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Corona: Radeberger Klinik muss Station schließen

Mehrere Pfleger und Ärzte der Asklepios-ASB Klinik Radeberg sind an Corona erkrankt. Das Krankenhaus kann nur noch die Hälfte der Betten belegen.

Dr. Josef Albin Nees ist neuer Chefarzt der Inneren Abteilung der Asklepios-ASB Klinik Radeberg. Jetzt stehen er und seine Kollegen vor besonderen Herausforderungen. Mehrere seiner Mitarbeiter haben sich mit dem Coronavirus infiziert.
Dr. Josef Albin Nees ist neuer Chefarzt der Inneren Abteilung der Asklepios-ASB Klinik Radeberg. Jetzt stehen er und seine Kollegen vor besonderen Herausforderungen. Mehrere seiner Mitarbeiter haben sich mit dem Coronavirus infiziert. © Christian Juppe

Radeberg. In der Asklepios-ASB Klinik Radeberg hat sich die Situation in den vergangenen Stunden zugespitzt. Nach Angaben von Dr. Josef Albin Nees, Chefarzt der Inneren Medizin, musste eine Station geschlossen werden. Mehrere Pfleger und Ärzte haben sich mit dem Coronavirus infiziert und fallen deshalb aus. „Die Versorgung der Patienten auf Station vier hätte nicht mehr in der gewohnten Weise aufrechterhalten werden können. Sie wurden auf andere Stationen verlegt. Auch das verbliebene Personal arbeitet jetzt dort“, sagt der Chefarzt.

Das Radeberger Krankenhaus kann derzeit etwa nur die Hälfte der Betten anbieten. Insgesamt verfügt das Haus über 145 Betten, jetzt sind es nur 65. Inzwischen melden auch die Oberlausitz Kliniken mit Häusern in Bautzen und Bischofswerda, dass alle Intensivbetten belegt sind. Momentan werden in Radeberg 16 Covid-19-Patienten behandelt, davon drei auf der Intensivstation. Das Alter der Corona-Patienten liegt meist über 60 Jahre.

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Viele der Patienten kommen mit hohem Fieber, teils mit Atembeschwerden in die Klinik. „Wenn wir feststellen, dass der Sauerstoffgehalt im Blut gering ist, versuchen wir zunächst, über Nase etwas zuzuführen. Tritt keine Besserung ein, wird eine Maske verwendet, die über Mund und Nase liegt. Bei sehr schwer Erkrankten muss intubiert werden“, sagt Nees. Dabei wird ein Schlauch in die Luftröhre geführt. Über ihn wird der Patient künstlich beatmet. Die Intubation ist immer dann nötig, wenn der Erkrankte nicht selbstständig atmen kann.

Zusätzlich werden Patienten mit dem Anti-Viren-Mittel Remdesivir behandelt. Für Pfleger und Ärzte hat sich die Belastung deutlich erhöht. So heißt es beispielsweise jedes Mal vor dem Betreten eines Patientenzimmers, neue Schutzkleidung anlegen.

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Josef Nees ist neu im Radeberger Krankenhaus. Er hat seine Stelle als Chefarzt in Radeberg am 1. Oktober, genau mit Beginn der zweiten Welle der Corona-Pandemie angetreten. Einen Zusammenhang gibt es nicht, sagt er. „Ich wurde schon im November 2019 gefragt, ob ich mir diese Aufgabe vorstellen kann und habe zugesagt.“

Grund ist die stärkere Kooperation der Inneren Medizin des Uniklinikums und des Radeberger Krankenhauses. „Es gibt bereits eine enge Zusammenarbeit im Bereich der Chirurgie, das hat sich bewährt, das wollen wir jetzt auf die Innere Medizin übertragen.“ Die Idee ist, die medizinische Versorgung vor Ort in Radeberg mit der Spitzenmedizin in Dresden zu verbinden. „Radeberger und Einwohner umliegender Orte kommen gerne in die Asklepios-Klinik. Viele der Erkrankungen können hier sehr gut behandelt werden. Gleichzeitig können sich die Patienten sicher sein, dass ihnen bei Bedarf die gleichen Experten und die gleiche Medizintechnik zur Seite stehen, wie in der Uniklinik.“

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Josef Nees kennt sich dort aus. Er hat bis zuletzt in der Inneren Abteilung gearbeitet. „Aus meinen Berufsjahren in der Einrichtung weiß ich, was dort alles möglich ist. Ich kenne die Kollegen dort, kann schnell anrufen, wenn ich eine spezielle Auskunft brauche oder dringend einen Patienten überweisen muss.“

Auch für die Uniklinik ist die Zusammenarbeit von Vorteil. „Dort arbeiten Mediziner, die in ihren Fachgebieten besonders ausgebildet sind. Sie sollen sich auch mit den speziellen Fällen beschäftigen. Durch die Zusammenarbeit kommen diese Patienten gewissermaßen an die richtige Stelle.“ Gestärkt werden soll in Radeberg unter anderem die Altersmedizin. „Gerade in diesem Bereich werden die Behandlungsmöglichkeiten verbessert. Dafür sind auch Investitionen vereinbart.“

Josef Nees hat sein Abitur in Dresden absolviert. Danach begann er Jura zu studieren. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist.“ Er sattelte auf Medizin um und konnte davon nicht mehr lassen. Gleich mehrere Facharzt-Abschlüsse hat er jetzt in der Tasche. Er ist Psychiater, Internist, hat einen Facharzt-Abschluss in Geriatrie, also in Altersheilkunde, und einen in Psycho-Onkologie. „In dieser Fachrichtung geht es darum, seelische Leiden, die im Zusammenhang mit schweren Erkrankungen entstehen, zu lindern. Also wenn beispielsweise ein Krebspatient in eine schwere Depression fällt, dann können wir helfen.“

Als ob diese Abschlüsse nicht reichen, absolviert er jetzt neben seiner Arbeit ein Fernstudium an der Dresden International University in Health Care Management, also Gesundheitsmanagement. „Als Chefarzt bin ich auch mit administrativen Aufgaben betraut, also mit allem, was die Organisation in der Abteilung angeht. Das will ich besser verstehen.“ Um seine Familie kümmert er sich auch noch. Mit seiner Frau und drei Töchtern lebt er in Dresden.

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