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Corona-Prämie für Dresdner Bestatter

Für die Mitarbeiter des Dresdner Friedhofs- und Bestattungswesens bedeutet Corona arbeiten bis an die Leistungsgrenze. Jetzt sollen sie eine Entschädigung erhalten.

In der Kühlkammer des Krematoriums Dresden stapelten sich zeitweise Särge mit Corona-Toten.
In der Kühlkammer des Krematoriums Dresden stapelten sich zeitweise Särge mit Corona-Toten. © Tino Plunert (Archiv)

Dresden. Die vielen Corona-Toten haben die rund 70 Beschäftigten des städtischen Friedhofs- und Bestattungswesen vor ungeahnte Herausforderungen gestellt.

Insbesondere in der zweiten Corona-Welle - ab November 2020 - konnten sie ihre Aufgaben kaum noch bewältigen. Die Verdopplung der Anzahl der Verstorbenen im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten führte dazu, dass Sonderschichten eingelegt werden mussten. Dafür sollen die nun eine Prämie als Anerkennung erhalten.

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Engpässe bei den Lagermöglichkeiten gab es in allen sächsischen Krematorien. Insbesondere zum Jahreswechsel wurde die Situation dramatisch. In Dresden brachte sie den städtischen Eigenbetrieb der Bestatter laut Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) "an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit und führte zu einem erheblichen Anfall von Mehrarbeit". Das betreffe sowohl die Bereiche Krematorium und Bestattungswesen als auch Friedhöfe.

Jähnigen rechnet vor, dass in der zweiten Novemberwoche den statistischen Berechnungen zufolge die Übersterblichkeit in Sachsen bei 27 Prozent lag, in ganz Deutschland dagegen bei 8 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahre. Die Übersterblichkeit stieg Mitte Dezember sogar auf 88 Prozent in Sachsen und deutschlandweit auf 23 Prozent.

Doppelt so viele Tote

Im Krematorium Tolkewitz wurden zeitweise jeden Tag doppelt so viele Tote angeliefert als sonst zu dieser Jahreszeit. Nach Tolkewitz kommen aber nicht nur die Dresdner Verstorbenen, sondern auch die aus den Landkreisen Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, Bautzen - weil es dort keine Krematorien gibt - und aus Teilen von Meißen.

Da aber nicht alle Särge vor der Verbrennung in Dresden gelagert werden konnten, wurden einige in andere Krematorien wie Meißen, Halle, Altenburg, Döbeln und Leipzig überführt und eingeäschert. "Der logistische Aufwand hierfür war enorm", erklärt Jähnigen.

Ab Mitte Dezember waren dann aber auch die anderen sächsischen Krematorien überlastet. "Ab diesem Zeitpunkt wurden die Verstorbenen nur noch in die Krematorien nach Altenburg und Diepholz überführt und eingeäschert", so Jähnigen. "Aus Kostengründen geschah das hauptsächlich in Eigenregie und mit eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Betriebes."

Zumal in Dresden auch die Kühlhallen nicht mehr ausreichten und Ausweichstandorte wie die ungenutzte Feierhalle auf dem Nordfriedhof oder eine Lagerhalle in Dresden-Reick gesucht wurden. Dafür musste aber eine Logistik zwischen Krematorium und den Lagerstätten aufgebaut werden. "Dazu war umfangreiche, umschichtige Mehrarbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Eigenbetrieb auch an Wochenenden und Feiertagen notwendig", erläutert die Bürgermeisterin.

Kühllager haben nicht mehr gereicht

Auch im Städtischen Bestattungsdienst sei die Lage "extrem angespannt" gewesen. Denn die mehr als doppelt so viele Tote mussten abgeholt, versorgt und jeweils als Sterbefall gemeldet werden. Die Bestatter haben dafür im Dezember 2020 und im Januar 2021 ihren Schichtdienstes umgestellt, für die Fachberater wurden Doppelschichten eingeführt.

Dazu kam, dass aufgrund der hohen Übersterblichkeit die Kühlkapazitäten in den Krankenhäusern, mit denen die Bestatter generell zur Auslagerung von Verstorbenen Verträge haben, bei Weitem nicht mehr ausreichten. "Der Städtische Bestattungsdienst nahm trotz der eigenen außerordentlichen Belastungen aufgrund der hohen Sterbefälle insbesondere in der Zeit von November 2020 bis Januar 2021 extrem viele Auslagerungen von Verstorbenen aus Krankenhäusern vor, damit diese handlungsfähig blieben", erklärt Jähnigen. Im Dezember 2020 gab es 177 und im Januar 2021 weitere 140 Auslagerungen - im Januar 2020 waren es "nur" 46. Dazu gab es besondere Schutzvorschriften zur Abholung, die zusätzliche Zeit kosteten. Aber dadurch seien die Kliniken entlastet worden.

Vom Friedhofswesen wurde Personal zum Krematorium abgestellt und parallel musste ein deutlich höherer Arbeitsanfall aufgrund der gestiegenen Fallzahlen bewältigt werden. Das hängt auch mit den ständig wechselnden Regelungen der Corona-Schutzverordnung des Landes zusammen, wie viele Personen bei Trauerfeiern anwesend sein dürfen und so weiter. Die Desinfektion der Räume war zudem sehr aufwendig. Bis zum 31. Dezember 2020 fielen allein auf dem Urnenhain Tolkewitz über 400 Stunden für die Desinfektionsmaßnahmen an.

Prämie niedriger als bei anderen Beschäftigten

Aber auch in der Verwaltung des Eigenbetriebes gab es mehr zu tun. "Aufgrund der Verdopplung der Sterbefälle Ende 2020 und Anfang 2021, der Umstellung der Mehrwertsteuer ab 1. Juli 2020 von 19 Prozent auf 16 Prozent und zum 1. Januar 2020 auf wiederum 19 Prozent sowie durch die Überführungen und Einäscherungen von Verstorbenen durch Fremddienstleister in anderen Krematorien, war der Rechnungsanfall ohne fremde Unterstützung nicht mehr zu bewältigen", so die Bürgermeisterin. Die Anzahl der Rechnungen verdreifachte sich, dazu gab es mehr "schwierige Gespräche" mit den Hinterbliebenen.

Deshalb sollen die 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun eine einmalige Prämie von 750 Euro erhalten, die laut Bundes-Vorgaben als Corona-Prämie steuerfrei ist. "Diese Prämie liegt niedriger als die den Beschäftigten im Gesundheitswesen bundesweit wegen der Pandemie gewährten Prämie von 1.000 bis 1.500 Euro", macht Jähnigen deutlich.

Da die Eigenbetriebe nicht zur Kernverwaltung der Stadt gehören, erhalten die Mitarbeiter nicht die 2020 ausgehandelte automatische Corona-Prämie der Stadt. Der Prämie für die Bestatter muss der Stadtrat zustimmen. Die Zeit drängt, weil sie bis Ende Juni gezahlt werden muss, damit keine Steuern und Arbeitgeberanteile anfallen. Die Summe soll aus dem Haushalt des Eigenbetriebes gezahlt werden. Denn der hat wegen der hohen Sterbezahlen eine Überschuss erwirtschaftet. Ein Plus von 342.000 Euro im Jahr 2020, geplant war ein Defizit von rund 50.000 Euro. Davon sollen auch alle im Bestattungswesen eingesetzten eine prozentuale Prämie erhalten, die die Stadtverwaltung dorthin abgestellt hat. Dabei geht es aber insgesamt nur um 2.000 Euro, bei den festen Mitarbeitern des Eigenbetriebes sind es gut 50.000 Euro.

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