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Radeberg: Wenn das Impfteam in die Firma kommt

Eine Ärztin hat in einem Radeberger Unternehmen gegen das Coronavirus geimpft. Weshalb das die große Ausnahme ist.

Schwester Mandy Eisold und die anderen Mitarbeiterinnen haben bei der Firma Prettl in Radeberg mehr als 140 Impfungen verabreicht.
Schwester Mandy Eisold und die anderen Mitarbeiterinnen haben bei der Firma Prettl in Radeberg mehr als 140 Impfungen verabreicht. © Prettl

Radeberg. Im Impfzentren Kamenz haben bisher die meisten Bewohner im Landkreis ihre Corona-Schutzimpfung bekommen. Nach Angaben des Landratsamtes sind hier mit Stand Dienstag knapp 80.000 Personen erst- und zweitgeimpft worden. Hinzu kommen die Impfungen bei den Hausärzten. Knapp 52.000 Frauen und Männer haben in einer der Praxen die erste, teils auch die zweite Dosis bekommen.

Weniger wahrgenommen werden die mobilen Impfteams im Landkreis. Bei der Firma Prettl Electronics in Radeberg war jetzt Dr. Vera Klose mit zwei Schwestern zu Gast. Unterstützt wurden sie vom mobilen Team der Malteser Hilfswerke aus Kamenz.

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Angesichts der sonst so großen Nachfrage nach den Impfungen geht es hier erstaunlich gelassen zu. Am Empfang werden die Personalien der Prettl-Mitarbeiter überprüft, dann geht es in dem großen Raum zum Wartebereich, unmittelbar daneben sind mehrere Stellwände aneinandergereiht, hinter denen geimpft wird. Im gleichen Raum befindet sich die Zone, in der die Geimpften 15 Minuten warten müssen. Bei etwaigen allergischen Reaktionen können Arzt und Schwestern schnell helfen. Über einen separaten Ausgang geht es ins Freie.

Impfen ohne große Wartezeit

Keine Schlangen, keine vollen Wartebereiche. „Der Ablauf ist hier schon sehr gut organisiert“, sagt auch Dr. Klose. Sie ist eigentlich Hals-, Nasen-, Ohrenärztin und bereits im Ruhestand. „Bei dem mobilen Team bin ich gerne dabei. Wir müssen ja mit dem Impfen vorankommen“, sagt sie. Für einen noch praktizierenden Arzt ist es praktisch unmöglich, seine Praxis zu betreiben und noch in so einem Team mitzuarbeiten. „Deshalb helfe ich für einen diesen Zeitraum.“

Bis weit in den Juli hinein hat sie schon Termine, sagt sie. Diesmal werden Dosen der Firma Moderna verabreicht. „Meist werden die Vakzine von Biontech oder eben Moderna von uns geimpft.“ In die Reihe der Impfenden stellt sich Carsten Ellermeier. Er ist Geschäftsführer von Prettl Electronics. „Wir sind sehr froh, dass es mit diesem Termin geklappt hat. Dafür bedanken wir uns beim Impfzentrum in Kamenz.“

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Sein Unternehmen zählt zur kritischen Infrastruktur, wie er sagt. „Wir stellen unter anderem elektronische Bauteile für Beatmungsgeräte für die Firma Draeger her. Meine Mitarbeiter sind in der Priorisierungsgruppe 3 eingeordnet. Das hat sicher dazu beigetragen, dass wir diesen Termin bekommen haben.“

Mitte April hatte die Geschäftsleitung erstmals beim Deutschen Roten Kreuz nachgefragt. Zahlreiche Telefonate und Mails folgten, bis feststand, am 1. Juni kommt das Mobile Impfteam ins Haus. „Dann musste noch die genaue Zahl der zu Impfenden geklärt werden. Zunächst hieß es, maximal 120 Mitarbeiter sind möglich. Schließlich konnten wir 143 vereinbaren. Meist sind es Beschäftigte von uns, es haben sich aber einige Mitarbeiter von zwei Unternehmen hier auf dem Firmengelände angemeldet“, sagt Axel Wagner, Justiziar der Firma Prettl Electronics.

Prettl-Mitarbeiter Phillip Wendt hat noch das Pflaster über dem Einstich am Arm und wartet, dass die 15 Minuten Beobachtungszeit vorüber sind. Er ist froh, dass er die Schutzimpfung so unkompliziert bekommen hat. „Wir konnten uns am Computer unseres Arbeitsplatzes für eine bestimmte Zeit anmelden, das hat Sekunden gedauert“, sagt er. Er ist während seiner Arbeitszeit hier in den Impfraum gekommen. „Es ging hier ebenfalls alles sehr schnell.“

Er und die anderen Mitarbeiter wissen auch schon, wann sie zur zweiten Impfung dran sind. „Der Termin liegt Ende Juni, damit haben die Beschäftigten im Juli vollen Impfschutz. Darüber bin ich sehr froh“, sagt Carsten Ellermeier.

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Dass der Besuch des Impfteams in der Firma fast einem Sechser im Lotto gleicht, weiß kein anderer besser als Kai Kranich, Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes Sachsen. „Es ist die absolute Ausnahme“, sagt er. Im Landkreis Bautzen sind nur zwei mobile Impfteams unterwegs. „Sie fahren vorrangig in Pflegeeinrichtungen. Neben Seniorenheimen sind das auch Häuser, in denen Kranke gepflegt werden. Die Anzahl ist entsprechend hoch. Außerdem decken sie die Arbeit in kleineren Impfzentren ab, die zeitweilig beispielsweise in Gemeinden mit hohen Inzidenzwerten eingerichtet werden. Erst wenn sie dort nicht gebraucht werden, können Termine in Firmen gemacht werden“, sagt der DRK-Sprecher.

Die Kapazitäten reichen also bei Weitem nicht aus, um die Mitarbeiter vieler Firmen zu impfen. „Die Unternehmen sollten die Beschäftigten ermuntern ihre Hausärzte aufzusuchen oder sich im Impfzentrum anzumelden“, sagt Kranich. Er verweist auch auf die Möglichkeit, Impfungen durch Betriebsärzte vornehmen zu lassen. „Ab Montag, 7. Juni, können auch sie die Dosen verabreichen.“

Auch wenn die Chance gering ist, können sich Unternehmen für einen Impftermin durch ein mobiles Team anmelden. „Das ist auf der Internetseite des DRK Sachsen unter den Stichworten „Aktuelles“ und dann unter „Corona“ möglich. Allerdings werden jetzt Termine schon für den August geplant“, sagt Kranich.

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