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Stöcker-Stoff: Bekannter Zittauer outet sich

Seine Ärztin hat dem Mann das nicht zugelassene Antigen verabreicht. Der Mann ist ein geachteter Akademiker.

Professor Winfried Stöcker steht wegen seines Antigens auch im Fokus der Justiz.
Professor Winfried Stöcker steht wegen seines Antigens auch im Fokus der Justiz. © Stern TV

Weil Professor Winfried Stöcker sein nicht zugelassenes Antigen als "Corona-Impfung" sich selbst und zahlreichen Menschen verabreicht hat, ist er in den Fokus der Strafjustiz geraten. Dieser Tage bekannte sich auch eine Ärztin aus dem Südkreis dazu, diesen Stoff jedem ihrer Patienten, der diesen haben wolle, zu geben. Impf-Experten sind alarmiert. Nun erklärt ein erster Patient öffentlich, dass er sich den Stöcker-Stoff hat injizieren lassen. In einem Leserbrief an SZ äußert der Mann seinen Ärger darüber, dass "Ärztinnen und Ärzte nun für ihr Handeln (...) noch kriminalisiert werden".

Der Autor des Briefes ist ein in Zittau seit etlichen Jahren bekannter und anerkannter Akademiker. "Ich fühle mich jetzt gut geschützt", sagt Bernd Ebert, promovierter Pädagoge und bis September 2020 fünf Jahre lang Schulleiter des Zittauer Christian-Weise-Gymnasiums. 40 Jahre lang sei er im Schuldienst gewesen, darunter 20 Jahre als Leiter von Gymnasien, wie Ebert in seinem Leserbrief betont. "Besonders in meinem Berufsleben (...) habe ich selbst erlebt, wie frustrierend es ist, wenn die inhaltliche Arbeit und das diesbezügliche Engagement sowie die Eigenverantwortung als Leiter durch politische Entscheidungen eingeschränkt werden", schreibt er. Genau dieses nötige Engagement sieht er bei Medizinern, die nun den Stöcker-Stoff verabreichen. "Sie haben etwas geleistet weit über ihre beruflichen Pflichten hinaus und sind aller Ehren wert", sagt Ebert.

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Bernd Ebert, hier im Gespräch mit Schülern, war bis September 2020 fünf Jahre lang Schulleiter des Christian-Weise-Gymnasiums in Zittau.
Bernd Ebert, hier im Gespräch mit Schülern, war bis September 2020 fünf Jahre lang Schulleiter des Christian-Weise-Gymnasiums in Zittau. © Matthias Weber Archiv

"Mir ist egal, ob das als Impfung bezeichnet wird"

In einem Gespräch mit SZ schildert Bernd Ebert auch seine persönlichen Beweggründe, warum er sich das Stöcker-Antigen hat spritzen lassen. Wegen einer ausgeheilten Lungenerkrankung sei er im Falle einer Infektion besonders gefährdet, habe aber wegen seines Alters noch nicht auf der Prioritätsliste gestanden. "Das hätte ich beantragen müssen", sagt er und: "Ich hatte es satt, irgendwo rumbetteln zu müssen. Das Gespräch mit meiner Ärztin hat mich darin bestärkt, das Richtige zu tun", sagt er. Inhalt des Gespräches sei im Wesentlichen gewesen, was Professor Winfried Stöcker selbst in seinem Internet-Blog über Prinzip und Wirksamkeit veröffentlicht.

"Ich bin der Ärztin dankbar, dass sie mich drangenommen und mich damit geimpft hat", sagt Ebert. Hinweis der Redaktion: Weil Ebert die Identität seiner Ärztin nicht nennt, ist nicht klar, ob es sich bei Eberts Ärztin um die selbe Ärztin handelt, über die SZ in Zusammenhang mit der Verabreichung des Stöcker-Antigens bereits berichtet hat. Ob die Verabreichung bei ihm die gewünschte Wirkung erzielt hat, weiß Bernd Ebert derzeit noch nicht. "Ich werde einen Antikörpertest machen lassen", sagt er. Und was die Verabreichung eines Stoffes betrifft, der keine Impfstoff-Zulassung hat: "Mir ist egal, ob das jetzt als Impfung bezeichnet wird oder als Medikament zur Stärkung des Immunsystems", sagt er. Und allein auf die Stärkung seines angegriffenen Immunsystems sei es ihm angekommen. "Ich bin für die Impfung dankbar. So bin ich bereits seit Ende März auf jeden Fall vor einem gefährlichen Corona-Krankheitsverlauf geschützt", schreibt er dazu auch in seinem Leserbrief. Allerdings: Aufgrund seines Alters von über 60 Jahren fällt Ebert in die Priorisierungsgruppe 3 und hätte sich ab Anfang Mai auch für eine ganz reguläre Impfung im Löbauer Impfzentrum anmelden können.

"Ich werde mich zu einem späteren Zeitpunkt auch noch mit einem zugelassenen Impfstoff impfen lassen", erklärt Ebert. Es sei ihm aber auf einen raschen Schutz angekommen. Versagen wirft er auch der Politik in der Pandemie vor. "Die EU und unser Staat haben es bisher nicht geschafft, genügend Impfstoff bereitzustellen. Wie in der SZ zu lesen war, gibt es Menschen, die nach Moskau geflogen sind, damit sie sich mit dem russischen Sputnik-Impfstoff impfen lassen konnten", schreibt er in seinem Leserbrief. Einige Ärzte und Patienten hätten in dieser Notsituation eine Zwischenlösung im „Stöcker-Impfstoff“ gesehen.

Kein Eintrag im Impfausweis

Ohne den Nachweis von Corona-Antikörpern wird es Bernd Ebert wahrscheinlich nicht gelingen, Erleichterungen im Lockdown in Anspruch nehmen zu können, wie sie geimpften und genesenen Personen zustehen. Denn: Sein Impfpass trägt keinen Hinweis auf eine Impfung - weil das bei Stoff ohne Zulassung als Impfstoff nicht möglich ist. "Ich hätte gerne einen solchen Eintrag bekommen, aber das geht nicht" sagt er. Er weiß auch nicht, ob seine Krankenversicherung für die Kosten aufkommen wird. "Ich habe die Rechnung noch nicht bekommen und weiß auch nicht wie hoch sie ausfällt oder ob die Versicherung das übernimmt", sagt er.

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