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Hohe Nachfrage in Bibliotheken

Büchereien im Rödertal verzeichnen steigende Ausleihzahlen. Trotz Einlassbeschränkungen. Was am liebsten ausgeliehen wird.

Annett Just ist Leiterin der Stadtbibliothek Radeberg. Zwischen 150 und 180 Besucher kommen derzeit täglich in die Einrichtung am Marktplatz.
Annett Just ist Leiterin der Stadtbibliothek Radeberg. Zwischen 150 und 180 Besucher kommen derzeit täglich in die Einrichtung am Marktplatz. © Archivfoto: Steffen Unger

Radeberg. Das hatte Linda Ludewig in der Zeit, in der sie die kleine Wachauer Gemeindebibliothek betreut, auch noch nicht erlebt. Eine Dame, die zu den regelmäßigen Nutzern der im Ortszentrum gelegenen Bibliothek gehört, hatte sich vor ein paar Tagen wohl etwas übernommen. „Sie hatte mehr Bücher eingepackt, als sie tragen konnte“, erzählt Ludewig, die seit März des vergangenen Jahres für die Wachauer Bibliothek verantwortlich ist. Die Dame, vermutet sie, habe sicher gedacht, dass von den angekündigten Verschärfungen des Teil-Lockdowns dieses Mal auch wieder die Bibliotheken betroffen sein würden.

So war das ja auch im Frühjahr gewesen, als wegen Corona landesweit diese Einrichtungen schließen mussten. Wirft man einen Blick auf die Stadtbibos im Lande, hat man den Eindruck, dass in diesen Zeiten mehr Menschen als sonst zum Buch greifen, trotz fortschreitender Digitalisierung.

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In der Ottendorfer Bibliothek, die über eine Ausleihfläche von rund 100 Quadratmetern verfügt und in der sich wegen der bestehenden Corona-Vorschriften nur maximal fünf Besucher aufhalten dürfen, mussten in vergangenen Tagen manche erst einmal warten, bevor sie hinein durften.

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Ottendorfs Bibliothekschefin Sylvia Fritsche erzählt, dass sich die Frequentierung der Räumlichkeiten in den vergangenen beiden Monaten wieder dem Vorjahresniveau angenähert habe. Fritsche: „Nach dem ersten Lockdown waren etliche unserer Nutzer zögerlich, es hat eine Weile gebraucht, bis die meisten wieder bei uns reingeschaut haben.“ Mittlerweile kämen auch die Familien wieder.

Ob ein Großteil der knapp 1.000 registrierten Mitglieder in den kommenden Wintermonaten stärker als sonst auf das Medienangebot zurückgreifen werden, kann Fritsche derweil nicht einschätzen. Man stehe erst am Anfang des Winters, da könne sich noch einiges tun, meint sie.

Rund 18 000 Medien stehen den Nutzern zur Verfügung, vom Buch oder Hörbuch bis zur CD, von Zeitschriften bis zu Gesellschaftsspielen. Im vergangenen Jahr gab es in der Ottendorfer Bibliothek rund 38.000 Ausleihen. Nicht auszuschließen, dass diese Zahl wegen des Lockdowns noch mal ansteigen wird.

Einfach ist diese Corona-Zeit für die Bibliotheken und Stadtbüchereien trotzdem nicht. Auch davor mussten diese sich gegen die Online-Konkurrenz behaupten. Jetzt kommen auch noch strenge Hygienemaßnahmen hinzu. Die zu Beginn der Corona-Krise für Bibo-Mitarbeiter wie Besucher gewöhnungsbedürftig waren.

So müssen die ausgeliehenen Medien, ob Buch, Zeitschrift oder DVD bei der Rückgabe desinfiziert und für mindestens 24 Stunden in Quarantäne gelegt werden, die bei den Nutzern so beliebten Leseecken in den hiesigen Bibliotheken wurden abgesperrt. In der Radeberger Bibliothek haben Besucher maximal eine Viertelstunde, um sich mit Lektüre einzudecken.

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Auch in der Ottendorfer Bibliothek soll die Verweildauer zwischen den Bücherregalen so kurz wie möglich sein. Was kaum noch jemanden abschreckt, man hat sich daran gewöhnt. Daran sieht man, dass für viele Rödertaler der Gang in die Bibliothek, das Ausleihen eines Buches, das haptische Gefühl der Literatur, besonders in Corona-Zeiten wichtig ist.

Wie gut, dass Sachsen zu den Bundesländern gehört, in denen Büchereien unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen geöffnet bleiben. „Damit war nicht unbedingt zu rechnen“, meint Wachaus Bibliotheksleiterin. Von den rund 200 Mitgliedern der dortigen Gemeindebibliothek nutzt knapp die Hälfte die zur Verfügung stehenden rund 2.500 Medien. In den vergangenen Wochen habe es einige Neuanmeldungen gegeben, so Ludewig weiter. Aber von einem Boom wie in anderen bundesdeutschen Bibliotheken könne man in Wachau nicht reden.

In der Radeberger Stadtbibliothek können die Nutzer angesichts des über 43.000 Medien umfassenden Angebots ebenfalls aus dem Vollen schöpfen. Zwischen 150 und 180 Besucher kommen derzeit täglich. Fernleihen sind auch möglich. Mit solchen Angeboten hatte die Stadtbücherei ihre Attraktivität ja schon vor der Pandemie erhöht.

Fragt man Radebergs Bibo-Leiterin Annett Just, welche Lektüre in diesen Zeiten bei den Lesern gefragt ist, erfährt man von ihr, dass das, wie in den Jahren zuvor auch, Krimis seien. Und klar, nach wie vor macht Harry Potter bei Kindern und Jugendlichen das Rennen. Was ihr aufgefallen ist: Gesellschaftsspiele würden jetzt häufiger als sonst ausgeliehen. Kein Wunder, im Kreise der Familie kann man sich doch mit einem Gesellschaftsspiel für ein paar Stunden wunderbar ablenken von der Pandemie.

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