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Corona: Verzweiflung an der Impfhotline

Seit Wochen versucht eine Radeberger Seniorin, einen Termin für eine Impfung zu bekommen. Selbst bei Hausärzten kommt sie nicht weiter. Das DRK hat einen Tipp.

Keine Termine frei. Heidrun Schindler aus Radeberg versucht verzweifelt, einen Impftermin zu bekommen.
Keine Termine frei. Heidrun Schindler aus Radeberg versucht verzweifelt, einen Impftermin zu bekommen. © Matthias Schumann

Radeberg. Das ist fast ein Vollzeitjob: Mehrere Stunden täglich sitzt Heidrun Schindler vor dem Computer und versucht, einen Impftermin für ihren Mann und sich zu bekommen. „Immer wieder wähle ich mich ein, doch nichts zu machen. Jedes Mal sehe ich nur den Satz: Keine Impftermine zu vergeben. Das ist sehr ärgerlich“, sagt die 67-Jährige. Sogar nachts hat sie es versucht. „Morgens um 1 Uhr und dann noch einmal um 6 Uhr, immer nur dasselbe Ergebnis. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Wer hat denn sonst noch die Zeit, so viele Stunden eine Anmeldung zu versuchen?“

Dabei wär das Ehepaar flexibel. „Wir würden auch nach Pirna ins Impfzentrum fahren, obwohl Kamenz zuständig wäre. Aber auch dort hatte ich bisher keinen Erfolg.“ Was sie nicht versteht, ist, dass sie auch keinen Termin für eine Astrazeneca-Impfung bekommt. „Ich höre ja immer wieder, dass er von vielen gemieden wird. Mein Mann und ich hätten aber keine Probleme damit, diesen Impfstoff zu bekommen. Ich bin sicher, dass wir ihn vertragen. Trotzdem klappt es nicht mit einer Impfung“, sagt die Radebergerin.

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Ihr Hausarzt teilte ihr mit, dass er zu wenige Astrazeneca-Dosen bekomme und die Warteliste bei ihm sehr lang sei. „Daraufhin habe ich in mehreren Praxen angerufen. Dort heißt es immer, wenn wir keine Patienten sind, die schon einmal in Behandlung waren, werden wir nicht auf die Warteliste aufgenommen“, sagt die 67-Jährige.

Heidrun Schindler und ihr Mann wären gerne vor dem gefährlichen Coronavirus geschützt. „Wir gehören ja in unserem Alter zur Risikogruppe. Eine Ansteckung wollen wir nicht riskieren. Trotz aller Hygieneregeln kann es dazu kommen. Die höchste Sicherheit bietet die Impfung.“

Deshalb versuchen sie quasi Tag und Nacht, einen Termin zu bekommen. Sie wollen auch gerne ein Stück Lebensqualität zurück. „Schon im vergangenen Jahr haben wir unseren Kroatien-Urlaub wegen der Ansteckungsgefahr abgesagt. In diesem Jahr würden wir aber gerne reisen. Wir haben auch schon gebucht. Jetzt haben wir Angst, dass wieder nichts aus unserer Reise wird“, sagt sie. Das Impfen in Deutschland müsste viel schneller gehen.

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Für Kai Kranich, Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes in Sachsen, sind die Schindlers kein Einzelfall, eher die Mehrzahl. Das DRK betreibt die Impfzentren in ganz Sachsen. „Die Mitarbeiter bekommen tagtäglich die hohe Nachfrage nach einer Impfung mit. Der Druck ist sehr hoch. Verständlicherweise will jetzt jeder, der die altersmäßigen oder beruflichen Voraussetzungen erfüllt, auch einen Termin. Wir arbeiten auch unter Hochdruck, um die Erwartungen zu erfüllen“, sagt er.

Doch Hoffnungen, dass sich schnell etwas ändert, macht er nicht. „Die Nachfrage ist gemessen am Angebot einfach zu groß.“ Als Beispiel nennt er Zahlen vom vergangenen Freitag. „An dem Tag haben wir 36.000 Termine eingestellt. Bei der Hotline wurden in diesen 24 Stunden 1,8 Millionen Anrufe registriert. 4.500 Termine konnten an dem Tag an der Hotline vergeben werden. Das zeigt die Relationen.“

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Die Kapazität der Impfzentren in Sachsen liegt nach seinen Angaben bei einer halben Million Impfungen im Monat. „Mehr schaffen wir nicht. Hinzu kommt die Knappheit bei den Impfstoffen. Das sind die beiden Engstellen, die das Tempo der Impfkampagne bestimmen. „Wir hoffen, dass die Hausärzte künftig mit mehr Impfstoffen ausgestattet werden, um eine größere Anzahl von Patienten impfen zu können, um den großen Druck von den Impfzentren zu nehmen. Momentan bekommen auch sie zu wenige Dosen, nach meinem Wissen auch von Astrazeneca“, sagt er.

Nach seiner Einschätzung ist auch dieser Impfstoff sehr gefragt. „Es gibt viele, die sich damit impfen lassen wollen. Das hatte unsere Aktion zu Ostern gezeigt, wo wir in den großen Zentren diese Dosen Freiwilligen angeboten haben. Die Termine waren in kurzer Zeit weg.“

Einen Tipp hat er für alle, die verzweifelt einen Termin buchen wollen. „Wir werden neue Termine künftig immer zu bestimmten Zeiten freigeben: montags um 12 Uhr, mittwochs um 8 Uhr und freitags um 18 Uhr. Zu diesen Zeiten sind die Chancen am größten.“

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