirna am Donnerstag eine konzertierte Aktion gestartet. "Wir sehen das als unsere Aufgabe an, zu kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden", sagt der Pirnaer Revierleiter Candy Sommer. Es sei auch im Interesse der Polizei, Infektionsketten zu verhindern oder zu durchbrechen. "Wir wollen ja nicht auf Dauer diese hohen Infektionszahlen haben", sagt Sommer.

So ist in Woche eins nach der neuen Verordnung quasi zum Auftakt diese Großkontrolle geplant, auch um zu zeigen, wie wichtig der Polizei diese Aufgabe ist. Die Beamten schauen, dass sich keine größeren Gruppen bilden, prüfen, ob Geschäfte, die geschlossen sein müssen, auch tatsächlich zu sind, und gehen an Orte, die möglicherweise potenzielle Infektionsherde sein könnten: Bahnhof, Busbahnhof, Spielplätze, die Pirnaer Fußgängerzone.

Kreß spricht auf der Dohnaischen Straße eine junge Frau an, die keine Maske trägt. "Ich achte schon auf ausreichend Abstand", sagt sie genervt, setzt sich aber dann doch einen Schutz auf, bevor sie weitergeht.

Staatlicher Eingriff in einen sensiblen Bereich

Die Polizei weiß, dass sie mit den Kontrollen in einen sensiblen Bereich vordringt. "Zwar erwarten viele", sagt Sommer, "dass die Regeln kontrolliert werden." Ein Großteil der Menschen sei aber wegen der ständig neuen Bestimmungen ohnehin schon genervt, also gelte es auch, eine größere Polizeipräsenz zu vermeiden.

Zudem ist die Rechtslage schwierig, Bereiche, in denen die Regeln gelten, sind oft nicht eindeutig definiert. Bei Bahnhöfen und Spielplätzen lasse sich das Areal noch einigermaßen einordnen, aber der Begriff Fußgängerzone sei sehr schwammig. Die Stadt Pirna, obwohl für die Maskenpflicht nicht zuständig, hat zumindest an den Eingängen zur Fußgängerzone Schilder aufgestellt, damit der Maskenpflicht-Bereich zu erkennen ist.

Mit Menschen ohne Maske reden statt bestrafen

Vor diesem Hintergrund setzt die Polizei bei den Kontrollen auf eine besondere Strategie: reden, Vertrauen schaffen, hinweisen, belehren, um Einsicht werben. Lediglich jene, die sich allzu renitent zeigen, müssen mit einer Anzeige rechnen. Maskenverweigerern droht in Sachsen ein Bußgeld von 60 Euro.

Polizisten lernen schon in der Ausbildung situationsbedingt zu kommunizieren, Kreß beherrscht das aus dem Effeff, gleich ist sein Talent gefragt. Vor dem "Le Café" diskutiert ein Mann mit ihm, der keine Maske trägt. Der Mann sieht überhaupt nicht ein, warum er in der momentan ziemlich entvölkerten Innenstadt Mund und Nase verhüllen muss. Kreß belehrt ihn bestimmt aber freundlich über die neuen Regeln, höflich bittet der Polizeiobermeister den Mann, eine Maske aufzusetzen, was er dann auch macht.

Dann zieht die Kontrollgruppe weiter, am Donnerstag sind insgesamt sechs Teams unterwegs, vier in Pirna, zwei in Heidenau. Sie sind besetzt mit Polizisten der ortsansässigen Reviere, unterstützt von der Bereitschaftspolizei, dem Landratsamt und den städtischen Ordnungsämtern.

Großkontrolle in Pirna und Heidenau bleibt Ausnahme

Diese Großkontrolle ist aber eher eine Ausnahme. "Auf Dauer halten wir das nicht durch, diesen Aufwand können wir personell nicht leisten", sagt Sommer. Denn die Corona-Kontrollen kommen zum normalen Polizeialltag hinzu, der ohnehin schon mit ausreichend Arbeit angefüllt ist. 

Gleichwohl versuchen die Beamten, auch während des normalen Streifendienstes an neuralgischen Punkten zu schauen, ob dort die Regeln befolgt werden. Auch unterstützen die Polizisten beispielsweise Busfahrer und Ladeninhaber, falls sich Fahrgäste oder Kunden weigern, eine Maske zu tragen. "Das tun wir aber nur, wenn wir angefordert werden", sagt Sommer. 

Von selbst geht die Polizei nicht in die Geschäfte und schaut, ob alle eine Maske tragen. Auch Kontrollen im privaten Bereich, beispielsweise bei Familienfeiern, sind nach Aussage des Revierleiters weitgehend tabu.

Polizeihauptkommissar Andreas Hutzel auf der Jacobäerstraße: Die meisten Kontrollierten zeigen sich einsichtig.
Polizeihauptkommissar Andreas Hutzel auf der Jacobäerstraße: Die meisten Kontrollierten zeigen sich einsichtig. © Norbert Millauer

Ein renitenter Passant rennt in Pirna davon

Plötzlich stürzt auf der Jacobäerstraße ein Mann ohne Schutz an Polizeihauptkommissar Andreas Hutzel vorbei. "Sie müssen hier eine Maske tragen", ruft Hutzel. Er habe keine dabei, erklärt der Mann, außerdem seien es doch nur ein paar Schritte bis zu seiner Wohnung. "Ohne Maske dürfen Sie hier nicht durch", sagt Hutzel bestimmt. Doch ehe er zu Ende gesprochen hat, rennt der Mann davon, und macht dabei noch eine verächtliche Handbewegung. Hutzel zuckt mit dem Schultern.

Doch der Mann bleibt an diesem Tag die Ausnahme. Generell, sagt Hutzel, hätten sich die Kontrollierten sehr einsichtig gezeigt. Am Busbahnhof hatten die Beamten 14 Verstöße gegen die Maskenpflicht registriert. Nachdem sie belehrt wurden, setzten alle ihren Schutz auf, nur einer musste rhetorisch etwas schärfer verwarnt werden. 

"Die Rückmeldungen, die wir bekommen, sind sehr unterschiedlich, aber überwiegend freundlich", sagt Kreß. Viele wüssten über die neue Maskenpflicht nicht Bescheid und seien dankbar für Hinweise. Bußgelder verhängen die Kontrolleure am Donnerstag nicht.

Passt das Attest zur Befreiung von der Maskenpflicht?

Zum Schluss trifft die Streife auf der Dohnaischen Straße noch auf ein Pärchen mittleren Alters, die Frau trägt keine Maske. Aus ihrer Handtasche zieht sie ein Attest, das sie von dieser Pflicht befreit. Kreß überprüft anhand ihres Personalausweises, ob das Attest auch wirklich zu ihr gehört. Danach darf das Paar weiter, sie ohne Maske. "Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag", sagt Kreß, "und bleiben Sie gesund."

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