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Lernen im Lockdown: Was Schulleiter sagen

Bis Ende Januar wird es auch für die meisten Kinder im Rödertal wegen Corona keinen regulären Unterricht geben. Die Probleme sind teils groß. Ein Überblick.

Bis Ende Januar müssen auch Schüler aus dem Rödertal zu Hause lernen. Lediglich Abschlussklassen dürfen ab 18. Januar wieder in die Schule kommen.
Bis Ende Januar müssen auch Schüler aus dem Rödertal zu Hause lernen. Lediglich Abschlussklassen dürfen ab 18. Januar wieder in die Schule kommen. © Symbolfoto: Ulrich Perrey/dpa

Radeberg. Der Schullockdown ist für weitere drei Wochen verlängert. Die Winterferien werden verschoben. Allein Abschlussklassen kommen ab 18. Januar wieder in den Genuss des Präsenzunterrichts. Die Lehrer haben mit ganz unterschiedlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die SZ sprach mit Schulleitern von Grund-, Ober-, Berufsschule und Gymnasium über die Situation.

Humboldt-Gymnasium Radeberg: Baulärm in der Unterrichtszeit

Für Andreas Känner, Direktor des Radeberger Humboldt-Gymnasiums, sind es momentan die Störungen bei der Plattform Lernsax, die die Arbeit behindern. „Das ist schon anstrengend. Den Schülern können nicht wie geplant die Aufgaben gestellt oder Videobeiträge nicht abgespielt werden. Wir hoffen aber, dass es in den nächsten Tagen besser wird.“

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Ein Umstieg auf andere Lernplattformen sei kaum möglich. „Der Aufwand wäre sehr hoch. Die Daten von unseren eintausend Schülern müssten eingepflegt werden, hinzu kommt, dass sich jeder erst in das neue System einarbeiten müsste.“

Die Regelung, Abschlussklassen in einigen Tagen wieder in der Schule unterrichten zu können begrüßt er. „Es ist nur noch nicht ganz klar, ob das im Wechselunterricht geschehen soll, oder ob alle Abschluss-Schüler zur gleichen Zeit zu uns kommen können. Den Platz hätten wir, um die Abstandsregeln einzuhalten. Hier warten wir noch auf genaue Regelungen durch die Landesregierung.“

Die Verschiebung der Winterferien wird jedoch höchstwahrscheinlich den Schulbetrieb beeinträchtigen. „In den zwei Wochen Winterferien sollten die ersten Arbeiten für den Bau der neuen Klassenzimmer auf der Dachterrasse stattfinden. Die unterrichtsfreien Tage sollten dafür genutzt werden, um besonders die lauten Tätigkeiten zu erledigen. Jetzt ist in der Zeit Unterricht. Wir sind mit dem Landratsamt im Gespräch, das neu zu organisieren“, sagt der Schulleiter.

Berufsschule Radeberg: Lernen am Computer oft nicht möglich

Vor großen Herausforderungen steht auch Lutz Loewens, Direktor des Beruflichen Schulzentrums Radeberg. Seine Kollegen und er haben vielleicht den größten Organisationsaufwand. „Durch die Besonderheiten des Dualen Ausbildungssystems ist ja immer nur ein Teil der Berufsschüler bei uns. Sie lernen immer einige Tage hier, dann gehen sie in ihre Ausbildungsbetriebe zurück. Durch den Schullockdown im Dezember und die Verlängerung jetzt werden wir einige Schüler bis zu acht Wochen lang nicht sehen. Das ist ein großer Nachteil für die Ausbildung.“

Hinzu kommt, dass der Unterricht in vielen Fächern sehr speziell ist und teilweise wenig Lehrmaterial zur Verfügung steht. „Meine Lehrer sind sehr engagiert. Doch Präsenzunterricht ist meist nicht zu ersetzen. In einem Fach geht es beispielsweise um die Programmierung von Maschinen. Das kann nicht am heimischen Computer geübt werden, da dort die Programmiersprache nicht vorhanden ist.“

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Außerdem gebe es Schüler, die zu Hause nicht über einen WLAN-Anschluss verfügen. „Da bringt es auch nichts, einen Laptop zur Verfügung zu stellen.“ Auch geben einige Ausbildungsbetriebe den jungen Leuten nicht die nötige Zeit zum Lernen. Die Berufsschule hat geschlossen, da werden sie die gesamte Zeit im Betrieb eingesetzt.

Besonders ärgert den Schulleiter, dass für seine Abschlussklassen nicht das Gleiche gilt wie für andere Absolventen. „Sie wurden bisher nicht in die Regelung aufgenommen. Hier warte ich auf weitere Informationen“, sagt Lutz Loewens. Das sieht auch die Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK) so. Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann fordert hier eine Nachbesserung.

Grundschule Ottendorf: Mehr Kinder als zuvor in der Notbetreuung

Während in weiterführenden Schulen Ruhe herrscht, ist an der Grundschule Ottendorf erheblich mehr Trubel. „Wir betreuen eine ganze Reihe von Schülern, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Es sind deutlich mehr Kinder als noch vor Weihnachten“, sagt Schulleiter Uwe Feierabend.

Die Betreuung funktioniere gut. „Durch unsere Zweizügigkeit haben wir ausreichend Lehrer, die mit den Kindern die Aufgaben erledigen. Alle anderen bekommen ihre Aufgaben über Lernsax.“ Die Verschiebung der Ferien hält er für einen richtigen Schritt. „Es ist eine Notsituation. Wir hoffen, dass ab dem 8. Februar wieder normaler Unterricht stattfinden kann.“

Problematisch sieht der Schulleiter allerdings die Gespräche zur Bildungsberatung für die Viertklässler. „Jetzt sieht es so aus, dass die Bildungsberatung mit den Eltern nur telefonisch stattfinden kann. Gerade bei einer so wichtigen Entscheidung, ob das Kind aufs Gymnasium oder die Oberschule wechseln soll, wäre ein direktes Gespräch hilfreicher.“

Pestalozzi-Oberschule Radeberg: Gut vorbereitet in die Prüfungen

Schulleiterin Marion Hobohm und ihre Lehrer haben Glück. Sie haben sich vor einiger Zeit für die Lernplattform Moodle entschieden. „Sie funktioniert ohne Probleme. Wir haben dort virtuelle Klassenzimmer eingerichtet, in denen sich die Schüler austauschen können, aber auch Elternbriefe und natürlich Lernaufgaben zu finden sind.“

An ihrer Schule werden die Abschlussklassen ab dem 18. Januar gestaffelt lernen. „Die Klassen werden in Gruppen geteilt. Die einen sind in einer Woche montags bis mittwochs bei uns, die anderen die restlichen beiden Tage. In der Woche darauf wird gewechselt. So müssen die Jugendlichen nicht allzu lange ohne Präsenzunterricht auskommen.“

Auch nach den Ferien ab 8. Februar wird es für alle anderen voraussichtlich Wechselunterricht geben. Trotz der langen Zeit ohne direkten Unterricht können nach ihrer Einschätzung die Schüler gut auf die Prüfungen vorbereitet werden. „Es wird einen zielgerichteten Unterricht geben, in dem jeder Stoff behandelt wird, der dann auch bei der Prüfung drankommen kann.“

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